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Aus der Stadt Flohmarkt am Leineufer feiert 50. Geburtstag
Hannover Aus der Stadt Flohmarkt am Leineufer feiert 50. Geburtstag
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00:15 20.06.2017
Von Saskia Döhner
Immer einen Besuch wert: Der Flohmarkt am Leineufer wird 50 Jahre alt. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Der Wert ist das, was man bekommt, wenn man etwas verkauft.“ Dieter Bünger vom Auktionshaus Hannoverum hat einen guten Blick für den Wert von Sachen. Sind das wirklich Perlen? Soll die vermeintliche Bernsteinkette auf den Müll? „Bloß nicht“, sagt der Schmuckexperte, „dafür bekommen Sie 80 Euro.“ Bünger, seine Frau Didde Petersen und Mitarbeiter Stefan Lammers schätzen am Sonnabend auf dem Flohmarkt Gegenstände, die Besucher von zu Hause mitgebracht oder gerade erstanden haben. Ein Ehepaar hat einen Bauhaus-Wasserkessel für 35 Euro gekauft. „Das ist ein Schnäppchen“, sagt Lammers. Für den gleichen Kessel hatte das Paar in Berlin vor ein paar Jahren 120 Euro bezahlt. „In Berlin ist alles etwas teurer“, meint Lammers.

Der Altstadtflohmarkt feiert 50-jähriges Bestehen. Im Rahmen des Jubiläums begutachten Experten vom Auktionshaus HannoVerum auf der Bühne Gegenstände, die von Besuchern mitgebracht werden.

Viele Neugierige verfolgen die Schätzaktion auf der Bühne, auf der es zum 50-jährigen Bestehen des Flohmarkts noch mehr Programm gibt: Am 8. April 1967 hatte der Aktionskünstler Reinhard Schamuhn den ersten Markt für Trödel, Nippes und Gebrauchtes nach Pariser Vorbild aufgebaut – damals noch auf dem Holzmarkt. Pianist Gottfried Böttger und der Sänger Peter Petrel, die bei der Premiere dabei waren, eröffnen die Jubiläumsausgabe, auch weitere Weggefährten erinnern an den 2013 verstorbenen Schamuhn: Zusammen mit den Flohmarktfreunden um Rüdiger Knorr erzählt auch Künstler Timm Ulrichs einige Anekdoten aus der wilden Anfangszeit.

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An den Ständen wird derweil eifrig gefeilscht, andere erhoffen sich endlich Klarheit über vermeintliche Schätze. Annette Brinkmann aus Isernhagen hat mehrere Bilder dabei: Ein Gemälde soll von dem russischen expressionistischen Maler Alexej von Jawlensky stammen, das anderen von Egon Schiele. „Bei so großen Namen bin ich von vornherein skeptisch“, sagt Lammers. Das angebliche Schiele-Bild solle sie von Experten genau prüfen lassen, bei dem anderen entdeckt er in der Signatur die Initialen S und F. „J steht da leider nicht, so dürfte das Bild einen Wert von 80 Euro haben.“ Brinkmann zuckt die Schulter: „Das habe ich mir schon gedacht.“ Behalten will sie die beiden Bilder trotzdem, auch wenn es keine Originale sein sollten. „Ich habe sie mir ja gekauft, weil mir der Stil gefällt.“ 

Bünger tröstet zwei Frauen, deren Schmuck nicht so viel wert ist, wie sie gehofft haben: „Aber schön sind die Ringe und Ketten ja, das ist doch die Hauptsache.“ Außerdem könne man auf dem Flohmarkt immer wieder Schnäppchen entdecken: „Also, Augen offen halten!“ Er selbst hat einen Jade-Armreif für 50 Euro gefunden. Durch das Internet sei der Markt transparenter geworden: Habe man früher für Biedermeier-Möbel mehrere Tausend Euro bekommen, seien sie jetzt oft nur noch ein Zehntel wert.

Gisi Frede-Reischies aus Bemerode kommt schon seit Jahrzehnten zum Flohmarkt, der seinen 50. Geburtstag nicht nur mit Schätzaktionen, sondern auch mit viel Livemusik feiert. „Das Angebot ist genau die richtige Mischung aus günstigeren und hochwertigen Sachen.“ Vor zehn Jahren habe es fast nur noch Ramsch gegeben, erinnert sie sich. Nun habe der Markt wieder an Qualität gewonnen, und das Ambiente stimme am neu gestalteten Leineufer auch.

Uwe und Lena Rosenbohn aus Beckedorf im Kreis Schaumburg besuchten den hannoverschen Flohmarkt drei- bis viermal im Jahr, hauptsächlich um nach Büchern und Platten zu stöbern. Auch an diesem Tag sind sie fündig geworden, genau wie Hanneke (26) und Anne (18) aus dem niederländischen Zwolle, die mit dem Auto einen Hannover-Ausflug machen. Die Jüngere hat auf dem Flohmarkt eine Silberkette mit Schildkrötenanhänger gekauft, die Ältere einen Anhänger. Das Flair gefällt ihnen: Sie würden gern wiederkommen, meinen die beiden jungen Frauen.      eher zufällig hier gelandet, die 18-Jährige hat gerade den Führerschein gemacht und wollte ein bisschen Fahrpraxis gewinnen, vier Stunden dauerte die Tour nach Hannover. "Genau richtig", findet Hanneke. Die Jüngere hat auf dem Flohmarkt eine Silberkette mit Schildkrötenanhänger gekauft, die Ältere nur einen Anhänger. Sie würden gern noch mal wiederkommen, meinen die beiden jungen Frauen.

Saskia Döhner 17.06.2017
Bernd Haase 18.06.2017
17.06.2017