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Aus der Stadt Firma darf Frau nicht willkürlich versetzen
Hannover Aus der Stadt Firma darf Frau nicht willkürlich versetzen
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06:00 25.08.2017
Von Michael Zgoll
Der Weg von Neustadt zum A 2-Center ist lang. Quelle: Carina Bahl
Hannover

Eine 49 Jahre alte Verkäuferin, seit elf Jahren bei einem Parfümerie-Filialisten tätig, wehrt sich dagegen, neuerdings knapp 40 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz fahren zu müssen. Seit Februar 2017 darf die Frau aus Neustadt am Rübenberge nicht mehr in ihrem Heimatort arbeiten, sondern ist in das A 2-Center in Altwarmbüchen versetzt worden. Ihr größtes Problem: Sie hat einen 28-jährigen, geistig behinderten Sohn, der in seiner Lebenshilfe-Einrichtung nicht bis spätabends betreut werden kann.

A 2-Center hat längste Öffnungszeiten

Gestern trafen sich Klägerin und Firma beim Arbeitsgericht - und die Kammer machte deutlich, dass sich das Unternehmen bewegen muss. Immerhin sind unter den 80 Filialen der Parfümerie etliche in der Region Hannover zu finden. Einige liegen näher dran an Neustadt, alle aber - das gab die Firma zu - haben kürzere Öffnungszeiten als im A 2-Center.

Sohn braucht Spritzen

Wie die Verkäuferin erklärte, kostet sie ein Weg nach Altwarmbüchen per Auto 45 bis 60 Minuten, mit Bus und Bahn das Doppelte. Die Lebenshilfe bringe ihren Sohn täglich um 17.15 Uhr zurück, sie aber müsse nun von 9.30 bis 20 Uhr arbeiten und komme meist erst gegen 21 Uhr nach Hause. Zwar kümmere sich ihr Lebensgefährte darum, dass der Sohn abends Spritze und Medikamente bekommt, aber auch ihr Partner müsse abends oft noch arbeiten. Niemals habe sie damit gerechnet, so die Verkäuferin, versetzt zu werden, habe doch 2016 sogar ein Haus in Neustadt gekauft.

Gründe bleiben unbeachtet

Ob die Zentrale nun eine unbequeme Mitarbeiterin loswerden will oder die Verkäuferin nicht teamfähig ist - mit den Gründen für die Versetzung beschäftigte sich das Gericht gestern nicht. Im Grundsatz, das machte Richter Finn Altmüller deutlich, darf ein Arbeitgeber einen Mitarbeiter aus betrieblichen Gründen allemal versetzen, auch 40 Kilometer weit entfernt. Selbst ein Hauskauf begründe keinen Anspruch auf einen wohnortnahen Arbeitsplatz.

Firma will Vorschlag machen

Im diesem Fall, so Altmüller, sei aber höchst problematisch, dass die 49-Jährige einen betreuungsbedürftigen Sohn hat und ausgerechnet in der Filiale mit den längsten Öffnungszeiten in der Region arbeiten soll; die meisten anderen Läden schließen um 18.30 Uhr. Die Firmenanwältin versprach, bis zum nächsten Gerichtstermin einen Vorschlag zu unterbreiten - sei es die Versetzung der Verkäuferin in ein anderes Geschäft oder eine Kombination aus Fahrtkostenzuschuss und besseren Arbeitszeiten in Altwarmbüchen.

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