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Aus der Stadt Gandhi-Sockel kostet Hannover 30.000 Euro
Hannover Aus der Stadt Gandhi-Sockel kostet Hannover 30.000 Euro
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00:15 15.03.2015
Von Mathias Klein
Soll bald zwischen Culemannstraße und Clara-Zetkin-Weg stehen: Mahatma Ghandi.
Soll bald zwischen Culemannstraße und Clara-Zetkin-Weg stehen: Mahatma Ghandi. Quelle: Montage
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Hannover

Hinzu kommt eine dauerhafte Belastung: Die Verwaltung schätzt die jährlichen Pflegekosten für die Statue auf 2000 Euro. Am Donnerstag stimmte der Rat der Stadt einer entsprechenden Kalkulation zu. Nur Ratsmitglieder von FDP und Linkspartei lehnten die Pläne ab.

Vorausgegangen war in der Ratssitzung eine teilweise hitzig geführte Debatte. FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke sagte, die 30 000 Euro könnten wesentlich sinnvoller verwendet werden, zum Beispiel zur Sanierung maroder Schultoiletten. „Das ist ein Skandal“, wetterte Engelke. Kulturdezernentin Marlis Drevermann verteidigte hingegen die Entscheidung. „Wir sind eine internationale Stadt und sollten fähig sein, auf Gastgeschenke zu reagieren“, erläuterte sie. Die Büste solle bereits am 12. April enthüllt werden, vermutlich im Beisein des indischen Ministerpräsidenten, der Hannover zur Industriemesse besuchen will. Die Statue selbst kostet inklusive des Transports von Indien nach Hannover rund 20 000 Euro. Die Kosten dafür trägt das Land Indien.

Engelke prangerte auch an, dass eine „durchgeknallte Entscheidung“ des Stadtbezirksrats Mitte verantwortlich für das Dilemma sei. Tatsächlich hatte die SPD-Fraktion im Bezirksrat Mitte die Idee zum Aufstellen einer Gandhi-Büste in Hannover. Gandhi sei ein schillerndes Beispiel für den Kampf gegen den Rassismus, hatte Bezirksbürgermeister Michael Sandow gesagt – und da Indien Partnerland der weltgrößten Industrieschau in Hannover sei, liege der Gedanke an eine Statue nahe. es nach der SPD-Fraktion im Stadtbezirksrat Mitte gegangen, dann wäre die Statue sogar auf dem Opernplatz installiert worden. Als Standort ist ein jetzt eher versteckter Ort im Maschpark nahe am Rathaus gefunden worden: zwischen Culemannstraße und Clara-Zetkin-Weg.

Trotz der großen Mehrheit im Rat gibt es wegen der Entscheidung einigen Unmut. Viele Ratsmitglieder hätten sich eine Ablehnung des Geschenks gewünscht, hieß es auf den Fluren. Sie fürchteten jedoch diplomatische Verwicklungen zwischen Deutschland und Indien.

Kommentar zum Thema: Einem geschenkten Gandhi ...

Mit Geschenken ist es so eine Sache. Einerseits will man ja eigentlich gerne dankbar sein. Andererseits – 30 000 Euro Baukosten für einen Statuensockel und dann jahrelang 2000 Euro Unterhaltskosten für die Pflege des Gandhi-Andenkens, das ist für eine Stadt wie Hannover wirklich viel Geld.

Hannover braucht dringend verbindliche Kriterien für die Annahme von Geschenken. Besonders, wenn sie derartige Folgekosten verursachen. Manch ein hannoverscher Verein würde mit so viel Geld wohl gerne sein Clubheim sanieren, und auch bei den Schulgebäuden wäre die Summe gut angelegt. Dafür haben wir nun bald eine weitere Statue in städtischen Parkanlagen herumstehen.

med

Veronika Thomas 15.03.2015
15.03.2015
Saskia Döhner 15.03.2015