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Aus der Stadt Fußballfrauen suchen Platz zum Trainieren
Hannover Aus der Stadt Fußballfrauen suchen Platz zum Trainieren
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10:10 11.03.2015
Oft verloren, trotzdem Spaß gehabt: Eda Akgün will wieder Fußball spielen. Quelle: Drießen
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Hannover

„Ich möchte endlich wieder mit meinen Mädels Fußball für Mozaik spielen!“ Das ist Eda Akgüns großer Wunsch. Vor einigen Jahren hat sie bereits die Fußballschuhe für den FC Can Mozaik geschnürt. Doch dann musste ihre Mannschaft abgemeldet werden. Es fehlte an freien Trainingsplätzen und -zeiten. Und, noch gewichtiger, es mangelt an Umkleiden für Mädchen und junge Frauen, in denen sie sich ungestört vor Jungs- und Männerteams umziehen können.

Frauen- und Mädchenmannschaften - für viele Fußballvereine ist das nichts Besonderes. Can Mozaik, von türkischstämmigen Migranten gegründet, hat mit der Gründung seiner ersten Mädchenmannschaft allerdings Neuland betreten und ein bemerkenswertes Zeichen gesetzt. Umso mehr bedauert der Vereinsvorsitzende Ali Güldas die Situation. Derzeit hat Can Mozaik genügend fußballinteressierte Mädchen für eine Nachwuchsmannschaft mit Zwölf- bis 13-Jährigen sowie eine A-Mannschaft mit jungen Frauen, in der auch Eda Akgün gern spielen würde - wenn es nur Platz und Kabinen gäbe.

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„Es gibt einfach keine Kapazitäten mehr“

„Wir haben schon jetzt kaum Platz für den Trainingsbetrieb der bestehenden Mannschaften. Deshalb müssen wir die Mädchen leider immer wieder vertrösten, bis wir eine Lösung für sie gefunden haben“, sagt Vereinschef Güldas. Aktuell teilt sich der FC Can Mozaik das Vereinsgelände mit der TSG 1893 Hannover in der Leinemasch am Westschnellweg. Die Zusammenarbeit läuft gut. Aber auch der TSG-Vorsitzende Gerhard Streich kann nur bedauernd einräumen: „Es gibt einfach keine Kapazitäten mehr auf dem Platz und im Vereinsgebäude.“

Nur eine Saison lang hat das Team von Eda Akgün und ihren Mannschaftskameradinnen am regelmäßigen Spielbetrieb teilgenommen. Es ist schon ein paar Jahre her, Can Mozaik war damals noch Gast auf der Trainingsanlage des TuS Vinnhorst. „Wir haben zwar nicht so oft gewonnen, aber wir hatten trotzdem viel Spaß. Ich bin mit den Mädels zusammen aufgewachsen, die Stimmung in der Truppe war immer gut.“ Eine beachtliche Fankurve von bis zu 50 Anhängern feuerte die Mädchen um Akgün regelmäßig an. Dass der Verein das Team nach nur einem Jahr wieder abmelden musste, lag schon damals an fehlenden Trainingsplätzen und daran, dass die Kabinen von außen zu leicht einzusehen waren. Viele Eltern hatten Bedenken, wenn mit den Mädchen gleichzeitig auch Jungen- oder Männermannschaften auf der Trainingsanlage waren, wie Vorstandsmitglied Hasan Yilmaz berichtet. „Das ist sensibel, da muss man schon Verständnis haben“, sagt Yilmaz.

Bei der Stadtverwaltung weiß man über die Situation des FC Can Mozaik Bescheid. Thekla Krebs vom Sportservice der Stadt betont: „Es ist uns bekannt, dass es ein generelles Platzproblem bei den Sportvereinen hier gibt. Alle Sportanlagen in Hannover sind zurzeit ausgelastet, und es ist auch nicht absehbar, dass ein Verein Kapazitäten abgibt.“ Immerhin, die Mitarbeiter der Verwaltung bieten an, zwischen den Vereinen, die sich Trainingsplätze teilen, wenn nötig zu vermitteln und herauszufinden, wo noch Kapazitäten vorhanden sind.

Sporthalle ist derzeit Notunterkunft

Can-Mozaik-Chef Güldas dringt darauf, bestehende Sportstätten zu sanieren. Klar kostet das Geld. Geld, das die Vereine und die verschuldete Stadt derzeit nicht aufbringen können. Wenigstens für die Zwölf- bis 13-jährigen Mozaik-Kickerinnen zeichnet sich inzwischen vage eine Möglichkeit ab. Die Stadt habe, so berichtet Yilmaz, Trainingszeiten in einer Turnhalle am Büssingweg in Aussicht gestellt. Die Trainingszeit könnte sonnabends um 14 Uhr sein. Einstweilen ist die Halle jedoch für Flüchtlinge als Notunterkunft geblockt. Wie lange - das ist angesichts der derzeit hohen Zahl in Hannover eintreffender Flüchtlinge offen.

Wie es allerdings auch gehen könnte, haben vor mehreren Jahren die Kicker- innen vom 1. FFC gezeigt. Das Landesligateam teilt sich die Sportanlage am Märkischen Weg mit dem SV Kickers Vahrenheide und hat sich dort ein eigenes Clubheim gebaut, „weil wir gern unser eigenes kleines Reich haben wollten“, wie die FFC-Vorsitzende Nadine Bahder berichtet. Entstanden ist im Grunde nicht mehr als ein aufgeständerter Container mit Strom und fließend Wasser, der Platz für Büro, Umkleide und Duschen bietet. „Das war ein finanzieller Kraftakt. Wir sind schließlich nur ein kleiner Verein. Aber wir haben ihn mit ganz viel Eigenarbeit gestemmt“, sagt Bahder. Ihr würde es gefallen, wenn ein solches Beispiel Schule macht. „Ich finde es immer unglaublich schade, dass, wann immer es an etwas fehlt, als Erstes die Frauen- und Mädchenmannschaften darunter leiden müssen.“

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