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Aus der Stadt „Sieg Heil“-Rufer muss Geldstrafe zahlen
Hannover Aus der Stadt „Sieg Heil“-Rufer muss Geldstrafe zahlen
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07:41 09.12.2016
Von Michael Zgoll
Sascha D. legte vor Gericht ein Geständnis ab.
Sascha D. legte vor Gericht ein Geständnis ab. Quelle: Behrens
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Hannover

Das Restaurant Excalibur in Bemerode trägt den Beinamen „mittelalterliche Schänke“, und bei Gesinde- und Rittergelagen geht es dort oft rustikal zu. Doch was Sascha D. am 30. April dieses Jahres in den Kellerräumen veranstaltete, verschlug Personal und Gästen denn doch die Sprache. An jenem Sonnabendabend gegen halb neun begann der angetrunkene Mann, der mit Freundin und Bekannten bei Tisch saß, herumzupöbeln. Mehrfach schmetterte D. ein „Sieg Heil“ in den Raum, machte Gäste mit Sätzen wie „Hier trinken nur Deutsche“ oder „Alles Arier“ an und zeigte wiederholt den Hitlergruß. Das Ganze mündete in eine kleine Prügelei.

Am Donnerstag wurde der 36-Jährige vom Amtsgericht wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen - sprich: dem Grölen von Naziparolen - und vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt. Sascha D. gab zu, Kontakte zur Neonazi-Szene zu haben, mochte dazu vor Gericht aber keine weitergehenden Angaben machen. Entschuldigungen wie „Normalerweise macht man das nicht“ oder „Hätte nicht sein müssen“ zeugten nicht gerade von tiefschürfenden Reflexionen über seine Sympathiebekundungen für Nazideutschland.

Nach den ersten „Sieg Heil“-Rufen im Excalibur wurde Sascha D. verwarnt und gebeten, den Mund zu halten. Als er nicht aufhören wollte, die Gäste mit seinen Parolen zu belästigen, sprach der Wirt ein Hausverbot aus und wollte ihn hinauswerfen. Dabei schubste der 36-Jährige seine Freundin, die ihn beruhigen wollte, zu Boden. Ein Aushilfskellner, 28 Jahre alt, stellte sich schützend vor die Frau - und bekam von D. einen Faustschlag ins Gesicht. Kurze Zeit später griff die Polizei den Täter am Bemeroder Rathausplatz auf.

Sascha D. ist schon häufiger mit dem Gesetz in Konflikt geraten, einschlägige Taten mit rechtsextremem Hintergrund waren allerdings nicht dabei. In seinem Vorstrafenregister finden sich Delikte wie Körperverletzung, Handel mit Betäubungsmitteln, Fahren ohne Führerschein oder Schwarzfahren.

Amtsrichter Jörn Thyen verurteilte D., der derzeit bei der Müllabfuhr eines Heidestädtchens arbeitet, zu 50 Tagessätzen à 30 Euro. Und auch zwei Warnungen bekam Sascha D. mit auf den Weg. Er solle seinen Alkoholkonsum einschränken, mahnte der Richter, um das Risiko von Ausfällen aller Art zu minimieren, eine Haftstrafe zu vermeiden und seinen Job nicht zu gefährden. Ob Thyens Schlusssatz bei dem „Sieg Heil“-Schreihals verfing, muss notgedrungen offen bleiben: „Sehen Sie zu, dass Sie sich von Ihren rechten Gesinnungsgenossen lossagen.“

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