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Aus der Stadt Gedenken an Robert Enke in Hannover
Hannover Aus der Stadt Gedenken an Robert Enke in Hannover
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18:07 10.11.2010
Die ersten Menschen betraten bereits um 6.00 Uhr am frühen Mittwochmorgen das 35 Quadratmeter großen Gedenkzelt. Quelle: dpa

Still, dezent und in erster Linie privat hat Hannover am ersten Todestag Robert Enkes um den früheren Fußball- Nationaltorhüter getrauert. Massenhafte Bestürzung wie vor einem Jahr nach dem Selbstmord des Schlussmanns von Hannover 96 blieb am Mittwoch aus. Die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) um Präsident Theo Zwanziger, Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff gedachte Enke zusammen mit dessen Witwe Teresa unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf dem Friedhof Empede bei Hannover.

Am ersten Todestag des beliebten Fußballers im Jahr 2010 trafen sich die Fans in einem eigens errichteten Zelt in der Nähe des Stadions.

„Wir vergessen dich nicht“, stand auf dem Kranz des DFB, den Zwanziger, Löw und Bierhoff am Grab niederlegten. Auch der Clubchef von Hannover 96, Martin Kind, und Enke-Berater Jörg Neblung nahmen an der Zeremonie in der Friedhofskapelle teil. Enke, der unter Depressionen litt, hatte sich am 10. November 2009 in der Nähe seines Wohnorts das Leben genommen. An der Todesstelle am Bahnhof Eilvese in der Gemeinde Neustadt am Rübenberge blieben Anteilsbekundungen aus. Es lagen diesmal keine Blumen am Gleisrand.

Auch am Friedhof fanden sich kaum Anwohner ein. Die Polizei hatte die Zufahrt zur Gedenkfeier abgesperrt. Teresa Enke hatte zuvor darum gebeten, den Trauerkreis am Grab ihres Mannes „so klein wie möglich“ zu halten. In einem handschriftlich verfassten Brief hatte die Witwe den Wunsch geäußert, das Grab nicht zu betreten und Blumen oder Gestecke auf einer Rasenfläche abzulegen. Die Bevölkerung kam diesem Wunsch nach. Nur eine Handvoll Anwohner versammelte sich rund um die Zufahrt zum Friedhof. Blicke auf das Grab waren erst nach der kurzen Zeremonie möglich.

Auch am Stadion, in dem vor einem Jahr rund 40.000 Menschen an einer bewegenden Trauerfeier teilgenommen hatten, gedachten am Mittwoch nur wenige Fußballfans ihrem Idol. Bereits morgens früh um 6.00 Uhr betraten die ersten zehn Menschen ein eingerichtetes 35 Quadratmeter großes weißes Gedenkzelt. Teilweise waren aber mehr Journalisten und Kamerateams von TV-Stationen anwesend als Trauernde.

In einem „Buch der Gedanken“ schrieben die Fans ihre Erinnerungen auf. Kinder hinterließen handgemalte Bilder. Auf einem stand: „Robert Enke, wir vermissen dich sehr. Dominik und Adrian.“ Eine Frau trug sich unter Tränen in das aufgestellte Buch ein, eine andere legte weiße Rosen nieder. „Ich komme da nicht drüber hinweg“, sagte ein Fan, der bereits vor einem Jahr am Stadion getrauert hatte.

„Es kommen keine Unmengen von Menschen. Schüler auf dem Weg zur Schule und Menschen auf dem Weg zur Arbeit schauen vorbei und halten für kurze Zeit inne. So hatten wir das erwartet und gewünscht“, berichtete 96-Pressechef Andreas Kuhnt. Der Bundesligist verzichtete bewusst auf größere eigene Aktionen. Die Spieler trainierten unter Ausschluss der Öffentlichkeit. 96-Clubchef Kind hatte jüngst eingeräumt, dass die riesige Anteilnahme und Trauer im vergangenen Jahr eine zu große Last für die Profis gewesen sei.

Stadt Hannover benennt Straße nach Robert Enke

Die Stadt Hannover wird eine Straße nach Robert Enke benennen. Anlässlich des ersten Todestages des früheren Torhüters von Hannover 96 erläuterte Oberbürgermeister Stephan Weil den Vorschlag, die Stichstraße zum Stadion von Arthur-Menge-Ufer in Robert-Enke-Straße umzubenennen. „Hannover 96 und die Witwe Teresa Enke sind damit einverstanden. Das war für mich eine wichtige Voraussetzung“, sagte Weil am Mittwoch. Die endgültige Entscheidung fällt der Stadtrat am 16. Dezember, die Zustimmung gilt als sicher.

Das Straßenschild mit dem Namen des ehemaligen Nationaltorwarts wird möglicherweise noch in diesem Jahr aufgestellt. In Zukunft ist die Robert-Enke-Straße auch die Adresse der Geschäftsstelle des Fußball-Bundesligisten Hannover 96. „Wir wollen Robert Enke in unmittelbarer Nähe seiner langjährigen Wirkungsstätte ehren“, erklärte Oberbürgermeister Weil.

Fans planen Marsch 
zum Gedenken an Enke

Auf der Internetplattform Facebook hatte sich eine Gruppe formiert, die sich um 18.24 Uhr, dem Todeszeitpunkt Enkes, am Kröpcke in Hannover zu einer Gedenkminute treffen wollte. Anschließend planten die Fans einen Trauermarsch zur AWD-Arena. Die Polizei wollte den Marsch „wohlwollend begleiten“.

dpa/fx

Dieser Artikel wurde erneut aktualisiert.

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