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Aus der Stadt Neue Technik statt gelbem Schein
Hannover Aus der Stadt Neue Technik statt gelbem Schein
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00:15 15.12.2014
Von Bernd Haase
Neue Technik statt gelbem Schein: Dieter Rittinger und Lars Kliefoth haben mit ihrer Geschäftsidee beim hannoverschen Gründerwettbewerb Start-up Impuls gewonnen.
Neue Technik statt gelbem Schein: Dieter Rittinger und Lars Kliefoth haben mit ihrer Geschäftsidee beim hannoverschen Gründerwettbewerb Start-up Impuls gewonnen. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Die Geschäftsidee von Lars Kliefoth und Dieter Rittinger kommt zu einer passenden Zeit. „Wir wollen erreichen, dass die elektronische Gesundheitskarte einen praktischen Nutzwert für die Krankenversicherten hat“, sagen die beiden Gründer der an der Expo-Plaza ansässigen Deutschen Gesellschaft für Infrastruktur und Versorgungsmanagement (DeGIV). Ein Beispiel: Für Krankmeldungen brauchen Arbeitnehmer vielleicht künftig nicht mehr den berühmten Gelben Schein, sondern können sie auf elektronischem Wege per Karte an einem sogenannten Gesundheitsterminal erledigen.

Der potenzielle Nutzerkreis könnte kaum größer sein. Von Januar wird die elektronische Gesundheitskarte obligatorisch für rund 70 Millionen Krankenversicherte in Deutschland und ersetzt dann die alte Krankenversicherungskarte. „Mit ihr eröffnet sich die Möglichkeit, dass die Inhaber all das, was sie bisher im Papierkrieg mit den Kassen regeln mussten, auf elektronischem Wege erledigen können“, sagt Kliefoth.

Durch Zufall ins Leben gerufen

Die beiden hannoverschen Unternehmer bringen jeder auf seine Weise Wissen und Erfahrung in die vor einem Jahr an den Start gegangene Firma ein. Der 41-jährige Kliefoth, studierter Medizintechniker, hat beim Geldautomatenhersteller und IT-Dienstleister NCR gearbeitet; sein 48-jähriger Kompagnon Rittinger ist Krankenkassenbetriebswirt und hat die BKK Bergisch-Land mitgegründet. „Wir haben uns durch Zufall bei einer Veranstaltung in Hannover getroffen und gemerkt, dass da etwas zusammenpasst“, schildern die beiden.

Herzstück des Geschäftsmodells ist das sogenannte Gesundheitsterminal. Die Unternehmer wollen diese Geräte in Apotheken, medizinischen Versorgungszentren und in Krankenhäusern aufstellen. Der Prototyp wird gerade in Lüneburg gebaut, bereits im Januar sollen mehr als 500 Stück in Schwerpunktgebieten eingesetzt werden - hauptsächlich in Hessen und Norddeutschland. Als spätere Größenordnung peilt die DeGIV 7500 Standorte im Bundesgebiet an. „Wir können damit dort, wo Kassen nicht mehr durch Niederlassungen vertreten sind, Lücken schließen“, sagt Kliefoth.

Bereits jetzt bietet die Gesundheitskarte laut Kliefoth 25 unterschiedliche Funktionen - Inhaber können sich mit ihr krankmelden, geeignete Ärzte suchen, Fragebögen der Kassen beantworten, Notfalldaten speichern oder Hilfsmittel für häusliche Pflege wie Handschuhe, Cremes oder Windeln bestellen.

Krankenkassen entscheidend für den Erfolg

Bisher sind die Hannoveraner mit ihrem Geschäftsmodell ziemlich allein auf weiter Flur. Es genießt das Wohlwollen des Bundesgesundheitsministeriums. Entscheidend für den Erfolg ist aber die Bereitschaft der Krankenkassen, in diesem System einzusteigen. Derzeit läuft die Akquise. „Wir haben zwei Verträge und mehrere feste Absichtserklärungen, darunter auch von den ganz Großen“, erklärt Rittinger. Dass Apotheken mitziehen, hält er für einen Selbstläufer. „Die Terminals bringen ihnen zusätzliche Kundenfrequenz, ohne dass es sie etwas kostet.“

Auch die Karteninhaber müssen nichts zahlen. Die DeGIV will ihre Einnahmen erzielen, indem Krankenkassen Festbeträge für die Terminalnutzung ihrer Kunden entrichten, indem Werbung und Gesundheitskampagnen auf den Bildschirmen der Geräte laufen und indem Dienstleister Provisionen überweisen.

Was das Personal angeht, befindet sich das junge Unternehmen bereits auf Wachstumskurs. Derzeit arbeiten an der Expo-Plaza sechs Mitarbeiter, demnächst wird im westfälischen Kamp-Lintfort ein zweiter Standort eröffnet. Ende kommenden Jahres will man die Belegschaft auf 30 vergrößern. Es scheint so, als setze DeGIV auf die richtige Karte.

Impulse von der Gründungsförderung

Dieter Rittinger und Lars Kliefoth haben Anfang 2014 erstmals öffentlich Aufsehen erregt, als sie beim Gründungswettbewerb Startup-Impuls gewannen. Das brachte ihnen nicht nur eine Geldprämie, sondern auch Beratung etwa in Sachen Finanzierung ein. Aktuell läuft die zwölfte Auflage von Startup-Impuls, der von Hannoverimpuls und der Sparkasse ausgerichtet wird und mit einem Gesamtpreisgeld von 80 000 Euro in vier Kategorien der höchstdotierte Gründerwettbewerb im Raum Hannover ist.

Bereits jetzt sind nach Angaben der Organisatoren mehr als 100 Geschäftsideen eingereicht worden – in Zeiten schwach ausgeprägter Gründungsbereitschaft in Deutschland ist das keine schlechte Zwischenbilanz. Existenzgründer und Jungunternehmer aus der Region Hannover haben noch bis Anfang kommenden Jahres Zeit, Geschäftsideen zu präsentieren. Nähere Informationen zu den Fristen und Bewerbungsmodalitäten stehen auf der Internetseite www.startup-impuls.de

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