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Aus der Stadt Der Amtsarzt mit der Fliege ist tot
Hannover Aus der Stadt Der Amtsarzt mit der Fliege ist tot
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22:42 11.11.2014
Von Veronika Thomas
Hans-Bernhard Behrends ist am vergangenen Donnerstag gestorben.
Hans-Bernhard Behrends ist am vergangenen Donnerstag gestorben. Quelle: Christin Stahl
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Hannover

„Uns bleibt er als exzellenter Fachmann, aber auch als Persönlichkeit in Erinnerung, die das öffentliche Gesundheitswesen geprägt hat“, sagte Regionspräsident Hauke Jagau gestern. „Sein Engagement für die Gesundheitsförderung ging oft weit über seinen Bereich als leitender Amtsarzt hinaus.“ Der 1953 im ostfriesischen Nortmoor geborene Behrends, der in Göttingen Medizin studiert hatte, leitete ab 1996 zunächst das hannoversche Gesundheitsamt. Im Zuge der Regionsgründung führte er als Medizinaldirektor die Gesundheitsämter von Stadt und Region erfolgreich zusammen.

Behrends war nicht nur ein gefragter Experte etwa bei der Einschätzung von Fluglärm, Dioxin in Eiern oder der Altlastenentsorgung rund um den De-Haën-Platz, sondern auch ein umsichtiger Krisenmanager. 2001 leitete er im Zuge der Anthrax-Anschläge in den USA einen spektakulären Milzbrandeinsatz im hannoverschen Hauptbahnhof. 2003 stellte er einen vermeintlich am Atemwegssyndrom SARS infizierten Besucher der CeBIT unter Quarantäne. 2007, als in Wennigsen die Masern auftraten, verfügte der stets akkurat mit Fliege gekleidete Mediziner ein Schulbetretungsverbot für alle nicht geimpften Schüler - der Fall ging schließlich bis vor das Bundesverwaltungsgericht, weil eine Mutter dagegen geklagt hatte.

Behrends größte Herausforderung aber war die sogenannte Schweinegrippe. Als er im Juni 2009 beim ersten Fall von Influenza H1N1 in der Region vor 250 aufgebrachten Eltern einer Empelder Grundschule über Grippeepidemien und Übertragungswege referierte, prägte er einen Satz, der vielen Regionsbewohnern als Hygienemaßnahme im Gedächtnis geblieben sein dürfte: „Ich empfehle: Hände waschen, Hände waschen und nochmals Hände waschen.“ In den darauffolgenden Wochen stellte er Hunderte Regionsbewohner unter Hausarrest. Noch im Dezember 2013 trat der Liberale als Kandidat der Regions-FDP für die Wahl zum Regionspräsidenten im Mai dieses Jahres an. Nur wenig später, Anfang Februar, legte er die Kandidatur aus gesundheitlichen Gründen nieder. Jetzt ist der Arzt aus Leidenschaft mit der ruhigen, sonoren Stimme seiner schweren Krankheit erlegen.

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