Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Flaschenöffner soll im Fall Simone Müller neuen Beweis liefern
Hannover Aus der Stadt Flaschenöffner soll im Fall Simone Müller neuen Beweis liefern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:51 19.06.2010
Von Tobias Morchner
Die Polizei sucht am Fundort der Leiche nach Spuren.
Die Polizei sucht am Fundort der Leiche nach Spuren. Quelle: Christian Elsner (Archivbild)
Anzeige

Überraschend beantragte Rechtsanwalt Matthias Waldraff, der die Mutter der Getöteten vertritt, am Freitag eine Leibesvisitation bei Dirk K. sowie eine erneute Durchsuchung von dessen Wohnung und Auto. Dabei wurden insgesamt fünf Flaschenöffner sichergestellt.

Im Labor soll jetzt geklärt werden, ob mit einem der Flaschenöffner jener Kronenkorken von einer Flasche gehebelt wurde, der auf der Leiche der 39-Jährigen gefunden worden war. „Jeder Flaschenöffner hinterlässt auf dem Korken derartig individuelle Spuren, dass man von einer Art Fingerabdruck sprechen kann“, sagte Waldraff. Dies habe das Landeskriminalamt (LKA) bestätigt.

Simone Müller war im August 2007 auf einem Parkplatz in Vahrenwald getötet worden. Ihre Leiche fand man später auf dem Gelände einer Spedition in Wunstorf. Der Kronenkorken, der bei der Toten sichergestellt wurde, stammt von einer Bierflasche der Marke „Bergadler Premium Pils“. Diese Sorte, die ausschließlich in Lidl-Supermärkten vertrieben wird, soll der Angeklagte nach Zeugenaussagen regelmäßig getrunken haben. Auch soll er stets einen bestimmten Flaschenöffner an seinem Schlüsselbund getragen und in der Regel damit seine Bierflaschen geöffnet haben. Passen die Abdrücke auf dem Kronenkorken vom Leichenfundort zu einem der Flaschenöffner, ist für Waldraff der Beweis erbracht, dass der Angeklagte sich auf dem Gelände, auf dem die Tote entdeckt wurde, aufgehalten hat.

Der Rechtsanwalt der Angeklagten, Jörg Feldmann, hält das Vorgehen seines Kollegen für fragwürdig: „Es sprengt den Rahmen dessen, was sonst vor Gericht üblich ist“, sagte er. Der Verteidiger wies darauf hin, dass sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Leichenfundortes ein größeres Lager der Firma Lidl befindet: „Es ist deswegen nicht verwunderlich, wenn in dessen Umfeld Bergadler-Kronenkorken auftauchen.“ Dirk K. war bereits während der Beweisaufnahme aus der Untersuchungshaft entlassen worden, weil das Gericht den dringenden Tatverdacht gegen den Angeklagten nicht mehr erkennen konnte.

Abgelehnt wurde am Freitag der Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden des Verdener Schwurgerichts. Rechtsanwalt Waldraff hatte dem Richter vorgeworfen, Beweismittel unsachgemäß gelagert und dadurch die Vernichtung von Spuren in Kauf genommen zu haben. Die Bodenproben vom Fundort der Leiche und aus dem Garten des Angeklagten seien nicht gekühlt aufbewahrt worden. Nach Angaben des LKA, das mit der Probenanalyse beauftragt war, ist eine Kühlung allerdings nicht erforderlich.

Mehr zum Thema
Aus der Stadt Fall Simone Müller - Dirk K. bestreitet Mord

Nach Ansicht der zuständigen Staatsanwaltschaft steht der Mordfall Simone Müller vor der Aufklärung. Das teilte die Behörde am Montag mit. Dirk K., der ehemalige Lebensgefährte der Prostituierten, soll die Frau „in Tötungsabsicht gewürgt und geschlagen“ haben.

Tobias Morchner 28.09.2009

Bislang gibt es keinerlei Hinweise auf den Mörder der Prostituierten Simone Müller. Die Polizei arbeitet unter erschwerten Bedingungen.

Tobias Morchner 04.08.2009

Am zweiten Tag der Suche nach Hinweisen auf den Mörder der Prostituierten Simone Müller in Wunstorf-Luthe hat die Polizei „einige Spuren“ sichergestellt.

Tobias Morchner 04.08.2009
Tobias Morchner 19.06.2010
Conrad von Meding 18.06.2010