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Aus der Stadt Kritik an Millionenkosten für Fußballeinsätze
Hannover Aus der Stadt Kritik an Millionenkosten für Fußballeinsätze
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00:15 11.04.2014
Von Tobias Morchner
Polizisten der Bundespolizei haben den Hauptbahnhof Braunschweig im Rahmen befürchteter Ausschreitungen zwischen den Fans grossräumig abgesperrt. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Angesichts der hohen Zahl von Beamten, die am Sonntag für einen weitgehend friedlichen Verlauf des Niedersachsen-Derbys nötig waren, schlägt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Alarm. Sie hält die immensen Kosten für den Einsatz, die von den Steuerzahlern getragen werden müssen, für nicht mehr hinnehmbar. „Wir können uns das künftig schlicht nicht mehr leisten“, sagt der niedersächsische GdP-Landesvorsitzende Dietmar Schilff.

Etwa 1000 Fans demonstrieren mit einem Marsch für die „Grundrechte von Fußballfans“, 96-Anhänger werden mit Bussen eskotiert und am Abend schlägt Enttäuschung in Wut um. Die Ereignisse des Derby-Tages in Bildern.

3600 Beamte waren am Sonntag sowohl in Braunschweig als auch in Hannover unterwegs, um gewaltbereite Fans beider Lager konsequent voneinander zu trennen. Der Plan konnte erfolgreich umgesetzt werden, doch der Preis dafür ist hoch. Beim Hinspiel in Hannover, bei dem lediglich 1800 Polizeikräfte im Einsatz waren, wurden die Kosten auf rund eine halbe Million Euro geschätzt. Nun ist davon auszugehen, dass die Summe für das Rückspiel deutlich die Millionengrenze überschreiten wird.

Laut Schilff können Fußballspiele eigentlich mit 200 bis 300 Beamten über die Bühne gebracht werden, brisante Begegnungen mit etwas mehr Personal. „Es ist jedoch nicht akzeptabel, dass sich die Bereiche um die Stadien wegen der Fußballchaoten vor und nach den Spielen in ,No-go-Areas‘ für die normale Bevölkerung verwandeln“, sagt Schilff.

Er hofft jetzt auf Hilfe von Politik und Vereinen. Nur wenn dort schnell Konsequenzen aus den Vorfällen gezogen würden, könne etwas geändert werden. „Passiert das nicht, muss aus Sicherheitsgründen über andere Schritte nachgedacht werden, etwa ein generelles Reiseverbot für Gästefans, wie es in der Innenministerkonferenz bereits diskutiert worden ist“, sagt Schilff.

Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius, der ein solches Verbot zuletzt ins Gespräch gebracht hatte, lobte am Montag alle Beteiligten für die Abwicklung des Derbys. Das sogenannte „Niedersächsische Modell“ der Vergabe von Auswärtskarten in Verbindung mit einer organisierten Anreise habe daran einen wesentlichen Anteil gehabt. Bei den Fans von Hannover 96 hingegen sorgte das Modell für Unmut. Rund 1000 von ihnen demonstrierten am Sonntag dagegen, viele strengten Klagen an. Bei der Polizei in Braunschweig begann unterdessen die Aufarbeitung des Derby-Einsatzes. Insbesondere sind die Beamten gerade damit beschäftigt, die Gesamtkosten für die 3600 Kräfte aus sechs verschiedenen Bundesländern zusammenzutragen.

In der Gesamtsumme werden unter anderem die Kosten für die verschiedenen Hundertschaften, deren Unterbringung und Verpflegung, das Betanken der Fahrzeuge, die Flugstunden für den Polizeihubschrauber und zahlreiche weitere Posten enthalten sein. Vor diesem Hintergrund fordert auch der Bund der Steuerzahler ein Umdenken bei der Planung künftiger Fußballeinsätze. „Das hat eine Größenordnung angenommen, die erschreckend ist“, sagt Bernhard Zentgraf, Vorstandsvorsitzender des Steuerzahlerbundes in Niedersachsen und Bremen. Es sei an der Zeit, darüber zu reden, warum diese Kosten allein von den Steuerzahlern übernommen werden müssten. „Die Vereine müssen an den Kosten für die Fußballeinsätze beteiligt werden“, sagt Zentgraf. Dafür müssten schnell die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Am Tag nach dem Derby hat auch die Polizeidirektion Hannover eine positive Bilanz ihres Einsatzes am Sonntagabend rund um die HDI-Arena gezogen. Mehrere Hundert aufgebrachte Fans hatten die Mannschaft nach ihrer Ankunft attackiert, Flaschen und Böller flogen auf die Spieler und den Trainerstab. Schnell gelang es der Polizei jedoch, die Lage vor Ort zu beruhigen. Insgesamt leiteten die Beamten sieben Ermittlungsverfahren ein und stellten die Identitäten von 40 Krawallmachern fest.

Kommentar: Theorie und Praxis

Beim Hinspiel sind es noch 1800 Polizisten gewesen, die für die Sicherheit rund ums Derby gesorgt haben, beim Rückspiel musste schon die doppelte Anzahl von Einsatzkräften aufgeboten werden. Kein Wunder, wenn jetzt wieder die Frage gestellt wird, wo das alles enden und wer es bezahlen soll.

Zur Bilanz dieses Fußballwochenendes gehört, dass das Kalkül der Polizei aufging: In Braunschweig blieb es friedlich. Zur Bilanz gehört aber auch, dass Krawallmacher in Hannover am Ende doch noch zum Zuge kamen, Trainer wie Spieler mit Böllern und Leuchtraketen attackierten und dabei für sich in Anspruch nahmen, die eigentlichen Herren des Platzes zu sein („Kind muss weg“).

Gegen solche „Fans“, die Angst und Schrecken verbreiten und auch die Verletzung von Spielern billigend in Kauf nehmen, muss konsequent vorgegangen werden. Die Frage, ob man sich die Großeinsätze der Polizei noch leisten will und kann, ist da zunächst einmal sehr theoretischer Natur.

Volker Goebel

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