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Aus der Stadt Kritik an Gartenheim: „Weltbild wie bei der NSDAP“
Hannover Aus der Stadt Kritik an Gartenheim: „Weltbild wie bei der NSDAP“
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08:12 02.03.2017
Von Gunnar Menkens
Im Geschäftsbericht von Gartenheim, hier Wohnungen an der Hildesheimer Straße, finden sich umstrittene Passagen. Foto: Eberstein Quelle: Jan Philipp Eberstein 2016
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Hannover

„Menschenverachtend“ und „rassistisch“ - der Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft Gartenheim, Günter Haese, steht nach seinen jetzt bekannt gewordenen Äußerungen über Flüchtlinge in der Kritik. Auch der Verband der Wohnungswirtschaft (VdW) distanzierte sich ausdrücklich von seinem Mitgliedsunternehmen.

Oberbürgermeister Stefan Schostok sagte am Mittwoch: „Da hat sich ein ganz erfolgreicher Unternehmer leider offensichtlich in einer sehr merkwürdigen Weltsicht verrannt und zeichnet mit Vorurteilen und menschenverachtenden Parolen ein Zerrbild.“ Herausforderungen wie die Integration von Flüchtlingen löse man jedoch nicht mit plumpen Parolen. Der Verwaltungschef verwies auf viele Ehrenamtliche, die in „vorbildlicher Weise“ Flüchtlingen helfen würden.

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„Ein Weltbild, das bei der NSDAP gängig war“

Haese beschrieb Flüchtlinge im Kern als Menschen, die durch ihr Wohnverhalten Bausubstanz zerstörten, Toiletten nicht benutzen könnten und unwillig seien, etwas zu lernen. Formulierungen wie „angeordnete Willkommenskultur“ und Deutschland als „faktisch“ besetztem Land rücken Haese in den Augen seiner Kritiker an den sehr rechten politischen Rand. Der Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft (VdW) ging auf Abstand zu Haeses Flüchtlingsbeschreibungen. „Das ist unsäglich und rassistisch“, sagte Heiner Pott. Soziale Aufgabe der Unternehmen im Verband sei es gerade, Menschen ungeachtet ihrer Herkunft Wohnen zu ermöglichen.

Beim Unterstützerkreis Flüchtlinge, einem Netzwerk Hunderter freiwilliger Helfer, wunderte sich Vorstandsmitglied Gerhard Spitta über den Unternehmer Haese. „Er denkt nicht ökonomisch. Gerade weil es an Wohnungen mangelt, wäre dies ein Anreiz zu investieren, der sogar gefördert wird.“ Er konstatierte bei Haese „ein Weltbild, das bei der NSDAP gängig war“.

Dessen Formulierung, große Teile der Weltbevölkerung könnten mit deutschen Toiletten nichts anfangen, konterte Spitta: „Der Herr ist wohl nicht viel herumgekommen in der Welt.“ In den Wohnheimen könne man sehen, dass es keine Probleme gebe. Spitta erinnerte daran, dass Deutschland etliche Flüchtlingsbewegungen gemeistert habe.

Aufsichtsrat verteidigt Gartenheim-Chef

Joachim Bauer, Aufsichtsratsvorsitzender der Gartenheim-Genossenschaft, versteht die Reaktionen der Kritiker nicht. Es sei Haese im Februar 2016 im Geschäftsbericht darum gegangen, „ein Meinungsbild“ zu zeichnen, das vor gut einem Jahr in der Diskussion herrschte, als unklar war, wie viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen würden. Damit habe er begründet, warum Gartenheim statt in Neubauten weiter konservativ in Substanz investiere.

Vorwürfe etwa des Flüchtlingsrates Niedersachsen, Haese sei ein in völkischen Kategorien denkender Rassist, wies er zurück: „Das sehe ich nicht so. Wer ihn kennt, weiß, dass er nicht zu diesen Herrschaften gehört.“