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Aus der Stadt Gastronomie findet keine Auszubildenden
Hannover Aus der Stadt Gastronomie findet keine Auszubildenden
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00:19 20.08.2014
Viel Arbeit, aber auch gute Karrierechancen: Fermina de los Santos Heidler beim Anrichten des Frühstücks im Hotel Viva Creativo in Bothfeld.
Viel Arbeit, aber auch gute Karrierechancen: Fermina de los Santos Heidler beim Anrichten des Frühstücks im Hotel Viva Creativo in Bothfeld. Quelle: Thomas
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Hannover

Eine Ausbildung in der Gastronomie? Glaubt man den Zahlen der Arbeitsagentur, dann ist die Branche für junge Leute so unattraktiv wie kaum eine andere. Lange Schichten, zuweilen ein Knochenjob und anspruchsvolle Gäste – nicht jedermanns Sache. Fermina de los Santos Heidler schüttelt darüber den Kopf. „Mit Menschen zu arbeiten und zu sehen, dass sie sich wohlfühlen – das macht für mich den Beruf aus“, sagt die Hotelfachfrau-Auszubildende selbstbewusst. Natürlich sei nicht jeder Gast gleich, mit der Zeit aber gewinne man an Menschenkenntnis. „Ich weiß schnell, wie ich mit den Gästen umgehen muss.“

Sie ist jung, freundlich und geht in ihrer Arbeit vollkommen auf. Ob sie in den Zimmern saubermacht oder das Frühstück anrichtet: Fermina lächelt eigentlich immer. Dass sich für die Jobs in der Hotel- und Gastronomiebranche immer weniger Menschen bewerben, liege an dem falschen Bild, das viele von der Tätigkeit hätten, sagt Günther Hirth, Berufsbildungsleiter der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover. „Dabei kann man gerade in der Gastronomie und im Hotelbereich schnell Karriere machen und Verantwortung übernehmen.“

De los Santos Heidler lernt während ihrer Ausbildung im Bothfelder Hotel Viva Creativo sämtliche Abteilungen des Hauses kennen. Betten machen, Bäder putzen, das Frühstück anrichten oder bei Veranstaltungen Getränke servieren. Das gehört alles zum Job dazu. „Als Nächstes werde ich in der Küche eingesetzt“, sagt die 31-Jährige voller Vorfreude. Dann muss sie kalte Speisen vorbereiten und kann den Köchen über die Schulter schauen. „Auch das ist wichtig, schließlich muss ich den Gästen erklären können, wie ihr Essen zubereitet wurde.“ Zwölf-Stunden-Tage und der zuweilen anstrengende Dienst in den Zimmern machen der jungen Frau nur wenig aus. Doch sie wusste auch, worauf sie sich einließ. „Ich habe schon früher in der Gastronomie gearbeitet“, sagt sie. 

2002 kam de los Santos Heidler aus der Dominikanischen Republik nach Deutschland und studierte in Hannover zunächst Wirtschaftswissenschaften. Nach zwei Semestern brach sie wegen einer Schwangerschaft ab. Jetzt ist ihre Tochter Alicia Marie fünf Jahre alt. „Und ich wollte eine abgeschlossene Berufsausbildung haben, meinem Kind später etwas bieten können“, sagt sie. Formal macht sie eine Umschulung: Die Inhalte sind identisch mit einer dreijährigen Ausbildung, doch dauert ihre Lehre nur zwei Jahre.

Fünf junge Menschen werden derzeit im Hotel Viva Creativo zu Hotelfachkräften ausgebildet. Damit könnte Chefin Ulrike Hornig zufrieden sein. „Es fällt uns aber immer schwerer, Azubis zu finden“, sagt sie. Viele Jugendliche hätten ein falsches Bild von dem Job, dem Arbeitsumfeld und der Bezahlung. Mit einem Rückgang der Bewerberzahlen hat auch das Grand Hotel Mussmann zu kämpfen. Dort werden jedes Jahr Hotelkaufleute ausgebildet. Statt wie geplant drei konnten in diesem Jahr nur zwei Azubis eingestellt werden. Das Grand Hotel bemühe sich aktiv um Bewerber, sagt Sekretärin Gabriele Sander. Trotzdem sei es schwer, die Stellen zu besetzen. Noch bestehe für Bewerber und Unternehmen Hoffnung, sagt Hirth. Ausbildungsbeginn ist normalerweise der 1. August oder der 1. September. Viele Unternehmen reagierten jedoch auf die späten Sommerferien in diesem Jahr, indem sie ihren Ausbildungsbeginn nach hinten verlegten. Diese Chance müssten Bewerber und Unternehmen jetzt nutzen. Laut Statistik der Arbeitsagentur gibt es aktuell 2669 unbesetzte Ausbildungsstellen im Raum Hannover.

Von Manuela Wilk

20.08.2014
Jörn Kießler 20.08.2014
Rüdiger Meise 17.08.2014