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Aus der Stadt Gericht schließt Akten zu Busunglück
Hannover Aus der Stadt Gericht schließt Akten zu Busunglück
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11:33 16.08.2017
Von Michael Zgoll
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Hannover

Es war eine der größten Buskatastrophen in Europa: In den frühen Morgenstunden des 17. Mai 2003 starben auf einer Autobahn in Frankreich 28 Deutsche, 46 wurden verletzt. Sie alle saßen in einem Reisebus des Wunstorfer Unternehmens Tigerbus; der Doppeldecker war nahe Lyon von der Fahrbahn abgekommen, fünf Meter in die Tiefe gestürzt und in Flammen aufgegangen. Nach langjährigen Ermittlungen und Prozessen können die Akten zu der Tragödie nun endgültig geschlossen werden: Das Amtsgericht Hannover lehnte die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens mangels Masse ab. Damit kann die Firma Tigerbus endgültig aus dem Handelsregister gelöscht werden.

Die Ermittlungen, wie es zu der Katastrophe kommen konnte, hatten Jahre gedauert und Hunderttausende von Euro verschlungen. Viele Spekulationen über einen technischen Defekt an Bremsen und Reifen oder über allzu schnelles Fahren hatten sich irgendwann als nicht stichhaltig entpuppt, doch letzte Gewissheit über die Unglücksursache war schwer zu finden. Am Steuer des Doppeldeckers hatte der 54-jährige Inhaber der kleinen Wunstorfer Firma gesessen, der selbst ums Leben kam - doch war er auf der Fahrt ins spanische Lloret de Mar in einen Sekundenschlaf gefallen, oder wurde er in jener Nacht von einem Pkw von der Fahrbahn gedrängt? Ein mehrmonatiger Strafprozess gegen einen leitenden Angestellten des Unternehmens, der den möglicherweise übermüdeten Fahrer auf die Tour ans Mittelmeer geschickt haben soll, endete 2007 mit einem Freispruch.

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Tigerbus war schon 2004 pleitegegangen, auch die Personenbeförderungskonzession wurde der Firma schnell entzogen. Wie Klaus-Dieter Neubert, Leiter der Insolvenzabteilung am Amtsgericht, erläutert, sah sich der eingesprungene Geschäftsführer jedoch bald hohen Forderungen ausgesetzt. Hinterbliebene, Anwälte, Firmen und Behörden machten zivilrechtliche Ansprüche geltend. Eine Klage, um die Versicherung von Tigerbus in Anspruch nehmen zu können, wies das Landgericht laut Neubert aber zurück: Es liege keine Versicherungspflicht vor, weil der Fahrer grob fahrlässig gehandelt habe. Schon hier war klar, dass es bei dem Wunstorfer Unternehmen nichts mehr zu holen geben würde.

Michael Zgoll 28.06.2014
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