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Aus der Stadt Flutlicht-Test kann teuer werden
Hannover Aus der Stadt Flutlicht-Test kann teuer werden
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00:15 28.05.2015
Von Andreas Schinkel
Unsicherer Stand: Auf dem Platz des TuS Kleefeld hat die Stadt einen wackeligen Masten entdeckt. Muss jetzt der Platz abgesperrt werden? Quelle: Surrey
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Hannover

„Wir untersuchen derzeit 281 Flutlichtmasten auf insgesamt 58 Sportanlagen stadtweit auf ihre Standfestigkeit“, bestätigt Stadtsprecher Udo Möller die Informationen der HAZ.

Findet die Stadt defekte Masten, wird es teuer und organisatorisch kompliziert für die Vereine. Ein neuer Flutlichtmast schlägt mit bis zu 20.000 Euro zu Buche, die Kosten tragen zunächst die Vereine. Sollte ein Lichtmast wackeln, ist die Stadt zudem verpflichtet, den Sportplatz rund um den möglichen sogenannten Fallradius abzusperren. „Wir gehen gezielt auf die einzelnen Vereine zu und sagen, welche Anlage wann geprüft wird“, sagt Möller. Bis Ende Juli sollen die Kontrollen abgeschlossen sein.

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Licht aus London

Teures Flutlicht zum Pokalspiel in Havelse: Was es kosten kann, ein Spielfeld auch nur für ein einziges Spiel zu beleuchten, musste der TSV Havelse im Oktober 2012 erfahren. Damals erwartete der Regionalligist die Zweitligaprofis des VfL Bochum zur DFB-Pokal-Zweitrundenpartie im Wilhelm-Langrehr-Stadion. Allerdings wären die vorhandenen Fluchtlichtmasten nicht in der Lage gewesen, das Spielfeld so zu erleuchten, wie es das Fernsehen braucht – mit 800 Lux. Also wurden aus England jene vier mobilen Masten herbeigeschafft, die im Sommer zuvor die olympischen Beachvolleyballwettbewerbe von London erhellt hatten.

Von den 250 000 Euro, die die Havelser für das Erreichen der zweiten Runde bekamen, verschlangen die aufwendige Lichtshow und weitere­ Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes fast die Hälfte. „Es ist fast wie bei einer Pusteblume“, sagte TSV-Manager Stefan Pralle. „Eigentlich sollte uns die Prämie Planungssicherheit für die kommende Saison geben. Jetzt sichert sie gerade noch den aktuellen Etat etwas ab.“ fx

Acht Sportanlagen hat die Stadt bereits unter die Lupe genommen. Auf dem Platz des TuS Kleefeld haben die Statiker bereits einen Flutlichtmast entdeckt, der umzukippen droht. Eigentlich sollte der Sportplatz sogleich in einem Umkreis von 25 Metern abgesperrt werden. Dann wäre das Spielfeld nur noch eingeschränkt nutzbar gewesen, die Boulebahn hätte gar nicht mehr bespielt werden dürfen. Jetzt hofft der Verein auf eine andere Lösung. „Der Scheinwerfer wurde abmontiert, der Mast steht jetzt sicher“, sagt der Vorsitzende des TuS Kleefeld, Ernst Michael Gerke. Die Sportverwaltung ist anderer Ansicht. „Das Absperren des betreffenden Bereichs ist zwingend“, sagt Möller. Man habe dem Verein aber eine Ersatzfläche auf dem Sportplatz der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule zugewiesen.

Vereine können Förderanträge stellen

So weit will es Vereinschef Gerke nicht kommen lassen. „Dann muss der Mast eben sofort ausgetauscht werden“, sagt er. Im Pachtvertrag mit der Stadt will Gerke jetzt nachlesen, wer die Kosten trägt. „Als Verein sind wir für die Verkehrssicherung zuständig und müssen zahlen“, sagt Rolf Jägersberg, Vorsitzender des VfL Eintracht und Vizepräsident des Stadtsportbunds. Jedoch könnten Vereine Förderanträge stellen und Geld aus städtischen Töpfen beantragen. „Am Ende dürften die Kosten nicht mehr ganz so hoch sein“, sagt Jägersberg.

In der Sportverwaltung und in der Ratspolitik überlegt man jetzt, wie die Vereine entlastet werden können. „Das ist unsere nächste große Baustelle in der Sportpolitik“, sagt Grünen-Sportpolitiker Mark Bindert. Er vertritt den Standpunkt, allen Vereinen die gleiche Fördersumme zuteilwerden zu lassen, unabhängig von der Größe. Bindert geht davon aus, dass ein Viertel der Flutlichtanlagen neu befestigt oder sogar komplett ausgetauscht werden muss.

„Wir werden die Vereine nicht im Regen stehen lassen“, meint auch CDU-Sportpolitiker Thomas Klapproth. Schließlich gebe es noch die Möglichkeit, dass Bezirksräte Zuschüsse für Vereine beschließen. SPD-Ratsherr Henning Hofmann, zugleich Bezirksbürgermeister in Buchholz-Kleefeld, hält die Kontrollen für richtig. „Wenn ein Platz abgesperrt werden muss, dann müssen wir das akzeptieren“, sagt er.

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