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Aus der Stadt Flüchtlinge bleiben noch in Turnhallen
Hannover Aus der Stadt Flüchtlinge bleiben noch in Turnhallen
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00:24 13.02.2015
Die Turnhalle in Ahlem dient noch mindestens bis zum Sommer als Flüchtlingsunterkunft. Quelle: privat
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Hannover

„Bis zum Sommer, wenn nicht noch länger, werden die Turnhallen belegt sein“, sagte Stadtplaner Marc Schalow am Montagabend im Bezirksrat Vahrenwald-List. Ursprünglich hatte die Stadt Hannover erwartet, dass die Sporthallen in Ahlem, Stöcken und Vahrenwald geräumt werden können, sobald die Sammelunterkunft im ehemaligen Oststadtkrankenhaus eingerichtet ist. Dort finden bis zu 300 Menschen Platz. Doch muss die Stadt in den kommenden Monaten so viele Flüchtlinge unterbringen, dass sie auf die Sporthallen als Notquartiere nicht verzichten kann.

Die Stadt versucht, Sportunterricht und Vereinssport in andere Hallen zu verlagern. Das gelingt weitgehend für die belegten Turnhallen der IGS Büssingweg und der Feuerwehr in Stöcken. Doch Sportler, die üblicherweise die Halle im ehemaligen Schulzentrum Ahlem nutzen, müssten sich auf „Ausfälle“ gefasst machen, kündigt Schalow an. Die Turnhalle der IGS Büssingweg war für ein paar Tage frei, doch seit Anfang der Woche wohnen dort wieder Flüchtlinge. „Möglicherweise müssen wir dort kurzfristig bis zu 40 Menschen unterbringen“, sagt Schalow.

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Hannover muss 2600 Flüchtlinge beherbergen

2600 Flüchtlinge muss Hannover in den kommenden Monaten aufnehmen. Da die Kapazitäten in Wohnheimen und Wohnungen erschöpft sind, setzt die Stadt auf Wohncontainer. 50 Millionen Euro investiert sie, um an 15 Standorten Containerdörfer zu errichten. Da der Markt für solche Module leer gefegt ist, muss sich die Stadt rund drei Monate gedulden, bis neue Container hergestellt sind. Die Zeit dürfte die Verwaltung auch benötigen, um geeignete Grundstücke im Stadtgebiet zu finden, denn zentral gelegene Flächen sind rar.

Derweil stehen 110 Wohncontainer weitgehend ungenutzt auf dem Gelände des ehemaligen Siloah-Krankenhauses. Sie gehören dem Klinikum Region Hannover (KRH). Die Stadt muss sich also mit dem regionseigenen Unternehmen über Kauf- oder Mietpreise verständigen. Zunächst prüft die Stadtverwaltung, ob sich die Module, die während der Neubauphase des Krankenhauses als Bettenstation gebraucht wurden, für die Unterkunft von Flüchtlingen eignen. Zudem hat Hannover ein Interesse, das alte Krankenhausgebäude als Sammelquartier zu nutzen, ähnlich wie das Bettenhaus des Oststadt-Klinikums.

Im Rathaus ist man unzufrieden über die „zähen“ Verhandlungen mit dem Klinikum. „Ich hoffe auf viel Verständnis der Region für unsere Notlage“, betont Hannovers Kämmerer Marc Hansmann (SPD). Klinikumssprecher Bernhard Koch bestätigt Gespräche über die Wohncontainer, das Grundstück des alten Siloah wolle man aber „mittelfristig“ selbst nutzen. Deshalb dürften die Module nicht am Standort bleiben, die Stadt müsse die Container abmontieren und woanders aufstellen.

Die Grünen im hannoverschen Rat erwägen, ein weiteres Wohnungsbauprogramm aufzulegen, um Kapazitäten für Flüchtlinge zu schaffen. „Unser Ziel sollte sein, die Fluktuation in den städtischen Unterkünften zu erhöhen“, sagt Grünen-Fraktionschefin Freya Markowis. Asylsuchende sollen schneller Wohnungen finden, aber dafür müsse der Wohnungsbau angekurbelt werden. Die SPD trägt die Investitionen der Stadt in Modulbauten mit. Die CDU wirft der Verwaltung vor, lediglich zu reagieren und sich von den Flüchtlingsströmen überrollen zu lassen.

Von Andreas Schinkel und Susanna Bauch

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