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Aus der Stadt Ein Sommer zum Abgewöhnen – na und?
Hannover Aus der Stadt Ein Sommer zum Abgewöhnen – na und?
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00:28 29.08.2014
Von Volker Wiedersheim
Na, und wie war Ihr Sommer bisher so? Die einen nörgeln, die anderen nehmens gelassen.
Na, und wie war Ihr Sommer bisher so? Die einen nörgeln, die anderen nehmens gelassen. Quelle: dpa
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Hannover

Na, und wie war Ihr Sommer bisher so? Das Nörgeln nimmt hörbar zu seit einigen Tagen. Und jetzt das: Ein echter Kälterekord im August. 3,3 Grad in Hannover in der Nacht zum Dienstag. Es ist der tiefste je gemessene Wert für dieses Datum, das im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre Tiefstwerte von 10,7 Grad verzeichnet. Dieser angebliche Hochsommer, ist wahrlich alles andere als ein Dauerbrenner. Und gefühlt wird es sogar noch deutlich kälter, wenn eingerechnet wird, dass halb Hannover sich in diesen Tagen Kübel voll Eiswasser über den Kopf gießt – die „Ice Bucket Challenge“ für die Spendenaktion zur Erforschung der Muskelkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose. Wer Hannover zurzeit vom Internet aus sieht, muss denken, die Menschen hier können den ersten winterlichen Eisregen kaum noch erwarten.

Der Blick aufs tatsächliche Wetter 2014 relativiert allerdings den schlechten Ruf dieses Sommers – siehe oben die am Seitenkopf die Wetterleiste. Wir helfen Ihrer Erinnerung mit der Tag-für-Tag-Dokumentation noch einmal auf die Sprünge. Dort lässt sich ablesen, dass etwa die praktisch durchgehend verregnete Woche vom 7. bis zum 13. Juli eigentlich eine zum Vergessen war. In diese Tage fiel allerdings der WM-Sieg der deutschen Fußballnationalelf gegen Gastgeber Brasilien – in Anspielung auf den Spielverlauf und das Wetter in der Heimat titelte die HAZ tags darauf „7:1 – es regnet Tore, und Deutschland feiert“. Aber was zu viel ist, ist zu viel: Der August mit bislang gerade einmal fünf Tagen ohne Niederschlag, ist Sommer zum Abgewöhnen.

Aber auch: Sommer für Kinobesuche, fürs Museum, fürs Klettern oder Kicken in der Halle, fürs Hallenbad und die Sauna. Die HAZ-Umfrage, in der wir viele Experten dem Sommer Noten wie in der Schule geben lassen, zeigt ein deutlich positives Stimmungsbild. Wer Kultur oder Freizeitvergnügen mit Dach überm Kopf bieten kann, der ist mit diesem Sommer schon versöhnt. Und – nicht zu vergessen – für die Gärten Hannovers bietet der August pure Wellness. Herrenhausen jubelt, und die Kleingärtner haben gute Laune. Das ist in der inoffiziellen deutschen Hauptstadt der Laubenpieper auch ein nicht zu unterschätzender Stimmungsfaktor. Bleiben die weiteren Aussichten. Leider sind sie nicht so gut. Keine Überraschung, besagt doch schon eine Bauernregel: Fängt der August mit Donnern an, er‘s bis zum End‘ nicht lassen kann.

Das Schützenfest

Es gab Wetterglück und -pech zugleich: Sonnenschein und Hitze bei Ausmarsch und Auftakt, aber auch immer wieder Regen. 1,2 Millionen Besucher kamen insgesamt, 300 000 weniger als im Jahr zuvor – aber Organisator Klaus Timaeus sieht dafür weniger das Wetter als die Konkurrenz der Fußball-WM als Hauptgrund. Note: 2.

Die Überflieger

„Wir bewerten den Sommer als mittelmäßig“, sagt Michael Möker, Trainer der gerade frisch gekürten deutschen Segelflugmeister vom LSV Burgdorf. „Allerdings beziehen wir den späten Frühling in unsere Bewertung mit ein. Juli und August waren eher mau“, sagt Möker. „Unsere Note: 3.“

Herrenhausen

Für die Herrenhäuser Gärten hätte der Sommer kaum besser laufen können. Temperaturen zwischen 20 und 23 Grad, ab und zu kräftige Regenschauer. „Das ist das ideale Wetter“, sagt Gartendirektor Ronald Clark. Nicht nur weil die Menschen dann einen Gartenspaziergang dem Freibadbesuch vorziehen, sondern auch aus botanischer Sicht. „Alles wächst und gedeiht prächtig“, sagt Clark. Seine Note für diesen Sommer: 2+.

„Traum“ und „Tosca“

„Wir sind sehr gut durch den Sommer gekommen“, sagt Karsten Seifert von Hannover Concerts. „Wir mussten beim „Sommernachtstraum“ in Herrenhausen nicht eine Aufführung absagen. Und bei der „Tosca“-Aufführung vorm Rathaus war das Wetter noch top – aber eine Note wollen wir nicht geben.“

Beim Feuerwerk

Dem Feuerwerkswettbewerb scheint auch eine kühle Witterung nichts auszumachen. Auch am vergangenen Sonnabend war das Spektakel in Herrenhausen ausverkauft – auch wenn die Gäste in wattierten Jacken kamen. Auch für den kommenden Auftritt der japanischen Pyrotechniker rechnet Hannovers Marketing-Chef Hans Nolte mit einem Besucheransturm. Seine Note für den Sommer: 2.

