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Aus der Stadt Acht Jahre Haft: Frau wollte Ex-Mann überfahren
Hannover Aus der Stadt Acht Jahre Haft: Frau wollte Ex-Mann überfahren
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19:57 15.06.2015
Quelle: Peter Steffen
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Hannover

Nach dem Anschlag auf ihren ehemaligen Lebensgefährten und dessen Ehefrau hat das Landgericht Hannover eine 53-jährige Frau zu acht Jahren Haft verurteilt. Birgit S. hatte im vergangenen November versucht, den Regierungsdirektor und seine Frau mit einem Mietwagen zu überfahren. Nachdem beide  sich mit knapper Not retten konnten, verletzte sie bei ihrer Flucht einen Mann, der sie aufzuhalten versuchte. „Wer gezielt auf zwei Menschen zufährt, der will töten, daran hat das Gericht keinen Zweifel“, sagte Richter Wolfgang Rosenbusch in seiner Urteilsbegründung. Die Verteidiger der früheren Pharmareferentin haben bereits Revision gegen das Urteil angekündigt. Sie hatten einen Freispruch für ihre Mandantin gefordert.

Birgit S. dagegen hatte offenbar mit einer Verurteilung gerechnet. Am Montag betrat sie den Gerichtssaal mit einem Schild, auf dem sie den Prozess als einen „Justizirrtum“ bezeichnete. „Ein Regierungsdirektor will mich mundtot machen, weil ich seinem Arbeitgeber sagte, dass er ihn betrügt“, stand darauf. Während der Urteilsverkündung protestierte sie mehrfach lautstark und sank einmal sogar theatralisch von der Anklagebank zu Boden. „Ich habe niemandem etwas getan“, unterbrach sie Rosenbusch, der sich dadurch aber nicht beeindrucken ließ. „Setzen Sie sich hin und hören Sie zu“, so der Richter. „Dann verstehen Sie auch, warum wir Sie verurteilen.“

Nach einer 25 Jahre dauernden Beziehung hatte sich Hans Dieter B., der als Nebenkläger ebenfalls im Gericht war, von S. getrennt. Die Verlassene hatte ihrem Lebensgefährten schon vor dem endgültigen Ende der Beziehung immer wieder unterstellt, sie zu schlagen und zu betrügen. Einmal rief sie sogar die Polizei, weil B. sie angeblich in die Luft sprengen wollte.

Den traurigen Höhepunkt erreichte der Rosenkrieg jedoch am 25. November vergangenen Jahres, als S. in der Altwarmbüchener Seerosenstraße mit einem VW Tiguan auf das Ehepaar zuraste. Am Ende erfasste das Auto einen Nachbarn und verletzte ihn schwer. Die Verletzungen an der Wirbelsäule würden ihn „ein Leben lang einschränken“, sagte Rosenbusch. „Wir haben Glück gehabt“, so der Richter. „Sonst hätten wir hier drei Tote zu beklagen.“ Nur dem geistesgegenwärtigen Handeln von B. sei es zu verdanken, dass beide nicht verletzt worden seien. Er hatte seine Frau und sich in letzter Sekunde in Sicherheit gebracht.

Auf seine Aussage setzt die Verteidigung jedoch ihre Hoffnung. Er hatte vor Gericht ausgesagt, dass er den Vorfall im November als Unfall ansehe, und nicht wie das Gericht als versuchten Totschlag. „Wir gehen jedoch davon aus, dass die Angaben stimmen, die das Opfer bei der Polizei gemacht hat“, sagte Rosenbusch. Dort hatte der Nachbar berichtet, dass S. ihn absichtlich überfahren habe. Als weiteren Beweis für die Tötungsabsicht sah das Gericht den Suizidversuch der Angeklagten nach der Tat. Sie war auf den Autobahnrasthof Wülferode gefahren und hatte dort Alkohol und Tabletten zu sich genommen. Zuvor soll sie sich mit einem Stift die Worte „Nicht reanimieren“ auf den Oberkörper geschrieben haben. Passanten entdeckten die Frau und alarmierten den Rettungsdienst, der sie in eine Klinik brachte. „Zu diesem Zeitpunkt hatten sie das Ausmaß ihrer Taten erkannt und wollten den Konsequenzen durch Selbstmord entgehen“, sagte Rosenbusch. 

Dies leugnet S. Vielmehr habe sie bereits vor der Attacke Alkohol und Tabletten zu sich genommen und sei deshalb nicht zurechnungsfähig gewesen. „Dazu passt jedoch nicht, wie sie vom Tatort mit dem Auto flüchten konnten, ohne dass Sie in irgendeiner Weise im Straßenverkehr aufgefallen sind“, sagte Rosenbusch. Als die Sanitäter S. fanden, hatte sie einen Alkoholpegel von 3,9 Promille.

Bernd Haase 15.06.2015
Jörn Kießler 15.06.2015
Jörn Kießler 15.06.2015