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Aus der Stadt Fahrpreise für Bus und Bahn steigen
Hannover Aus der Stadt Fahrpreise für Bus und Bahn steigen
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11:48 26.12.2016
Von Bernd Haase
Quelle: Schwarzenberger
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Fahrpreiserhöhungen für den öffentlichen Nahverkehr mit Bussen und Bahnen im Bereich des Großraum Verkehr Hannover (GVH) kommen zum Jahreswechsel so zuverlässig wie das Silvesterfeuerwerk. Seit mehr als einem Jahrzehnt steigen die Tarife kontinuierlich an – dieses Mal um 1,8 Prozent und damit immerhin etwas weniger als in den Jahren zuvor.

Die Fahrpreissteigerungen – der GVH spricht seit einiger Zeit in diesem Zusammenhang lieber von „Fahrpreisanpassungen“ – werden dieses Mal vor allem mit deutlich höheren Lohnkosten für die Unternehmen begründet, die ins Haus stünden. Bei den 1,8 Prozent handelt es sich wie üblich um einen Durchschnittswert.

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So verändern sich die Preise für Fahrkarten

Unverändert im Preis bleiben das beliebte Kurzstreckenticket, Einzel- und Sammelfahrscheine sowie sämtliche Tarifangebote für Kinder. Tagestickets werden dagegen generell 20 Cent teurer, Tagesgruppentickets je nach Zone um 20 oder 30 Cent. Käufer von Monatsfahrscheinen müssen je nach Kategorie zwischen 70 Cent und 1,50 Euro mehr zahlen; das betrifft auch Schulcards. Der Tarif für die Semestercard für Studenten steigt um 90 Cent. Keine Preisanhebungen sind für Seniorenkarten geplant. Von den neuen Tarifen erwartet der GVH knapp 6,5 Millionen Euro Mehreinnahmen.

„Die Gesamtmaßnahme trägt dazu bei, Kunden zur erstmaligen oder häufigeren Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu motivieren“, hatte der Verkehrsverbund in einer Beschlussvorlage für die Politik geschrieben. Nachfragerückgänge würden nicht erwartet. Wenn das so zutrifft, setzt sich eine weitere Tendenz fort. Parallel zu den Preisen sind auch die Fahrgastzahlen ständig gestiegen. Das bringt dem GVH nach Angaben des Sprechers der für den Nahverkehr zuständigen Region, Klaus Abelmann, in diesem Jahr Rekordeinnahmen von 255 Millionen Euro aus Fahrkartenverkäufen ein und damit 5,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Trotzdem arbeitet der Nahverkehr nur etwas mehr als 50 Prozent kostendeckend. Die Region wird laut Abelmann im kommenden Jahr 200 Millionen Euro zubuttern, davon 40 Millionen Euro für Investitionen. „In Zukunft wird der Zuschussbedarf eher noch wachsen“, prognostiziert der Sprecher. Der Grund seien der Bau neuer Strecken wie etwa nach Hemmingen und Investitionen in neue Fahrzeuge wie etwa die Stadtbahnen der Üstra.

Tarifsensation in Hameln

Im Landkreis Hameln-Pyrmont ereignet sich am 1. Januar eine kleine Sensation: Fahrscheine für den Nahverkehr werden um durchschnittlich 36 Prozent günstiger. Die Nahverkehrsgesellschaft des Landes (LNVG) kennt nach Angaben ihres Sprechers Rainer Peters keinen Fall aus dem vergangenen Jahrzehnt, in dem irgendwo in Niedersachsen Fahrpreise für Busse und Bahnen gesunken sind.

Der Landkreis hat auch das Tarifsystem für sein Busnetz radikal vereinfacht: Es gibt nur noch zwei Monatskarten zum Preis von 25 Euro (Nahtarif) oder 35 Euro (kreisweit gültig) und zwei entsprechende Einzelfahrkategorien zum Preis von 2 beziehungsweise 3 Euro. Um das Verblüffende komplett zu machen: Das Ganze geht nicht etwa einher mit einem Streichkonzert im Fahrplan – der nämlich wird im Gegenteil ausgeweitet.

„So etwas geht nur mit Ausgleichszahlungen durch den Landkreis“, sagt Peters. Genau das passiert: Zwar erwartet der Kreis durch die Reform 25 Prozent Zuwachs bei den Fahrgastzahlen, rechnet aber auch mit einem bis zu 3 Millionen Euro höheren Jahreszuschuss als bisher.

Warum der Kreis das tut, erläutert Sprecherin Sandra Lummitsch: „Nahverkehr darf nicht als lästige Pflicht betrachtet werden. Ohne ausreichende Mobilität gibt es auch keine Prosperität.“

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