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Aus der Stadt „Robert ist nicht freiwillig gestorben“
Hannover Aus der Stadt „Robert ist nicht freiwillig gestorben“
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00:25 10.11.2014
Podiumsdiskussion über die "Volkskrankheit Depression": HAZ-Chefredakteur und Moderator Hendrik Brandt, Teresa Enke, Ursula von der Leyen und Dr. Petra Garlipp diskutieren anlässlich des fünften Todestages von Robert Enke . 
Podiumsdiskussion über die "Volkskrankheit Depression": HAZ-Chefredakteur und Moderator Hendrik Brandt, Teresa Enke, Ursula von der Leyen und Dr. Petra Garlipp diskutieren anlässlich des fünften Todestages von Robert Enke .  Quelle: Philipp von Ditfurth
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„Robert ist nicht freiwillig aus dem Leben geschieden.“ Es war dieser Satz von Teresa Enke, der am Freitagabend bei der Podiumsdiskussion im ausverkauften Foyer des Landesmuseums deutlich machte, um was es geht, wenn man im 21.  Jahrhundert über Depressionen spricht. Wer sich vor einen Zug wirft, weil er an seiner Seele leidet, der ist ein Getriebener, der keinen Ausweg mehr sieht. Depression ist eine Krankheit wie jede andere auch, und sie muss behandelt werden.

Im Rahmen der Ausstellung zum fünften Todestag von Robert Enke, dem früheren Torwart von Hannover 96, sprach eine Diskussionsrunde im Museum über die „Volkskrankheit Depression“. Teresa Enke beschrieb, wie sich die Krankheit bei ihrem Mann, dem nach außen so erfolgreichen Torwart, bemerkbar machte. „Niedergeschlagenheit, alles fällt einem schwer, die Konzentration lässt nach, alles verlangsamt sich.“

Von ähnlichen Erfahrungen erzählte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Soldaten, die bei Auslandseinsätzen lebensbedrohliche Situationen durchlitten hätten, falle es oft schwer, sich an das normale Leben zu Hause zu gewöhnen. „Ein Kaminfeuer kann Soldaten mit schrecklichen Erinnerungen überfluten. Viele denken dann: Ich bin doch stark, und Schwäche zeigen schadet meiner Karriere.“

Können Angehörige und Freunde erkennen, dass ein Mensch von der Krankheit bedroht ist? So lautete die Frage von HAZ-Chefredakteur Hendrik Brandt, der die Runde auf dem Podium moderierte. Es gebe Hinweise, sagte Petra Garlipp, Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie an der MHH. Wenn sich die Wahrnehmung nur noch um die eigene Befindlichkeit drehe, alles sich verenge im Leben. Gefährdet seien auch Menschen mit hohem Pflichtbewusstsein, die nicht mehr wahrnehmen könnten, wie eingeschränkt ihr Leben sei. „Aber es braucht keinen traurigen Anlass, um eine Depression zu bekommen. Eine Beförderung, eine Hochzeit kann ein Anlass sein.“ Und es gebe die Ruhe vor dem Sturm, wenn ein kranker Mensch sich für den Tod entschieden habe. „Diese Entscheidung getroffen zu haben, kann befreiend wirken.“ Garlipp betonte indes, dass es sehr gute Behandlungsmöglichkeiten gebe.

Allerdings gibt es in Niedersachsen kaum ausreichend Therapieplätze und Therapeuten. Von der Leyen sagte, es müssten mehr kassenärztliche Sitze verfügbar sein, um Wartezeiten zu verkürzen. Was wohl nützen würde, um einen Hinweis von Petra Garlipp umzusetzen: Wichtig sei es, mit depressiv Erkrankten immer wieder Gespräche zu führen.

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