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Aus der Stadt Frau vom Amt löscht Blitzerfotos – und fliegt
Hannover Aus der Stadt Frau vom Amt löscht Blitzerfotos – und fliegt
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20:57 16.01.2015
Von Felix Harbart
Von einem Blitzer wie diesem an der Ritter-Brüning-Straße/Ecke Stadionbrücke stammten die Bilder.  Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Nach Informationen der HAZ löschte die für die Auswertung der Blitzerfotos zuständige Frau mehrere Bilder von Verkehrsteilnehmern, die bei Rot über die Ampel gefahren waren. In wie vielen Fällen die langjährige Mitarbeiterin so verfuhr, war am Freitag nicht zu erfahren. In der kommenden Woche wird sich die Frau vor dem Amtsgericht wegen der Vergehen verantworten müssen.

Auf die Schliche kam der Frau nicht die Stadt selbst, sondern die Polizei. Sie entdeckte Ausdrucke der Bilder sozusagen als Beifang einer groß angelegten Durchsuchungsaktion im Jahr 2013. Offenbar hatte die Tiefbauamtsmitarbeiterin, die für die technische Abwicklung der Verkehrsüberwachung verantwortlich war, die Bilder der betroffenen Fahrer zunächst ausgedruckt und erst dann gelöscht. Als die Polizei im Rahmen einer bundesweiten Aktion gegen die organisierte Kriminalität im Jahr 2013 Räumlichkeiten in Hannover durchsuchte, stieß sie auf die Bilder. Die Stadt wiederum stellte daraufhin fest, dass die dazugehörigen Daten von ihren Rechnern verschwunden waren. Begangen wurden die Taten vermutlich in den Jahren 2012 und 2013.

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Persönliche Verbindungen zu Temposündern

Wie es heißt, handelt es sich bei der Sachbearbeiterin um eine erfahrene Kollegin. So weit bisher durchgesickert ist, missbrauchte die Frau ihre Stellung im Amt offenbar nicht, um damit ein Geschäft zu machen, sondern aufgrund persönlicher Verbindungen zu den Auto­fahrern: Wie es scheint, wollte sie Bekannten einen Gefallen tun. Bei der Stadt zögerte man nicht lange und setzte die Mitarbeiterin sofort und fristlos an die Luft. Dies ist Arbeitgebern in bestimmten Konstellationen auch dann möglich, wenn nur der begründete Verdacht einer Straftat besteht.

Für gewöhnlich ist es städtischen Mitarbeitern bei der Auswertung von Blitzerfotos nicht gestattet, diese einfach so zu löschen - auch dann nicht, wenn Personen oder Nummernschild nicht erkennbar sind. Jede Löschung muss begründet und jedes Bild dennoch archiviert werden. Wie es der mittlerweile entlassenen Mitarbeiterin gelang, trotzdem zunächst unbemerkt Dateien zu entfernen, wird sich vor Gericht klären. Der Prozess gegen die Frau beginnt am Montag um 13 Uhr im Amtsgericht Hannover.

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