Frau verliert ihr Herz - und ihre Ersparnisse
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Aus der Stadt Frau verliert Geld an Heiratsschwindler
Hannover Aus der Stadt Frau verliert Geld an Heiratsschwindler
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20:36 01.05.2015
Von Michael Zgoll
Symbolbild Quelle: dpa
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Hannover Allgemein

Der kahlköpfige Angeklagte, der mit Anzug, Krawatte und schwarzer Hornbrille wie ein seriöser Geschäftsmann wirkte, nahm das Urteil reglos hin. Tatsächlich hat der Hartz-IV-Empfänger Privatinsolvenz angemeldet, ist im fünfstelligen Bereich verschuldet und schon mehrfach wegen Betrugs vorbestraft. Auch ist er Vater von sechs Kindern - die verschiedene Mütter haben.

Die 31-jährige Marketingassistentin und der gelernte Hotelfachmann lernen sich im Juni 2013 kennen, bei einem Fest zum 100. Geburtstag des hannoverschen Rathauses. Die beiden sind sich sympathisch, kommen sich schnell näher. Doch es dauert nur eine Woche, bis der Mann seine neue Freundin zum ersten Mal anpumpt. Diebe hätten ihm sein Portemonnaie gestohlen. Und von seiner Kreditkarte 9000 Euro abgehoben. In den folgenden Wochen und Monaten zeigt Idrissou Y. der jungen Frau ständig Mahnungen von Stromversorger, Vermieter, Versicherungen. Und sie hilft immer wieder aus. Mit Beträgen zwischen 100 bis 650 Euro. So lange, bis es 4265 Euro sind. So lange, bis ihre Ersparnisse aufgebraucht sind.

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Der Betrüger vertröstet die Frau. Irgendwann tischt er ihr eine besonders dramatische Geschichte auf. Seine in Togo lebenden Eltern hätten einen schweren Unfall gehabt. Seine Mutter sei tot, der Vater schwer verletzt. Deshalb müsse er nach Westafrika fliegen, doch leider fehle ihm das Geld für den Flug. So nimmt seine Freundin im August 2013 einen Dispokredit von 600 Euro auf. Y. verschwindet, vier Wochen lang. Als er zurückkehrt, kündigt er die Rückzahlung des Geldes an. Nunmehr in Raten.

Richterin Irskens verlas eine Reihe von SMS-Nachrichten aus der Spätphase der Beziehung. Die geprellte Frau bettelte immer häufiger um ihr Geld, beschimpfte ihren Freund schließlich als „elenden Lügner“ und „Abschaum“. Idrissou Y. reagierte nicht auf ihre Fragen und Forderungen. Beschwor aber unverdrossen seine Liebe. Gebetsmühlenartig. Im Dezember machte die Frau Schluss. Und zeigte ihren Verflossenen an.

Es hätte schlimmer kommen können für die geprellte Frau: Ein anderes verliebtes Opfer warf Y. vor Jahren mehr als 20 000 Euro in den Rachen. Im aktuellen Verfahren aber verzockte sich der Betrüger. Er legte gegen einen Strafbefehl und eine Geldstrafe von 2100 Euro Einspruch ein - was ihm nun eine Freiheitsstrafe eingebrockt hat. Außerdem muss Y. seiner Ex-Freundin 360 Euro überweisen, drei Jahre lang jeden Monat 10 Euro. Es wäre das erste Geld, das die 31-Jährige von Y. zurückbekommt; verletzt er diese Bewährungsauflage, wandert er ins Gefängnis.

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