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Aus der Stadt Forscher machen Implantate sicherer
Hannover Aus der Stadt Forscher machen Implantate sicherer
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10:04 16.03.2012
Von Veronika Thomas
Foto: Die Professoren Axel Haverich und Meike Stiesch zeigen ein vergrößertes Zahnimplantat.
Die Professoren Axel Haverich und Meike Stiesch zeigen ein vergrößertes Zahnimplantat. Quelle: Steiner
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Hannover

Das Niedersächsische Zentrum für Biomedizintechnik, in dem Mediziner, Ingenieure und Naturwissenschaftler an verbesserten Implantaten forschen, wird international. Am Mittwochabend wurde an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) die „Internationale interdisziplinäre Allianz gegen Implantat-assoziierte Infektionen“ (I4A) gegründet, ein europäischer Verbund, der eng mit der nordamerikanischen „Multi-disciplinary Alliance against Implant-Relatet Infections“ kooperiert.

Grund für das geballte Forschungsinteresse sind Infektionen, die durch den Einsatz von Implantaten verursacht werden. Allein in Deutschland erhalten Patienten jährlich rund 1,7 Millionen Implantate – vom Herzschrittmacher bis zu Zahnimplantaten. Trotz umfangreicher Sterilisationsmaßnahmen vor und während der Operationen infizieren sich zwischen vier und sechs Prozent aller Patienten mit Bakterien, die spätere Austauschoperationen notwendig machen.

„Neben dem Leid der betroffenen Patienten verursachen diese Infektionen immense Kosten von mehreren Hundert Euro im Jahr“, sagte Prof. Axel Haverich, Direktor der MHH-Klinik für Herz-, Thorax- und Transplantationsmedizin. Allein Implantate für den Bereich Herz und Blutkreislauf wie Schrittmacher und Herzklappen verursachten Kosten von fast 120 Millionen Euro jährlich.

Einer seiner Forscher, der Herzchirurg Theodosios Bisdas, hat jetzt eine Art Imprägnierung für Implantate entwickelt, um Infektionen mit den häufigsten Bakterien zu verhindern. Er tränkte die einzupflanzenden Teile mit verschiedenen Antibiotika, wobei sich das Medikament Nebacetin als am wirksamsten gegen diese Keime erwies. „Wenn wir die Implantate vor der Operation mit einer Antibiotikalösung tränken, können wir die frühen Infektionen um die Hälfte reduzieren und damit bundesweit allein 77 Millionen Euro pro Jahr sparen“, erläuterte Haverich. Auch das Institut für Technische Chemie der Leibniz Universität forscht erfolgreich an der Beschichtung von Implantatoberflächen, darunter mit Silbernanopartikeln, wie der Direktor des Instituts, Prof. Thomas Scheper, gestern ausführte.

Neubau 2013 fertig

Im Juni soll der Grundstein für den 53,8 Millionen teuren und 7000 Quadratmeter großen Forschungsbau im Medical Park am Stadtfelddamm gelegt werden. Dort sollen 300 Wissenschaftler, darunter etwa 80 Ingenieure und Physiker von MHH, Tierärztlicher Hochschule Hannover, Leibniz-Uni und Laser Zentrum, gemeinsam forschen. Fertigstellung des Niedersächsischen Zentrums für Biomedizintechnik, Implantatforschung und Entwicklung soll Ende 2013 sein. Das einstige Kürzel dieser Einrichtung, NZ-BMT, ist allerdings vom Tisch. Künftig heißt sie NIFE. „Die alte Abkürzung war für den internationalen Sprachgebrauch einfach zu schwierig“, begründete der Vorstandsvorsitzende vom NIFE, Manfred W. Elff.

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