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Aus der Stadt Abschuss mit Ausnahmegenehmigung
Hannover Aus der Stadt Abschuss mit Ausnahmegenehmigung
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21:06 05.03.2015
Von Veronika Thomas
„Die Fraßschäden (...) sind beträchtlich“: Gänse in der Leinemasch.
„Die Fraßschäden (...) sind beträchtlich“: Gänse in der Leinemasch. Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Hannover

Anwohnerin Christiane Schmorl ist irritiert. Obgleich die Jagdzeit auf Wildgänse seit dem 15. Januar beendet ist, wird in der Leinemasch noch immer auf die Tiere geschossen. „Das erste Mal habe ich die stundenlange Ballerei Mitte Februar gehört und danach noch zwei weitere Male“, sagt die Frau, die an der Leinemasch wohnt. „Das hier ist ein Naherholungs- und Naturschutzgebiet.“

Der hannoversche Jagdpächter Heinz Pyka, der derzeit dort mit der Jagdwaffe unterwegs ist, sieht darin nichts Außergewöhnliches. Weil die Tiere enorme Schäden hinterließen, habe ihm die Jagdbehörde eine Ausnahmegenehmigung bis zum 15. März erteilt. „Das gilt für alle Reviere zwischen Hildesheim und Hannover. Danach ist Schluss, wegen der Brut- und Setzzeit“, sagt Pyka. Seit dem 15. Januar habe es an den Ricklinger Teichen, am Wülfeler und am Großen Döhrener Teich drei „Gesellschaftsjagden“ mit befreundeten Jägern gegeben, um den jährlich wachsenden Tierbestand zumindest etwas zu reduzieren. Jeweils zwischen sieben und 24 Grau- und Nilgänse seien dabei zur Strecke gebracht worden. „Die Fraßschäden an Raps- und Roggensaat sind beträchtlich. Außerdem wollen wir verhindern, dass die Liegewiesen an den Teichen zugekotet werden“, sagt Hannovers Stadtjäger.

Nicht nur einheimische Gänse in der Leinemasch

Karola Herrmann, Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Hannover, gibt zu bedenken, dass sich nicht nur Grau- und Nilgänse, sondern auch ganzjährig geschützte arktische Gänse wie Saat- und Blässgänse in der südlichen Leinemasch aufhalten. „Gerade in der Dämmerung kann man die Tiere nur schwer unterscheiden.“ Außerdem würden die Gänse durch das Abschießen nicht weniger. „Sie werden nur aufgestört, und ihr Energiebedarf steigt. Somit werden sie gezwungen, noch mehr Nahrung aufzunehmen.“ Die Verlängerung der Jagdzeiten hält die Tierschützerin für viel zu lang: „Viele Tiere haben sich schon verpaart.“

Stadtjäger Pyka argumentiert auch mit den günstigen Witterungs- und Futterbedingungen für die Tiere, die ihr Verhalten grundlegend geändert hätten. „Anfang August, wenn die Jagdzeit wieder beginnt, fliegen sie zu den großen Maisschlägen Richtung Mecklenburg-Vorpommern.“ Wenn sie im Januar zurückkehrten, bleibe kaum noch Zeit für die Jagd. „Wir sind auf die Verlängerung der Jagdzeiten angewiesen.“ Die Aufregung um die Ausnahmegenehmigungen könne er nicht nachvollziehen. „Die gibt es doch schon seit 1995.“

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