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Aus der Stadt Galeria Lunar muss schließen
Hannover Aus der Stadt Galeria Lunar muss schließen
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00:20 12.03.2015
Von Rüdiger Meise
Schluss mit Kunst: Nils Schumacher (re.) und Martin Wolfstein.
Schluss mit Kunst: Nils Schumacher (re.) und Martin Wolfstein. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Eigentlich war das Lindener Ladengeschäft als Büro und Schreibwerkstatt gemietet worden. Dann kamen Nils Schumacher und Martin Wolfstein auf die Idee, doch Kunst dort auszustellen. Um das zu finanzieren, richteten die beiden regelmäßig Konzerte aus. Sechs Jahre lang ging das gut – doch jetzt hat der Vermieter den beiden die Rote Karte gezeigt. Von Musikveranstaltungen sei im Mietvertrag nicht die Rede, argumentiert er wahrheitsgemäß.

In der Galeria Lunar hängt die Kunst nicht nur an der Wand – die Macher präsentieren auch Konzerte.

Vielleicht hätte der Vermieter öfter mal selbst vorbeischauen sollen bei den Konzerten. Denn Schumacher und Wolfstein schafften es immer wieder, besondere Künstler in den Kötnerholzweg zu locken. So vertonte der Experimentalmusiker Alan Curtis einen argentinischen Stummfilm aus dem Jahr 1928 live in der Galeria – was zugleich eine europäische Erstaufführung des alten Gaucho-Westerns war.

Vom polnischen Independent-Talent über ein Schülerprojekt zu Klangkunst bis hin zum neuseeländischen Singer/Songwriter reichte das Musikspektrum. Ein persönlicher Höhepunkt Wolfsteins: Werner Enke, Drehbuchautor und Darsteller des Films „Zur Sache Schätzchen“ von 1968, zeigte den Film und erzählte Anekdoten von den Dreharbeiten mit Uschi Glas.

Auch mit Ausstellungen erregte die Galeria Aufsehen. So gestalteten im vergangenen Jahr 20 Künstler die Schau „Urnenwahl“: Nils Heidenreich fand da, dass sterbliche Überreste durchaus in einem Rondell aus Leuchtdioden bestattet werden könnten, Deniz Sesli hatte eine Urne mit alten Plakaten beklebt und mit Neonfarben besprüht. Aktuell wird die Ausstellung „Kunst in Kommunikation“ gezeigt – ein Kunstprojekt zur Inklusion psychisch erkrankter Menschen.

Mit alldem ist Ende März Schluss – wenige Wochen nach der Party zum sechsten Jahrestag. Die Lunar-Macher legen ab April erstmal eine schöpferische Pause ein. Schumacher reist in die USA, Wolfstein schreibt an seiner Doktorarbeit. „Wenn sich aber später eine Gelegenheit ergibt, machen wir eine neue Galeria Lunar auf“, verspricht Wolfstein.

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