Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Frost hat zahlreiche Baustellen in Hannover lahmgelegt
Hannover Aus der Stadt Frost hat zahlreiche Baustellen in Hannover lahmgelegt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:47 05.02.2010
Von Conrad von Meding
Warten auf Wärme: Der Wiederaufbau des historischen Portals gegenüber der Gartenkirche stockt, dahinter geht es mit Tricks weiter.
Warten auf Wärme: Der Wiederaufbau des historischen Portals gegenüber der Gartenkirche stockt, dahinter geht es mit Tricks weiter. Quelle: Martin Steiner
Anzeige

Winterpausen sind die Leute vom Bau von jeher gewohnt. Wenn die Temperatur unter den Gefrierpunkt sinkt, bekommt der Beton beim Abhärten Schäden, und der Estrich friert ein. Selbst in der klimatisch eher milden Norddeutschen Tiefebene plant daher jeder vorsichtige Bauherr zwei bis drei Wochen Unterbrechung wegen Frost und Schnee ein. Doch Stillstand von Mitte Dezember bis deutlich in den Februar – ein derart langer Winterstopp zehrt selbst an den Nerven hart gesottener Bauarbeiter.

Im Gutenberghof, wo die Ärzteversorgung einen ellipsenförmigen Bürobau errichten lässt, ruht seit Wochen die Baustelle. Nur die Grundwasserpumpe arbeitet stoisch weiter, durch extradick gedämmte Schläuche saugt sie Wasser aus der Baugrube, bevor es Schäden anrichten kann. Am Freitag haben die Arbeiter begonnen, die Schneemengen in der Grube in Baucontainern an Kränen hinauszuhieven. Denn ab Montag soll es endlich weitergehen. „Wenn es nicht wärmer wird, werden Stahl und Beton vorgeheizt, damit die Arbeiten weiterlaufen können“, sagt Frank Adelstein, Immobilienchef der Ärzteversorgung. Vorausschauend hatte die Organisation, die Altersrücklagen für Ärzte aus ganz Niedersachsen gewinnbringend anlegt, bereits vier Wochen Winterstopp eingeplant. „Jetzt haben wir zwei zusätzliche Wochen verloren“, sagt Adelstein, ist aber zuversichtlich, dass die Zeit wieder aufgeholt werden kann, wenn die Arbeiten jetzt endlich wieder beginnen können.

Auch andernorts hofft man dringend auf Tauwetter. Auf der Großbaustelle der Versicherung HDI-Gerling, die sich am Nordende der Podbi einen Neubau für 1800 Mitarbeiter errichten lässt, werde der Rückstand „zu Verzögerungen und Mehrkosten“ führen, kündigte HDI-Projektleiter Sascha Thran an: „Der Winter schlägt heftiger durch, als man das aus vergangenen Jahren gewohnt war.“ Anfang Dezember wurde die Grundsteinlegung in der 75.000 Quadratmeter großen Baugrube gefeiert, kurz danach kam der Frost – seitdem liegt das 180-Millionen-Euro-Projekt weitgehend brach.

Aber es sind nicht nur die Großbaustellen, auf denen es hakt. Bei AS Solar, dem expandierenden Anbieter für regenerative Energieformen, wartet Geschäftsführer Gerd Pommerien nicht nur wegen der Rentabilität von Solaranlagen auf warmes Wetter. Der ursprünglich für April vorgesehene Umzug des Lagers nach Bornum droht aus dem Zeitplan zu geraten. „Wir können den Estrich nicht gießen und Rampen an den Zuliefertoren nicht fertigstellen“, sagt Pommerien. Auch die Fassade wird später fertig. Das Unternehmen hofft, dass zumindest der für Oktober geplante Komplettumzug der Büros nicht gefährdet ist.

Auch Designmöbelhändler Uwe Klingenberg zittert besseren Zeiten entgegen. „Wir brauchen fünf Grad Wärme für den Beton“, sagt er. Seinen Neubau neben Ikea im Expo-Park hat es voll erwischt: „Die Hülle ist vor dem Frost fertig geworden, aber das Dach haben wir nicht mehr geschafft.“ An der Fassade hat er noch erledigen lassen, was trotz Frost machbar war, „aber jetzt steht alles still“. Eine Woche Kälte, sagt Klingenberg, lasse sich wohl noch verkraften. „Wenn es länger kalt bleibt, verzögert sich der Eröffnungstermin.“

Andere haben es besser. „Wir haben diesmal Glück gehabt“, sagt Thomas Heinemann von der kommunalen Baugesellschaft HRG. Das Unternehmen modernisiert zusammen mit den Spielkasinos das zentrale Raschplatz-Gebäude mit Kinos, Gastronomie und Büros. „Wir haben unsere Baustelle vor dem Frost winterdicht bekommen“, sagt Heinemann. Innen geht alles nach Zeitplan, in Kürze stehen die ersten Eröffnungen an. Beim Platz davor jedoch ist der Rückstand deutlich sichtbar. Etwa vier Wochen liegt die Baustelle hinter der aktuellen Planung zurück. Um weiterarbeiten zu können, wurden jetzt, ähnlich wie beim Kröpcke-Center, Teile einer Treppe mit einem Zelt abgedeckt – das verteuert die Baukosten leicht. Im Mai aber soll der Raschplatz voraussichtlich fertig sein.

Bei den städtischen Gebäudeprojekten, die mit Millionenaufwand saniert werden, ist das Verhältnis von Stillstand zu Fortschritt fast ausgewogen. An elf Großbaustellen wird weitergearbeitet, etwa der Elsa-Brändström-, Bismarck- oder Leibnizschule. Auf zwölf Baustellen dagegen hat der Frost die Arbeiten lahmgelegt, darunter die Grundschule Entenfangweg, die Sporthalle Wendlandstraße oder das Haus der Jugend. Dort soll das Zirkuszelt im Garten ein neues Fundament erhalten.

Stillstand herrscht auch bei den Außenarbeiten am exklusiven Wohnungsneubau der Ärzteversorgung an der Arnswaldtstraße. Seit Mitte Dezember können die Steinmetze, die dort das Portal des abgerissenen Vorgängerbaus wiederaufbauen, nicht weiterarbeiten. Am Wohngebäude selbst hingegen waren die Rohbauarbeiten weitgehend abgeschlossen, als der Frost einsetzte. Sogar die geschwungene Fassade ist fast fertig verklinkert, innen läuft derweil der Trocken- und Sanitärausbau, damit spätestens im Frühsommer die ersten Mieter einziehen können.

Damit auch in den letzten Wohnungen trotz Frosts der Estrich gegossen werden kann, behelfen sich die Arbeiter mit einem Trick: Das Landschaftsbauunternehmen Rebohl, das mit Gartengestaltungen derzeit ohnehin kaum beschäftigt ist, fährt den Sand für die Estrichherstellung in die Tiefgarage. Dort kann er sich aufwärmen, bevor er zu Estrich verarbeitet wird. So schlagen die Bauarbeiter selbst im kalten Winter dem Frost ein Schnippchen.