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Aus der Stadt Geburtshilfe im Klinikum Nordstadt geschlossen
Hannover Aus der Stadt Geburtshilfe im Klinikum Nordstadt geschlossen
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20:33 01.05.2015
Mit ihnen geht eine Epoche zu Ende: Fanny Kampehl mit Tochter Jonna (li.) und Alenka Kurda mit Tochter Yaelle sind die letzten Mütter, die im Klinikum Nordstadt Babys zur Welt gebracht haben. Allen vieren geht es gut. Quelle: Michael Thomas
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„Es war eine schöne Geburt“, sagt ihre Mutter Alenka Kurda. Schade sei es, dass die Station schließe - „das Team ist toll, die Atmosphäre ist entspannt“, sagt die 34-Jährige, die mit ihrem Mann, einem Franzosen, in der List lebt. Warum sie sich trotz der Schließungspläne noch für die Nordstadt entschieden hat? Erstens hatte ihre Hebamme Sarah Ritter ihr dazu geraten, zweitens konnte niemand ahnen, dass Yaelle (54 Zentimeter, 3170 Gramm) sich eine Woche länger Zeit lassen würde als errechnet. Am späten Donnerstagnachmittag erst hatten die Wehen eingesetzt.

Auch die Klinikleitung hatte offenkundig nicht damit gerechnet, dass noch Kundschaft kommen würde - und schon mal für Donnerstagnachmittag zum Termin mit dem mutmaßlich letzten Nordstadtbaby zitiert. Da hielt die 32-jährige Fanny Kampehl aus Ahlem lächelnd ihre frisch geborene Tochter Jonna (52 Zentimeter, 3620 Gramm) im Arm. Insgesamt fünf Mütter mit ihren Kindern befinden sich jetzt noch auf der Station - aber neue werden nicht mehr aufgenommen.

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Mit der Schließung der Nordstadt-Geburtshilfe gibt es in Hannover kein kommunales Krankenhaus mehr, in dem Frauen entbinden können. Jährlich rund 1000 Geburten hat das Team ermöglicht. Sie sollen sich nun auf die Frauenklinik der Medizinischen Hochschule, die Frauenklinik von Henriettenstiftung und Friederikenstift sowie das Vinzenzkrankenhaus verteilen. Außerdem haben im Umland die kommunalen Krankenhäuser Großburgwedel, Gehrden und Neustadt noch Geburtshilfeabteilungen.

Die 45 Mitarbeiterinnen der Geburtshilfe im Nordstadtkrankenhaus - 19 Hebammen, acht Ärztinnen und 18 Pflegerinnen - seien alle im eigenen Haus oder anderen Kliniken untergekommen, bestätigt Klinikumssprecher Bernhard Koch. „Drei Viertel der Hebammen arbeiten weiterhin in unseren Häusern mit Geburtshilfe im Umland.“

Die Zimmerfluchten der Geburtshilfestation des Nordstadtkrankenhauses würden als chirurgische Station weiter genutzt, sagt der kaufmännische Direktor der Klinik, Hauke Heißmeyer. Für Räume wie den Kreißsaal überlege man noch, wie man sie weiternutzen könne. Für das 1913 errichtete Gebäude der Frauenheilklinik selbst wird ein Käufer gesucht. Gynäkologie und Brustkrebszentrum sind ins Klinikum Siloah umgezogen.

Auch wenn auf der Geburtshilfestation seit Freitag keine Mutter mehr ihr Kind entbindet, dürfen sich Alenka Kurda, Fanny Kampehl und die anderen Mütter noch ausruhen, bis sie entlassen werden. Zu Hause warten nicht nur die Ehemänner. Jonna hat einen vierjährigen Bruder, auf Yaelle freut sich die dreijährige Anna.

Andreas Schinkel 01.05.2015
Simon Benne 04.05.2015
Bernd Haase 01.05.2015