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Aus der Stadt Geht es am Hauptbahnhof endlich voran?
Hannover Aus der Stadt Geht es am Hauptbahnhof endlich voran?
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19:07 26.02.2017
Von Bernd Haase
„Die Kosten für die Vorderseite sind gegenüber der Kalkulation erheblich gestiegen“: die Fassaden-Rückseite am Hauptbahnhof. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Reisende, die Hannover mit dem Zug erreichen, sehen im Hauptbahnhof von der Bahnsteigseite aus ein Gerüst. Es verdeckt seit mehr als vier Jahren die komplette Rückseite des Bahnhofsgebäudes. Der Grund: Die Bahn hat die vorgesehene und notwendige Sanierung der Sandsteinfassade bisher aus Kostengründen nicht bewerkstelligt. Das könnte sich in diesem Jahr endlich ändern. „Möglicherweise wird es in diesem Jahr so weit sein. Derzeit läuft ein internes Genehmigungsverfahren“, sagt ein Sprecher.

Das 1879 nach Plänen des hannoverschen Architekten Helmut Stier fertiggestellte Gebäude des hannoverschen Hauptbahnhofs zählt zu den schönsten seiner Art in Deutschland. Als es im Zweiten Weltkrieg ausgebombt wurde, blieb die Fassade genauso erhalten wie bei den Umbauten im Vorfeld der Weltausstellung.

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Zwischenzeitlich jedoch hat die Fassade aus anderen Gründen Schaden genommen. Fachleute entdeckten Risse in den Sandsteinelementen, an einigen Stellen bröckelten sie bereits. Vermutlich hat eingedrungenes und im Winter bei Minustemperaturen gefrorenes Wasser das Material lädiert. Deshalb wurde die Fassadenseite zum Ernst-August-Platz mit Mittelteil und den beiden seitlichen Turmbauten in den Jahren 2011 und 2012 saniert. Das erregte auch deswegen Aufsehen, weil die Bahn am dafür aufgebauten Gerüst zwei riesige Werbeplakate aufhängte.

Nach Abschluss der Arbeiten vor Weihnachten 2012 ließ der Schienenkonzern das Gerüst auf die rückwärtige Gebäudeseite umsetzen, weil auch dort die Fassade ausgebessert werden sollte. Dazu ist es bisher nicht einmal ansatzweise gekommen. „Die Kosten für die Vorderseite sind gegenüber der Kalkulation erheblich gestiegen und haben fast den gesamten Etat ausgeschöpft“, erklärt der Sprecher. Eine Summe nannte er nicht, aber nach Informationen der HAZ geht es dabei um einen Millionenbetrag.

Das Gerüst auf der Rückseite muss nach Angaben der Bahn stehen bleiben, damit Reisende auf den Bahnsteigen 1 und 2 nicht durch möglicherweise herabfallende Sandsteinbrocken gefährdet werden. Zu den anfallenden Mietkosten macht die Bahn keine Angaben. Sollte die Finanzierung erneut scheitern, will sie das Gerüst abbauen und durch vorgespannte Netze ersetzen lassen.

Die Bahn ist mit ihrem historischen Gebäude kein Einzelfall in Hannover, was die Langlebigkeit von Gerüsten angeht. Rekordhalter dürfte das ehemalige Volkshochschulgebäude am Theodor-Lessing-Platz sein, das seit geschlagenen zehn Jahren umstellt ist. Möglicherweise beginnt dort in diesem Jahr die Sanierung des Gebäudes. An der städtischen Bauverwaltung neben dem Neuen Rathaus am Friedrichswall rückten die Gerüstbauer 2013 an. Wann sie wiederkommen dürfen, ist unklar. Der Grund für den Gerüstbau liegt auch in diesen Fällen im Schutz der Bevölkerung vor herabfallenden Bauteilen.

Bernd Haase 26.02.2017
Andreas Schinkel 26.02.2017
Tobias Morchner 26.02.2017