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Aus der Stadt Fand Pärchen Drogen im nächtlichen Wald?
Hannover Aus der Stadt Fand Pärchen Drogen im nächtlichen Wald?
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19:09 09.12.2016
Von Michael Zgoll
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Geben Erwachsene Betäubungsmittel an Personen unter 18 Jahren weiter, gilt das als Verbrechen, das mit mindestens einem Jahr Haft geahndet wird. Doch in der gestrigen Verhandlung vor dem Amtsgericht ließen sich die Tatvorwürfe nicht beweisen. Es hatte eher den Anschein, als hätte die 16-Jährige genau gewusst, was sie tat. Dass sie und ihr Freund zur Herkunft der Drogen wahrscheinlich Märchen erzählten, änderte nichts: Das Schöffengericht musste auf Freispruch entscheiden.

Der Vorfall spielte sich in einer Augustnacht dieses Jahres gegen 1.30 Uhr auf dem Pausenhof der Grundschule Am Stöckener Bach ab. Zeugen hatten dort Lichtschein bemerkt und die Polizei verständigt. Vier Beamte rückten an. Im Licht ihrer Taschenlampen stießen die Polizisten auf den damals noch 22-jährigen und seine 16-jährige Freundin. In der Luft lag der süßliche Duft von gerauchtem Marihuana; wer gerade einen Zug genommen und den Joint weggeworfen hatte, ließ sich aber nicht mehr feststellen. Im rechten Schuh der Jugendlichen - in Höhe des Knöchels - fanden die Beamten ein 0,39 Gramm wiegendes Kügelchen der Droge, in ihrer Umhängetasche ein Kräutermühlchen zum Zerkleinern von Marihuana.

Der 22-jährige soll einem Polizisten damals spontan gesagt haben, der Stoff gehöre ihm – doch wollte er vielleicht nur die Freundin schützen? Den betreffenden Beamten konnte das Gericht unter Vorsitz von Guido Janke nicht als Zeugen hören, weil der Polizist derzeit im Ausland tätig ist.

Gegen die Jugendliche war bereits zuvor ein Verfahren wegen Drogenbesitzes eingeleitet, aber wegen Geringfügigkeit eingestellt worden. Als Zeugin bestätigte die 16-Jährige die Einlassung, die Matthias Fiedler, Verteidiger des Mitangeklagten, für seinen Mandanten abgegeben hatte. Sie seien in jener Augustnacht im Gemeindeholz spazieren gegangen und hätten im Schein ihrer Handy-Taschenlampen ein Alupäckchen mit Marihuana entdeckt, das neben einer Bank lag. Dies hätten sie dann später auf dem Schulhof geraucht. Das Mädchen gab zu, auch schon früher Joints geraucht zu haben; von einer Verführung zum Drogenkonsum durch ihren Freund wollte sie aber nichts wissen.

Staatsanwalt und Gericht zeigten sich sehr skeptisch, ob die Geschichte vom zufälligen Drogenfund beim nächtlichen Waldspaziergang der Wahrheit entspricht - doch eine andere, vielleicht wahrscheinlichere Version der Geschichte, konnten sie dem Angeklagten nicht beweisen. So war der Freispruch eine von allen Verfahrensbeteiligten geforderte Konsequenz. Allerdings warnte Richter Janke den 23-Jährigen eindringlich vor weiteren strafbaren Aktivitäten. Derzeit wohnt der arbeitslose Hartz-IV-Empfänger, den 5000 Euro Schulden plagen, bei seiner Schwester und steht unter Bewährung. Ein Stuttgarter Gericht hatte ihn wegen Sachbeschädigung auch schon zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 10 Euro verurteilt.

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