Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Freundin hört Messer-Mord per Handy
Hannover Aus der Stadt Freundin hört Messer-Mord per Handy
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:35 30.11.2011
Anwohner und Passanten bleiben regelmäßig an dem mit Blumen und Kerzen geschmückten Tatort in der Kohlrauschstraße stehen. Quelle: Steiner
Anzeige
Hannover

Es fehlt das Motiv, es fehlt die Tatwaffe, und es gibt noch immer keine heiße Spur zum Täter. Fest steht nur: Annikas Mörder hat der alleinerziehenden Mutter vor ihrer Haustür in der Kohlrauschstraße aufgelauert und ohne Vorwarnung auf sie eingestochen. Das hat eine Bekannte der Getöteten bei der Polizei zu Protokoll gegeben, mit der Annika B. am Sonntagabend auf dem Rückweg vom Zigarettenkaufen telefoniert hatte. Demnach soll die 20-Jährige das Telefonat mit ihr abrupt abgebrochen haben. Dann seien nur noch laute Hilfeschreie zu hören gewesen.

Die Beamten der Mordkommission „Annika“ haben inzwischen das nahe Umfeld des Opfers durchleuchtet und sind dabei nicht auf den entscheidenden Hinweis auf den Täter gestoßen. Deshalb haben die Ermittler sich nun den erweiterten Freundes- und Bekanntenkreis der jungen Frau vorgenommen. „Wie viele andere junge Frauen hat sie zahlreiche Internetbekanntschaften gehabt, die jetzt alle überprüft werden“, sagt Behördensprecher Holger Hilgenberg. Ob eine Fahndung über die Facebook-Seite der Polizeidirektion anlaufen soll, wird erst im Laufe des Mittwochs entschieden.

Anzeige

Parallel dazu werten die Mordermittler die Bilder der Überwachungskameras im weiteren Umkreis des Tatorts aus. Bisher hat das Sichten der Videoaufzeichnungen vom Bredero-Hochhaus, im Hauptbahnhof und am Klagesmarktkreisel zu keinerlei Erkenntnisgewinn geführt. Das mag unter anderem auch damit zusammenhängen, dass den Kripobeamten nur eine vage Beschreibung des Mannes zur Verfügung steht, der Annika B. gegen 19.15 Uhr die tödlichen Messerstiche versetzt haben soll. Er soll nicht älter als 30 sein, ist etwa 1,80 Meter groß und soll eine dunkle Steppjacke getragen haben. „Diese Beschreibung passt leider auf ungefähr jeden zweiten Mann“, erklärt Polizeisprecher Hilgenberg.

Die Angehörigen der jungen Frau werden seelsorgerisch betreut. Mitglieder einer evangelischen Freikirche haben diese Aufgabe bereits am Montag übernommen. Annikas Stiefvater ist als Pastor dort tätig, er reist regelmäßig als Missionar durch die Welt. Einmal pro Jahr führt ihn diese Tätigkeit auch ins westrumänische Radna. Dort erreichte ihn am Sonntag die Nachricht vom gewaltsamen Tod seiner Stieftochter.

Annika B. galt als lebensfroh und aufgeschlossen. Sie liebte die Fernsehserie „Desperate Housewives“, schwärmte für den Schauspieler Jamie Foxx und gab an, neben den Büchern des Schriftstellers Nicolas Sparks regelmäßig in der Bibel zu lesen. Seit diesem Semester war die junge Frau an der Fachhochschule Hannover an der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik eingeschrieben. Auch dort forschte die Kripo bereits nach Hinweisen, die zur schnellen Aufklärung des Falles beitragen könnten. Denn jedes noch so kleine Detail, das vielleicht auf den ersten Blick völlig unbedeutend erscheint, kann für die Ermittler möglicherweise irgendwann zum entscheidenden Puzzleteil werden.

Vivien-Marie Drews und Tobias Morchner

Aus der Stadt Oberbürgermeister gesucht - Die Zeit nach Stephan Weil
29.11.2011
29.11.2011