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Aus der Stadt Gänse sind die stillen Stars beim Kleinen Fest
Hannover Aus der Stadt Gänse sind die stillen Stars beim Kleinen Fest
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06:15 28.07.2012
Von Bärbel Hilbig
Voran im Gänsemarsch: Die Gänsekapelle beim Kleinen Fest im Großen Garten.
Voran im Gänsemarsch: Die Gänsekapelle beim Kleinen Fest im Großen Garten. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Sie schnattern und schwanken beim Watscheln hin und her wie Seemänner. Und vor allem sorgen die zwölf knuddelig-kompakten Gänse für freudige Aufregung bei den Besuchern des Kleinen Fests im Großen Garten, sobald sie auf einem Kiesweg zwischen den Rabatten gesichtet werden. Echte Tiere hat es unter den Artisten bisher nie gegeben. Für die Hannover-Premiere sind nun Marc Geurtz und Oscar de Groot verantwortlich.

Die beiden Niederländer in Phantasieuniformen leiten ihre „Gänsekapelle“ durch den Barockgarten, de Groot mit Glockenspiel voran, Geurtz bildet mit tragbarem Schlagzeug die Nachhut. Und die Vögel, meist im Gänsemarsch, dazwischen. Wenn eines der Tiere doch einmal trödelt und eine Lücke in der Formation entsteht, setzt de Groot wie ein Verkehrspolizist seine Trillerpfeife ein und wedelt mit den Händen: „Jetzt langsam hier vorne, und da hinten bitte aufschließen!“

Die beiden Artisten treten seit 14 Jahren mit ihrer Gänsetruppe auf. Marc Geurtz‘ Schwager hatte vorher einige Tiere der Rasse Toulouser Gänse aus Frankreich importiert. Geurtz begann, sich mit den hübschen Bilderbuchgänsen zu beschäftigen. Er hat jeden seiner tierischen Mitarbeiter vom Ei an selbst aufgezogen. Die jüngsten Gänse in der Kapelle sind erst 15 Monate alt, die ältesten 14 Jahre. Das erste Training bekommen die Küken auf dem Küchentisch, wo er sie von einer Kante zur anderen lockt. Mit einem halben Jahr darf der Nachwuchs dann zur Künstlertruppe. „Meist kümmert sich eine der älteren Gänse dann um die Neuen.“

Marc Geurtz nutzt für den Auftritt die natürlichen Impulse der Tiere. „Sobald sie sich locker fühlen, gehen sie in einer Reihe.“ Gänserich Jut mimt aktuell den Anführer, doch das wird jedes Frühjahr neu verhandelt. Der Ablauf der Show in Herrenhausen war den Tieren nach dem ersten Rundgang klar. „Wenn wir den Weg abändern, gibt es Protest“, sagt Geurtz. Und auch Beginn und Ende der Auftritte ist den Gänsen bewusst. Wenn Geurtz und de Groot ihre Kostüme tragen und Musik machen, geht es los. „Sie brauchen aber auch Publikum, wie richtige Stars“, sagt de Groot. Ohne Zuschauer sind die Gänse nicht motiviert.

Einen besonders spektakulären Auftritt hatte das Federvieh bei einem Defilee der Modeschöpferin Sonia Rykiel. Die Vögel sollten dafür Diamanten am Hals tragen, was Gänsevater Geurtz strikt ablehnte. Dennoch entpuppten sie sich als die eigentliche Attraktion. „Alle Gäste haben unsere Gänse statt der Models fotografiert.“

In Hannover fühlt sich die Gänseschar bisher pudelwohl. Doch da die Temperaturen jetzt ansteigen, verkürzen Geurtz und de Groot die Paradestrecke im Großen Garten. „Unsere Gänse haben ein Problem: Sie haben ihre Daunendecke immer dabei.“

Das Kleine Fest im Großen Garten läuft noch bis zum 29. Juli. Pro Abend gibt es an der Abendkasse noch 200 Karten. Einlass ab 17.30 Uhr, Eintritt 26,50, ermäßigt 15 Euro.

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