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Aus der Stadt Frauenhäuser müssen Opfer abweisen
Hannover Aus der Stadt Frauenhäuser müssen Opfer abweisen
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20:29 01.05.2015
Von Andreas Schinkel
Ein häufiger Grund für Frauen Schutz in Frauenhäsuern zu suchen, sind prügelnde Ehemänner oder Lebensgefährten. Quelle: dpa
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Hannover

Die drei hannoverschen Frauenhäuser sind immer häufiger gezwungen, Opfer häuslicher Gewalt abzuweisen. „Für die Frauen, die bei uns untergebracht sind, wird es zunehmend schwieriger, eine eigene Wohnung zu finden“, sagt Margarethe Gokiert, Sozialpädagogin im Frauenhaus Hannover. Der Zimmerwechsel in der Notfalleinrichtung sei dadurch deutlich verlangsamt. In den anderen beiden Frauenhäusern ist die Situation ähnlich.

„Sei einem Jahr spüren wir, dass preiswerte Wohnungen sehr knapp sind in Hannover“, sagt Gokiert. Ob die abgewiesenen Frauen wieder zu ihren prügelnden Männern zurückkehren, mag die erfahrene Sozialpädagogin nicht beurteilen. „Wir versuchen, Plätze in Unterkünften außerhalb Hannovers zu vermitteln“, sagt sie, aber viele Frauen wollten im Stadtgebiet bleiben, insbesondere Mütter mit ihren Kindern.

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Auch im hannoverschen Frauen- und Kinderschutzhaus ist selten ein Zimmer frei; „voll belegt“, meldete am Freitag auch das AWO-Frauenhaus aus dem Umland. Insgesamt etwa 100 Wohnplätze stehen in den drei Einrichtungen zur Verfügung, sie bieten Frauen Zuflucht, denen in ihren Familien Gewalt angetan wurde, oft jahrelang. „Zu uns kommen auch weibliche Flüchtlinge, die zuvor in einem Wohnheim lebten, dort aber unter gewalttätigen Männern litten“, berichtet Gokiert.

Die Betreiber der hannoverschen Frauenhäuser versuchen, sich gegenseitig zu entlasten, doch viel Spielraum bleibt nicht, wenn die Kapazitäten nahezu erschöpft sind. Bis zu einem halben Jahr müssen die traumatisierten Frauen in den Einrichtungen ausharren, bis sie endlich in eine eigene Wohnung ziehen können. Manche leben sogar schon seit einem Jahr auf engem Raum.

„Normalerweise bleiben die Frauen rund drei Monate bei uns“, sagt Gokiert. Dann sehnten sie sich nach eigenen vier Wänden - weit weg von ihren gewalttätigen Männern, aber auch mit Abstand zu ihren Leidensgenossinnen im Frauenhaus. „Sie wollen den ständigen Gesprächsthemen über Gewalt und Missbrauch entfliehen.“ Doch die Wohnungssuche wird immer schwieriger. Kleine, preisgünstige Wohnungen sind rar, ebenso große, familientaugliche Wohnungen für Mütter mit mehreren Kindern. Häufig zahlt das Jobcenter die Miete, aber viele Vermieter bleiben skeptisch. „Es wäre wünschenswert, wenn es mehr Verständnis für die Lage der Frauen gäbe“, sagt Gokiert.

Die Grünen im Rat sind alarmiert. „Die Wohnungsknappheit in Hannover trifft offenbar viele Schwache“, sagt Fraktionschefin Freya Markowis. Daher müsse mehr Geld in den Wohnungsbau investiert werden. Die Initiative der städtischen Immobiliengesellschaft GBH komme zum richtigen Zeitpunkt.

Die GBH hatte angekündigt, in den kommenden fünf Jahren 1500 Wohnungen zu bauen, vor allem im preisgünstigen Segment. 60 bis 90 Millionen Euro will das Unternehmen pro Jahr in den Wohnungsbau investieren. In Baulücken im Stadtgebiet, aber auch auf großen Flächen wie am südlichen Kronsberg und auf der Conti-Brache in Limmer will die GBH neue Häuser errichten.

Simon Benne 04.05.2015
Bernd Haase 01.05.2015
02.05.2015