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Aus der Stadt 11.000 Jesiden demonstrieren gegen Gewalt
Hannover Aus der Stadt 11.000 Jesiden demonstrieren gegen Gewalt
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00:21 18.08.2014
Jesidische und kurdische Gruppen hatten zu der Großdemonstration in Hannover am Sonnabend aufgerufen. Quelle: dpa
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Hannover

Rund 11000 Demonstranten haben am Sonnabend in Hannover weitgehend friedlich gegen die Verfolgung und Folter der Jesiden im Nordirak protestiert. Mit Flaggen, Schildern und Spruchbändern zog der hunderte Meter lange Demonstrationszug am Nachmittag vom Waterlooplatz rund um die Innenstadt zurück zum Ausgangspunkt, wo die Veranstalter bis 17.30 Uhr eine Kundgebung abhielten. Lediglich am Rand der Demonstration kam es zu wenigen Zwischenfällen, als aufgewühlte Teilnehmer aneinandergerieten. „Die Versammlungsleiter waren jedoch sehr kooperativ und die Veranstaltung verlief friedlich“, sagte Polizeisprecherin Anja Gläser.

Mit vielen tausende Demonstranten haben die Jesiden in Hannover auf die Situation im Nordirak aufmerksam gemacht.

rund dafür war auch die Organisation des Zentralrats der Kurden in Deutschland, der die Kundgebung angemeldet hatte. Allerdings gab es kurz nach dem Abmarsch des Zuges gegen 13 Uhr einen Zwischenfall: Als die Demonstration das Leineufer passierte, stürmten etwa 20 Vermummte in die Menschenmenge und zeigten verbotene Flaggen der Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Nach einer Ermahnung der Polizei konnte der Marsch aber störungsfrei fortgesetzt werden.

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Zeitweise hatte der Protest gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS), die Kurden im Irak aufgrund ihres Glaubens verfolgt, sogar Volksfestcharakter – wenn auch mit traurigem Hintergrund. In Zelten verkauften die Teilnehmer Gebäck und Getränke, Teilnehmer saßen auf Decken und lauschten den Rednern, deren Worte aus Lautsprechern über den Waterlooplatz schallten. Unter den Demonstranten waren viele Angehörige und Freunde der Verfolgten, aber auch weniger involvierte Teilnehmer. „Ich bin nicht religiös eingestellt, aber so wie den Menschen im Irak sollte es niemandem ergehen“, sagte Yasmin Agit. „Man muss nur ein Herz haben, um hier zu stehen.“ Mit Parolen wie „Stoppt den Terror“, und „Solidarität heißt Widerstand“ marschierten die Demonstranten durch die Stadt. Unter den Teilnehmern war auch Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe. „Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass gerade im Nordirak der erste Genozid des 21. Jahrhunderts geschieht“, meinte er. „Das ist das Schlimmste seit dem Völkermord in Ruanda 1994.“ Eine jesidische Demonstrantin war erst am Morgen aus dem Krisengebiet wieder nach Deutschland gekommen. „Ich habe das Elend der Menschen gesehen, die überlebt haben.“ Die Jesiden seien auf die Hilfe von Außen angewiesen. „Heute sind wir dran, aber wer weiß, wer es morgen ist“, sagte Yüksel Ürdek. Nicht nur Jesiden, auch Christen litten unter der Verfolgung.

Von Jörn Kießler und Manuela Wilk

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