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Aus der Stadt Der Nahverkehr kostet Region Hannover Geld
Hannover Aus der Stadt Der Nahverkehr kostet Region Hannover Geld
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00:15 01.04.2015
Von Bernd Haase
Mehr Menschen sollen mit Bahnen und Bussen fahren – das ist das Ziel der Region. Umsonst ist das nicht zu haben.
Mehr Menschen sollen mit Bahnen und Bussen fahren – das ist das Ziel der Region. Umsonst ist das nicht zu haben. Quelle: Eberstein (Archiv)
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Hannover

Die Region Hannover rechnet mit weiter steigenden Zuschüssen für den öffentlichen Nahverkehr. Wie aus einer Aufstellung der Verwaltung hervorgeht, überweist die Behörde den im Großraum Verkehr Hannover (GVH) zusammengeschlossenen Unternehmen in diesem Jahr rund 124 Millionen Euro, wobei es nur um Zuwendungen für den Betrieb geht und nicht um Investitionen in Infrastruktur wie Bahnhöfe oder Gleisanlagen. In drei Jahren wird der Zuschussbedarf an der 140-Millionen-Euro-Marke kratzen und damit Rekordniveau erreichen. Schon jetzt ist der Verkehrsbereich im Regionshaushalt der drittgrößte Posten nach den Ausgaben für Soziales und Jugendhilfe.

Steigende Preise, hohe Einnahmen

Politisches Ziel ist es, dass die Fahrgastzahlen im Nahverkehr steigen (möglichst zu Lasten des Autoverkehrs). Das ist auch erreicht worden: Vor zwei Jahren wurde erstmals die 200-Millionen-Marke geknackt. Hauptzugpferd ist dabei die Stadtbahn, die größten prozentualen Zuwächse erzielten zuletzt die S-Bahn und die Regionalzüge. Auch die Einnahmen aus dem Fahrscheinverkauf erreichen zuvor nicht gekannte Höhen, wobei eine Rolle spielt, dass die Preise seit mehr als einem Jahrzehnt kontinuierlich angehoben worden sind. 2013 betrugen die Erlöse, die unter den Unternehmen nach Anteil am Fahrgastaufkommen aufgeteilt werden, 228,2 Millionen Euro.

Der öffentliche Nahverkehr ist nie ein kostendeckendes Geschäft gewesen und wird es auch in Zukunft nicht sein. Um Kosten zu drücken, hatten das Land Niedersachsen und die Region das System umgestellt. Früher wurden den Unternehmen die Defizite ausgeglichen. Mittlerweile müssen sie sich dem Wettbewerb stellen. Die Verkehrsleistungen werden auf dem Markt ausgeschrieben. Region und Land zahlen einen Festpreis für die zuvor bestellten Leistungen.

Klimaschutz ist nicht umsonst

Der Umstellungseffekt hatte sich im Vergleich von 2012 auf 2013 bemerkbar gemacht. Zuvor war das S-Bahn-Netz ausgeschrieben worden. Es blieb zwar in den Händen von DB Regio, aber zu deutlich günstigeren Konditionen für die öffentliche Hand. Weil gleichzeitig auch Regionalstrecken wie etwa die Heidebahn Richtung Buchholz in der Nordheide in den Wettbewerb gegeben wurde, sank der Gesamtzuschussbedarf binnen zwölf Monaten von 124 Millionen auf 114 Millionen Euro. Die Marge wäre höher ausgefallen, wenn nicht im gleichen Zeitraum die Zuwendungen für Stadtbahn- und Busverkehr gestiegen wären.

Derzeit laufen Vorbereitungen, das hannoversche S-Bahn-Netz für 2020 erneut in den Wettbewerb zu geben. „Mit derartigen Ausschreibungen lassen sich aber nicht mehr so große Einsparungen erzielen wie in der Vergangenheit“, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann. Ebenso wirkt sich auf den Zuschussbedarf aus, dass die Regionspolitik unter anderem bei der S-Bahn regelmäßig das Angebot ausgeweitet hat und dies auch für die Zukunft plant. Im Klimaschutzprogramm steht ausdrücklich, dass der Nahverkehr weiter gefördert werden soll. Umsonst ist das nicht zu haben.

Mehr Fahrten bei S3 und S5

Keine großen Änderungen sind im Fahrplan des Nahverkehrs für das kommende Jahr geplant – zum einen aus finanziellen Gründen, zum anderen, weil die Trassen und der Hauptbahnhof als zentraler Knotenpunkt für S-Bahn- und Regionalzugverkehr an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Bei der S 3 über Lehrte nach Hildesheim soll es an Sonn- und Feiertagen zusätzliche Fahrten geben, gleiches ist für die S 5 zwischen Hameln und dem Flughafen für die Sonntagnachmittage geplant. Dagegen schlagen die Planer vor, an Sonnabenden, Sonn- und Feiertagen die Nachtfahrt der S 4 um 0:43 Uhr nach Bennemühlen zu streichen.
Bei der Stadtbahn soll nach derzeitigem Planungsstand alles beim Alten bleiben. Wünschen von Regiobus, auf den sogenannten Sprinterlinien zwischen Hannover und dem Umland mehr Busse fahren zu lassen, steht die Regionsverwaltung skeptisch gegenüber. Das letzte Wort hat aber die Politik.

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