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Aus der Stadt Schüler erinnern an Pogromnacht
Hannover Aus der Stadt Schüler erinnern an Pogromnacht
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00:21 13.11.2014
Von Simon Benne
Ein Zeichen der Erinnerung: Hauke Jagau (l.) und Stefan Schostok legten gemeinsam einen Kranz nieder.
Ein Zeichen der Erinnerung: Hauke Jagau (l.) und Stefan Schostok legten gemeinsam einen Kranz nieder.  Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Von tiefer Melancholie sind die Klänge erfüllt. Doch zugleich mutet das hebräische „El male rachamim“ wie ein ungebrochenes Glaubensbekenntnis an, wenn Kantor Elija Schwarz von der Liberalen Jüdischen Gemeinde das Gedenkgebet anstimmt. Mehr als 100 Teilnehmer haben gestern in der Roten Reihe, wo einst Hannovers Synagoge stand, der Pogromnacht von 1938 gedacht. Regionspräsident Hauke Jagau und Oberbürgermeister Stefan Schostok legten - ebenso wie Vertreter von Kirchen, Parteien und Volksbund - Kränze nieder.

Zahlreiche Hannoveraner gedachten am Montag an der Roten Reihe der Reichspogromnacht. Auch Oberbürgermeister Stefan Schostok und Regionspräsident Hauke Jagau legten einen Kranz nieder. Das tragische Ereignis jährte sich zum 76. Mal.

Schüler der Heisterbergschule lasen aus den Erinnerungen des hannoverschen Juden Helmut Fürst vor, der als junger Mann Zwangsarbeit leisten musste und nach Riga deportiert wurde. Nach dem Krieg kehrte er in seine Heimatstadt zurück. „Wir dürfen es nicht zulassen, dass Menschen wegen ihrer Herkunft oder Religion ausgegrenzt werden“, sagt der 15-jährige Ismail. Holocaust-Überlebende zollten den Schülern Respekt: „Toll, dass ihr das macht“, sagte Ruth Gröne, die als Kind den gelben Stern tragen musste und deren Vater im KZ starb. „Dass ihr hier seid, macht Mut - denn ihr seid die Zukunft“, sagte auch der 94-jährige Henry Korman.

Dennoch ist es offenbar wichtiger denn je, das Gedenken an die NS-Gräuel wachzuhalten: Unbekannte Täter haben in der Nacht zum Sonntag das KZ-Mahnmal in Ahlem geschändet. Unter anderem schmierten sie das Wort „Lüge“ auf eine Tafel mit den Namen Ermordeter. Außerdem schrieben sie Parolen wie „Zionismus = Rassismus“ auf die Wände: „Eine vorbereitete Aktion, um zum 9. November eine antisemitische Botschaft zu verbreiten“, sagt Karljosef Kreter, Leiter des städtischen Projekts Erinnerungskultur. Die Polizei bittet Zeugen, die in der Nacht zum Sonntag an der Petit-Couronne-Straße etwas Auffälliges bemerkt haben, sich telefonisch unter (05 11) 109 55 55 zu melden.

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