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Aus der Stadt Führerschein mit 17 hat sich in Hannover bewährt
Hannover Aus der Stadt Führerschein mit 17 hat sich in Hannover bewährt
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22:31 04.08.2010
Erst 17, aber schon Fahrschülerin: Maren lernt bei Heinz Wiebe Auto fahren.
Erst 17, aber schon Fahrschülerin: Maren lernt bei Heinz Wiebe Auto fahren. Quelle: Martin Steiner
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Eines steht für Maren nach einem halben Dutzend Fahrstunden fest: Es macht ihr großen Spaß, hinterm Steuer zu sitzen. Doch die Ronnenbergerin, die am 23. Juli ihren 17. Geburtstag gefeiert hat, gehört nicht zu denen, die so schnell wie möglich mal so richtig Gas geben wollen. „Ich möchte mich sicherer fühlen“, sagt die Schülerin. Darum hat sie sich dafür entschieden, schon jetzt ihren Führerschein zu machen – und nach der Prüfung so lange mit ihrer Mutter oder ihrem Vater auf dem Beifahrersitz unterwegs zu sein, bis sie volljährig ist und alleine Auto fahren darf.

Der Führerschein mit 17 (offiziell „Begleitetes Fahren“ genannt), der nun dauerhaft bundesweit eingeführt wird, ist in Hannover längst ein Erfolgsmodell. „Der weit überwiegende Teil unserer Fahrschüler ist inzwischen jünger als 18 Jahre“, sagt Heinz Wiebe, Geschäftsführer der Fahrschule Seidel in der List, bei der auch Maren ihre Prüfung machen wird.

Wiebe kann sich noch gut erinnern, wie skeptisch er und seine Kollegen waren, als der niedersächsische Modellversuch des damaligen Wirtschaftsministers Walter Hirche (FDP) im April 2004 auch in Hannover startete. „Das wurde von einem Tag auf den anderen eingeführt, und es waren noch viele Fragen offen.“ Auch die Eltern vieler Fahranfänger seien anfangs verunsichert gewesen. Doch die Nachfrage war sofort gewaltig: „Wir hatten im ersten Jahr fast doppelt so viele Fahranfänger“, sagt Wiebe.

Auch landesweit gab es einen großen Andrang auf den neuen Führerschein: Rund 4500 Anträge, etwa 30 Prozent aller Fahranfänger, beantragten 2004 den Juniorführerschein. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert: Nach einer aktuellen Erhebung des TÜV Nord haben sich im vergangenen Jahr 37,7 Prozent der Fahrschüler in Niedersachsen für den Führerschein mit 17 entschieden.

Fahrlehrer Wiebe zieht eine positive Bilanz: „Unsere Erfahrungen mit dem ,Begleiteten Fahren’ sind durchweg gut.“ Die 17-Jährigen seien keineswegs unreifer als die volljährigen Fahrschüler. Zwar entschieden sich viele für den frühen Start in der Fahrschule, um schneller an den begehrten Führerschein zu kommen. Andrerseits wüssten die jungen Leute aber auch, dass die Eltern oder andere Begleitpersonen stets ein Auge auf die neu erworbenen Fahrkünste des Nachwuchses haben – und führen entsprechend vorsichtiger. „Die Autorität der Beifahrer spielt eine große Rolle“, meint Wiebe.

Die Auswertung des Modellversuchs bestätigt das. 2007 zog die Universität Gießen, die das Pilotprojekt des Landes begleitet hatte, eine erste Bilanz: Gemessen an den Daten der 18-jährigen Führerscheinneulingen war die Zahl der Verkehrsverstöße um 23 Prozent zurückgegangen, die Zahl der Unfälle war sogar um etwa 30 Prozent gesunken. In Schweden etwa, wo es vergleichbare Modelle schon länger gibt, verringerte sich die Zahl der Unfälle bei den Fahranfängern sogar um 40 Prozent. „Fahren in Begleitung bringt einen enormen Gewinn an Sicherheit“, betonte am Mittwoch auch Niedersachsens Verkehrsminister Jörg Bode (FDP). Der Einsatz gegen erhebliche Widerstände habe sich gelohnt. Tatsächlich gab es zunächst Kritik an dem Projekt, das Bodes Amtsvorgänger Hirche 2003 genehmigt hatte. Als nächstes Land schloss sich 2006 Bremen dem niedersächsischen Projekt an; als letztes Land führte Baden-Württemberg 2009 den Führerschein mit 17 ein. Besonders die ostdeutschen Länder hatten zunächst erhebliche Vorbehalte.

Für Werner Aufermann von der gleichnamigen Fahrschule in Anderten und in Langenhagen-Godshorn ist das alles Schnee von gestern. „Die Sache hat sich für alle Seiten gelohnt“, resümiert er. Die Fahrschulen hätten durch das Projekt besseren Kontakt zu den Familien ihrer Schüler bekommen und könnten individuellere Schulungen anbieten. Dieter Quentin vom Niedersächsischen Fahrlehrerverband wiederum bemängelt, dass die Einführungskurse für die Begleitpersonen inzwischen nicht mehr verpflichtend sind. Auf freiwilliger Basis kämen nun weniger Familienangehörige in die Fahrschulen, um sich zu informieren.

Laut TÜV-Erhebung schneiden die 17-jährigen Fahrschüler bei den Prüfungen sogar um zehn Prozent besser ab als andere Führerscheinbewerber. Für Maren ist das eine gute Motivation: Sie hat sich fest vorgenommen, die Prüfung im ersten Durchgang zu schaffen. Spätestens in vier Monaten soll es so weit sein.

Alexander Dahl und Juliane Kaune

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Conrad von Meding 04.08.2010