Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Gerberding verabschiedet sich aus Politik
Hannover Aus der Stadt Gerberding verabschiedet sich aus Politik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:58 26.09.2009
SPD-Kommunalpolitiker Detlef Gerberding Quelle: Martin Steiner
Anzeige

Am Freitag wurde bekannt, dass er auch sein Mandat im Stadtbezirk Mitte zurückgegeben hat, das bisher nur ruhen sollte. Allerdings soll er das bislang nur per E-Mail an den Bezirksbürgermeister kundgetan haben. Nötig ist noch eine Unterschrift, die im Rathaus vorgelegt werden muss. Mitte der Woche hatte Gerberding bereits den Fraktionsvorsitz zurückgegeben. Möglicherweise entscheidet sich am Montag, wer seine Nachfolge in der Fraktionsführung antritt. Zunächst aber will die Fraktion Gerberdings Version der Vorgänge anhören.

Derweil ist kurz vor der Bundestagswahl eine regelrechte Schlammschlacht zwischen den großen Parteien entbrannt. CDU-Parteichef Dirk Toepffer warf SPD-Chef Walter Meinhold vor, er habe der Rückkehr Gerberdings in die Kommunalpolitik „tatenlos zugesehen“ und dessen „Wiedereinstieg als Fraktionsvorsitzender im Bezirksrat nicht verhindert“, obwohl bekannt war, das Gerberding wegen Betrugs verurteilt wurde. Toepffer mutmaßt zudem, dass Meinhold von Oberbürgermeister Stephan Weil schon frühzeitig darüber informiert wurde, dass die städtische Stiftungsaufsicht das Finanzgebaren Gerberdings im Stiftungsvorstand kritisch unter die Lupe genommen hatte. „Spätestens in diesem Augenblick hätte Meinhold handeln müssen“, fordert Toepffer.

Anzeige

Meinhold weist das entrüstet zurück. „Es gibt eine strikte Trennung zwischen der SPD als Partei und der Rathausführung“, sagt Meinhold. „So lange es nur einen Verdacht gab, der von der Stiftungsaufsicht geprüft wurde, hat der Oberbürgermeister mich nicht informiert.“ Als Parteichef habe er innerhalb weniger Stunden nach Bekanntwerden der neuen Vorwürfe gegen Gerberding gehandelt. Meinhold seinerseits warf der CDU vor, „alle Ehrenamtlichen in Hannover unter Generalverdacht“ zu setzen, weil sie eine Sonderprüfung aller Regionalstiftungen gefordert hatte. „Gnadenlos populistisch“ nannte Meinhold das.

Derweil verurteilen auch die beiden Direktkandidatinnen von CDU und SPD aus dem Wahlkreis, in dem das Armenstift liegt, die Vorgänge. Der Vorfall müsse „zügig und lückenlos aufgeklärt werden“, sagt Ursula von der Leyen (CDU): „Darauf haben nicht zuletzt diejenigen einen Anspruch, die freiwillig und mit großem Engagement Zeit und Kompetenzen für Ehrenämter einsetzen.“ Und SPD-Kandidatin Edelgard Bulmahn bewertete den Vorgang als „unfassbar“. Sie bescheinigte der hannoverschen SPD unter Walter Meinhold aber, sie habe „richtig und schnell reagiert, indem sie Herrn Gerberding aufgefordert hat, alle Ämter und Mandate niederzulegen“.

von Conrad von Meding
 und Felix Harbart

Mehr zum Thema

Er wolle den Schaden wiedergutmachen, den er angerichtet hat – das hat der Kommunalpolitiker Detlef Gerberding versprochen, nachdem bekannt geworden war, dass er Geld der Wagenerschen Armenstiftung veruntreut haben soll.

Conrad von Meding 24.09.2009

SPD-Politiker Detlef Gerberding, der im großen Stil Geld einer Armenstiftung verprasst haben soll, lässt nun bis auf Weiteres seine Ämter in den politischen Gremien der Stadt und der Partei ruhen.

23.09.2009

Der SPD-Fraktionschef im Bezirk Hannover-Mitte muss seinen Vorstandsposten in der Wagnerschen Armenstiftung räumen. Detlef Gerberding soll in großem Stil Geld der gemeinnützigen Stiftung verprasst haben, auch für private Zwecke.

Conrad von Meding 22.09.2009
Tobias Morchner 26.09.2009
Veronika Thomas 25.09.2009
Thorsten Fuchs 25.09.2009
Anzeige