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Aus der Stadt CDU-Mitglied der ersten Stunde
Hannover Aus der Stadt CDU-Mitglied der ersten Stunde
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11:24 07.11.2015
Von Gunnar Menkens
Seit 70 Jahren in der CDU-Gerhard Springer mit seinem Parteiausweis. Quelle: dpa
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Hannover

Der Parteiausweis ist erstaunlich gut erhalten. Festes Papier, keine Risse. Auf der ersten Seite stehen die wichtigsten Daten. Name: Gerhard Springer, geboren am 25. August 1925 in Breslau, Beruf: Student. Ortsgruppe: Jena. Kein Foto. Klappt man ihn auf, sind kleine Felder aufgedruckt, um Beitragsmarken einzukleben. Es war der 3. Dezember 1945, als der junge Mann durch die zerstörte Stadt zur Geschäftsstelle der Union ging, um sich sein Dokument abzuholen, das ihm bestätigte, Mitglied der CDU zu sein.
Gerhard Springer ist nun 90 Jahre alt, er ist ein freundlicher und höflicher, bescheidener Mann, der mit den Nachteilen seines Alters zu kämpfen hat. In ­Hannover gibt es keinen anderen Christdemokraten, der 70 Jahre lang Mitglied der Partei ist – so lange, wie es die Partei gibt. Dass er vor sieben Jahrzehnten als junger Mann in der sowjetischen Besatzungszone die CDU auswählte, hatte auch mit seiner katholischen Herkunft zu tun. „Eigenverantwortung mit sozialer Verantwortung verbinden, das sollte es sein“, sagt Springer. Eine wichtigere Rolle spielten aber Disziplinierungsversuche an der Universität. Russische Offiziere versuchten in Vorlesungen, Studenten auf den Marxismus einzuschwören, die Empörung auf den Bänken wuchs. „Das war das Schlüsselerlebnis. Ein Freund sagte, wir müssten politisch was machen.“ Springer trat in die CDU ein, um der Indoktrination etwas entgegenzusetzen. Sie gründeten eine Betriebsgruppe für die Uni, was erlaubt war, studentische Verbindungen dagegen blieben verboten. Bei der Kommunalwahl kämpfte die junge Partei mit Papiermangel, war etwas da, bekam es zuallererst die KPD.
Gerhard Springer erlebte eine Zeit, in der die Union überall in Deutschland um den richtigen Weg rang. Mit dem Ahlener Programm wollte ein Flügel einen christlichen Sozialismus durchsetzen, dann wurde, 1949, die soziale Marktwirtschaft zum gültigen Leitbild der Union. Hier fühlte er sich aufgehoben.
Ein Jahr später floh Gerhard Springer nach Hannover. Im Osten wurde es zu gefährlich für Leute, die den Mund aufmachten gegen die Kommunisten. Er wurde Lehrer an der Humboldtschule, später am Ratsgymnasium, und die letzten zwölf Jahre vor seinem Ruhestand leitete der Philologe die Sophienschule. Nebenbei war er lange Jahre in der Kommunalpolitik. Als Ratsherr saß er im Stadtparlament, in Ausschüssen, und einige Jahre war er sogar Bezirksbürgermeister. „Das waren noch Zeiten, da hat die CDU überraschend in Buchholz gewonnen und ich musste dann den Bürgermeister machen, dabei wollte ich gar nicht.“ Natürlich stellte sich Springer doch in den Dienst der Sache.
Vor kurzem lud die Kanzlerin alle 70er-Jubilare nach Berlin ein. Es waren keine 20 Männer und Frauen mehr. Gerhard Springer war auch da, er erinnert sich belustigt, wie zum gemeinsamen Foto viele Senioren zur Mitte, zur Merkel drängten. Er selbst hielt sich lieber am Rand auf. Gestern ehrte auch die hannoversche CDU ihr Mitglied für seine Treue. Fragt man Gerhard Springer, ob er der Union mit seiner Erfahrung Ratschläge geben könne, fragt er zurück: „Nee, welche denn?“

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