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20:09 19.09.2014
Von Andreas Schinkel
Wer des Kraftwerks Linden: 130 Millionen Euro.
Wer des Kraftwerks Linden: 130 Millionen Euro. Quelle: Archiv
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Hannover

Die Kämmerei hat jetzt eine sogenannte Konzernbilanz errechnet, also Vermögen und Fremdkapital der Stadtverwaltung Hannover und ihrer Beteiligungsfirmen gegenübergestellt. „Damit steigt unsere Bonität bei den Banken“, sagt Stadtkämmerer Marc Hansmann (SPD). Seit der Finanzkrise sei es auch für Kommunen schwieriger geworden, Kredite bewilligt zu bekommen. „Die Banken wollen sichergehen, dass ihr Geld auch sicher ist“, sagt Hansmann.

Die Vermögenswerte des Konzerns Stadt, von der Eilenriede über die Üstra-Flotte, die auch der Stadt gehört, bis zu den Parkhäusern, summieren sich auf rund 14 Milliarden Euro. Das Fremdkapital (Schulden und Rückstellungen für Pensionen) beträgt nur sieben Milliarden Euro, sodass der Konzern über ein solides Eigenkapital von sieben Milliarden Euro verfügt. „Damit bewegt sich die Stadt Hannover in ihrer Bilanzsumme auf dem Niveau eines mittleren DAX-Unternehmens“, sagt Kämmerer Marc Hansmann (SPD).

Auch im Vergleich zu niedersächsischen Firmen schneidet die Kommune mit ihren Beteiligungen gut ab. Betrachtet man allein die Bilanzsummen, steht Hannover an fünfter Stelle der führenden Unternehmen Niedersachsens – noch vor der Salzgitter AG (acht Milliarden Euro) und der TUI (fünf Milliarden Euro).

Die Kämmerei hat die Konzernbilanz nicht aus purer Freude am Zahlenspiel erstellt. Die neue, „doppische“ Buchführung verpflichtet die Kommune, eine Bilanz wie ein Unternehmen aufzustellen. In einem ersten Schritt zählte der Kämmerer bereits 2011 alle Vermögenswerte der Stadt zusammen. 1200 Kilometer Straßen mussten bewertet werden (knapp 900 Millionen Euro), die Eilenriede (713 Millionen Euro) und Kunstobjekte. Ein besonders wertvolles Gemälde im Eigentum der Stadt ist beispielsweise Schwitters „Merzbild 29 A“, das einen Buchwert von 25 Millionen Euro hat.

Jetzt sind in die Bilanzsumme der Stadt noch Werte eingeflossen, die sich im Eigentum der Tochterunternehmen befinden. Dazu zählen die Parkhäuser der Union Boden, aber auch der Wohnungsbestand der Immmobilientochter GBH. Die rund 13 000 Wohnungen haben nach Angaben der Kämmerei einen Wert von rund 500 Millionen Euro. Auch die Bus- und Bahnflotte der Üstra zählt mit 440 Millionen Euro zu den Aktiva des Stadtkonzerns. Ebenso das Kraftwerk in Linden, dessen aktueller Wert sich auf 130 Millionen Euro beläuft.

Der Gedanke liegt nahe, das Tafelsilber zu veräußern, um endlich von den Schulden herunterzukommen. Langfristige Kredite mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro lasten auf der Stadtkasse. Jedes Jahr zahlt die Stadt zwischen 50 und 60 Millionen Euro allein an Zinsen. Die Kredite wurden in den siebziger Jahren aufgenommen, um unter anderem den U-Bahn-Bau zu finanzieren. Zwar käme niemand auf die Idee, die Eilenriede zu verkaufen, um die Schulden zu tilgen. Aus der Ratsopposition erheben sich aber immer wieder Stimmen, die für einen Verkauf der Stadtwerke plädieren. Nach Einschätzung des Kämmerers wäre Hannover dann auf einen Schlag schuldenfrei. „Aber das steht nicht zur Debatte“, sagt er. Denn noch immer übersteigen die Gewinne, die die Stadtwerke erwirtschaften und in die Stadtkasse einzahlen, die Zinszahlungen für die langfristigen Kredite.    

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