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Aus der Stadt Gastronomen fordern eine Stornogebühr
Hannover Aus der Stadt Gastronomen fordern eine Stornogebühr
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00:15 08.03.2015
Von Mathias Klein
„Vielleicht muss einfach mal einer anfangen“: Auch das Restaurant Castello hat Schwierigkeiten mit Gästen, die reservieren und dann nicht kommen.
„Vielleicht muss einfach mal einer anfangen“: Auch das Restaurant Castello hat Schwierigkeiten mit Gästen, die reservieren und dann nicht kommen.  Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Gäste, die trotz eines reservierten Tisches nicht ins Restaurant kommen, bereiten den hannoverschen Spitzengastronomen immer größere Probleme. Jetzt fordern einige von ihnen ein Bundesgesetz, das ihnen das Kassieren einer Stornogebühr ermöglicht, wenn Gäste einfach wegbleiben. „Es ist eine Katastrophe“, sagt Norbert Schu, der das Restaurant Die Insel betreibt. „Hier ist sogar geregelt, wie groß eine Karotte sein muss, die ich dem Gast auf den Teller lege.“ Aber es gebe keine rechtliche Möglichkeit, sich vom Leuten, die trotz Reservierung nicht kämen, Geld zu holen. „Wenn ein Tisch trotz Reservierung leer bleibt, entsteht mir ein finanzieller Schaden“, erläutert Schu. Er beziffert den Ausfall auf rund 45 Euro pro Gast. Denn als Restaurantbesitzer müsse er nach der Anzahl der reservierten Tische sein Personal in der Küche und im Service einteilen. Außerdem richtet sich auch der Einkauf der Produkte nach der Anzahl der Reservierungen.

Es komme vor, dass Anrufer in drei oder vier hannoverschen Restaurants zeitgleich einen Tisch reservierten, um sich dann kurzfristig für eines entscheiden zu können - ohne bei den anderen abzusagen, berichtet Schu. Das gebe es bei Privatleuten, sei aber bei Geschäftsleuten besonders verbreitet. Deshalb sei eine gesetzliche Regelung für eine Stornogebühr dringend nötig. Beispielsweise sei es in London üblich, dass Restaurants bei einer Tischreservierung 50 Pfund (umgerechnet knapp 70 Euro) von der Kreditkarte des Gastes abbuchen. Keine schlechte Idee, findet Schu.

Auch Vassilios Vassiliou, der das Castello in Herrenhausen betreibt, hat schon über eine Stornogebühr nachgedacht. Besonders ärgerlich sei das Fernbleiben von angemeldeten Gästen an Tagen, an denen gar keine Gäste auf gut Glück in sein Restaurant kämen, wie zum Beispiel an Weihnachten oder Ostern. Allerdings fürchtet er sich auch davor, seine Gäste mit einer Stornogebühr zu verärgern und dadurch zu vertreiben. „Vielleicht muss einfach nur mal ein Gastronom damit anfangen. Kann sein, dass dann andere schnell nachziehen“, sagt er.

Ekkehard Reimann, der das Clichy betreibt, hat ebenfalls schon etliche schlechte Erfahrungen mit Gästen gemacht, die trotz einer Reservierung nicht kommen. „Das ist ein riesiges Problem“, sagt er. Besonders dreist seien Firmen, die für größere Gruppen bestellten und dann mit wesentlich weniger Personen kämen. „Ich wurde auch schon mal ausgelacht, als ich den vorher vereinbarten Preis verlangt habe“, berichtet er.

Die Stornogebühren, die Gastronomen zum Beispiel in Hamburg, München oder auf Sylt einfordern, sind beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ein großes Thema. „Wenn die Leute trotz Reservierung nicht kommen, kann das für einige Gastwirte zu einem richtigen wirtschaftlichen Problem werden“, sagt die Geschäftsführerin des Dehoga-Bezirksverbandes Hannover, Kirsten Jordan. Sie rät Gastronomen dazu, bei einer Reservierung möglichst konkrete Absprachen zum Beispiel über das Menü zu treffen. „Nur dann gibt es die Möglichkeit, etwas zu verlangen, falls der Gast nicht kommt.“ Eine reine Tischreservierung sei rechtlich nicht bindend. Außerdem sei es in einem solchen Fall schwierig, den für den Gastwirt entstandenen Schaden zu ermitteln, sagt sie.

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