Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Busfahrt für Flugreisende nicht zumutbar
Hannover Aus der Stadt Busfahrt für Flugreisende nicht zumutbar
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:18 12.12.2017
Auf dem Flughafen Tegel streikten Mitarbeiter des Bodenpersonals am 13. März 2017. Darunter leiden musste unter anderem ein Ehepaar, dessen Flugzeug Stunden später in Hannover starten sollte. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

 Ein betagtes Ehepaar aus Berlin hat vor dem Amtsgericht Hannover einen Sieg gegen die Tui errungen. Der Reiseveranstalter muss ihnen 1720 Euro für eine geplatzte Urlaubsreise nach Sizilien erstatten, hinzu kommen 454 Euro Anwaltskosten. Die Eheleute, er 76 und sie 65 Jahre alt, sollten aufgrund eines Streiks des Bodenpersonals am Flughafen Tegel mit dem Bus nach Hannover kutschiert werden und von dort abfliegen. Allerdings hatten sie sich geweigert, diese zusätzlichen Strapazen auf sich zu nehmen. Schlussendlich landete die  Ersatzmaschine dann auch erst um 22.35 Uhr auf dem Flughafen von Catania – neun Stunden und 40 Minuten später als vorgesehen.

Gebucht hatte das Paar einen einwöchigen Urlaub in einer Unterkunft in Taormina. Doch am 13. März dieses Jahres, am Vortag des geplanten Abflugs, erfuhren die Senioren beim Web-Check-in, dass ihre Air-Berlin-Maschine in Tegel aufgrund eines Streiks nicht starten würde. Da ihnen zu diesem Zeitpunkt niemand sagen konnte, wie es weitergeht, stornierten sie ihren Urlaub. Am Abend lasen sie auf der Internet-Seite von Air Berlin, dass sie am nächsten Tag per Bus nach Hannover gefahren werden sollten – doch da war schon alles gelaufen.

Anzeige

Die Tui erstattete dem Paar in der Folge lediglich 87 Euro als anteiligen Reisepreis für die Verspätung. Mehr wollte der Reisekonzern nicht zahlen: Aufgrund des Eincheckens hätten die Urlauber die Reise bereits angetreten, so dass ein Rücktritt vom Vertrag gar nicht mehr möglich gewesen sei. Zudem habe das Ehepaar kein Kündigungsrecht gehabt, da keine erhebliche Beeinträchtigung der Reise vorgelegen habe.

Dies aber sah das Amtsgericht anders. Es habe sehr wohl eine erhebliche Beeinträchtigung der nur für eine Woche geplanten Reise vorgelegen, angefangen von der anfänglichen Unsicherheit über den Fortgang der Dinge über die zu erwartenden Beschwerlichkeiten einer Busreise bis zu der um knapp zehn Stunden verspäteten Ankunft in Catania mitten in der Nacht. Und deshalb sei die Tui verpflichtet, den Senioren den vollen Reisepreis zu erstatten.

Von Michael Zgoll