Welfen-Ausstellung peilt Rekord an

Es könnte kaum besser laufen: „Allein für den Monat August steuern wir auf rund 20 000 Besucher zu – das hat es noch nie gegeben“, sagt Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums. Ihr Haus ist derzeit Hauptort der großen Landesausstellung „Als die Royals aus Hannover kamen“ über die Ära der hannoversch-britischen Personalunion. Das eher durchwachsene Wetter dieses Sommers hat seinen Teil daran, dass diese sich inzwischen als regelrechter Publikumsmagnet erweist: „Der Juli war zwar fast etwas zu sonnig, da hätte die Zahl der Einzelbesucher noch höher sein können“, sagt Lembke. Unterm Strich jedoch zieht sie eine zufriedene Zwischenbilanz: „In allen fünf Häusern, die an der Landesausstellung beteiligt sind, hatten wir inzwischen rund 250 000 Besucher – bis zum Ausstellungsende am 5. Oktober wollen wir die Marke von 300 000 knacken.“

Eigentlich gilt es unter Museumsmachern als Wagnis, große Blockbuster-Ausstellungen in die Ferienmonate zu legen: Der Winter ist die klassische Zeit für Museumsbesuche. Im Fall der Royals-Schau jedoch erwies sich dieser Sommer als Glücksfall. „Viele Besucher kommen aus Großbritannien, vom „Guardian“ bis zum „Observer“ berichteten britische Zeitungen ausführlich darüber“, sagt Lembke: „Das Echo ist überwältigend.“ Das Britische Museum in London hat dem Landesmuseum mittlerweile schon Leihgaben für die Ausstellung „Madonna! – Frau, Mutter, Kultfigur“ im kommenden Jahr zugesagt. So brachte der Royals-Sommer dem Renommee des Museumsstandortes Hannover einen gewaltigen Schub – und dem Reiseziel Hannover auch. Note: 2.

Auf Citytour

Hannovers neue Doppeldeckerbusse können auch Cabrio – aber häufig blieb das Verdeck bei Regen zu. „Aber insgesamt haben wir einen Besucherzuwachs bei den Stadtführungen um rund zwölf Prozent“, sagt Hannovers Tourismus-Chef Hans Nolte. „Wenn es zu warm ist, wollen die Menschen ans Meer“, sagt er. Deshalb gibt er Hannovers Sommer die Note 2.

Auf der Marienburg

Noch nie kamen so viele Besucher auf die Marienburg wie 2014: „Wir sind optimistisch, dass es bis Ende des Jahres mehr als 200 000 sein werden“, sagt Olaf Ahrens, der neue Leiter des Schlossbetriebs. Die Ausstellung „Der Weg zur Krone“ über das Königreich Hannover erweise sich als Publikumsmagnet: „Und es liegt wohl auch am Wetter, dass es noch besser läuft als erwartet.“ Note 1.

Busch-Museum

„Das Wetter arbeitet uns zu“, sagt Gisela Vetter-Liebenow, Chefin im Wilhelm-Busch-Museum: In diesem Jahr kamen schon rund 50 000 Besucher in ihr Haus (2013 insgesamt: 57 000). Die aktuelle Loriot-Ausstellung wurde bis zum 14. September verlängert. „Fürs Freibad ist der Sommer zu kühl – davon profitieren wir“, sagt die Direktorin. Note: 2.

Im Zoo

Geschäftsführer Andreas M. Casdorff ist mit dem Regen im Reinen. „Der Sommer verlief bisher für uns wie das Wetter – wechselhaft.“ In den Sommerferien habe man einerseits der Hitze, andererseits dem Regen Tribut zollen müssen. „Aber insgesamt liegen wir mit den Besucherzahlen satte 6,5 Prozent über dem Vorjahr und sind gut im Plan.“ Extremwetterlagen, so erläutert Casdorff, sind bei Besuchern und Tieren gleichermaßen unbeliebt. „Regnet es Bindfäden, stellen sich unsere Tiere irgendwo unter. Allerdings sind Tiere wasserdicht, und Temperaturschwankungen machen ihnen wenig aus.“ Casdorff gibt dem Sommer die Note 3.

Am Badesee

„Eigentlich war es ein ganz guter Sommer“, sagt Florian Wesemeier, für die DLRG am Altwarmbüchener See. Dadurch, dass es immer wieder Regenschauer in der heißen Phase des Sommers gab, hielt sich der Betrieb in Grenzen. „Aus Sicht der Rettungskräfte war es jedoch ein schwarzer Sommer“, sagt Wesemeier: Ein 26-jähriger Student ertrank in dem See.

Im Aqualaatzium

„Uns ist das schlechte Wetter zugutegekommen“, sagt Chef Carsten Otte. „Seit es so kühl geworden ist, ist unsere Sauna überdurchschnittlich voll. Wir geben deshalb diesem Sommer die Note 2.“

Eis, Eis, Baby

Im Eiscafé Giovanni L. am Kröpcke läuft das Geschäft auch in diesem Sommer gut. „Das Wetter könnte besser sein, aber ich bin insgesamt zufrieden“, sagt Geschäftsführer Farhad Ghanay. „Normalerweise sollten die Kellner bei diesem Wetter Eiskaffees bringen. Sie servieren aber Latte Macchiato.“ Insgesamt läuft dieses Jahr aber besser als das vorige – deshalb: Note 3.

Das Seh-Fest

Der Auftakt war heiß– inzwischen müssen sich die Besucher warm anziehen. „Aber die Hannoveraner kommen trotzdem und genießen die Filme“, lobt Veranstalter René Schweimler. Trotz Regenwetters kamen etwa am Montag rund 500 Besucher zum Film „Soul Kitchen“. Note: 3.

Der Hit im Kino

„Bei uns war es sehr gemischt. Es gab richtige Hochs und Tiefs. Während der WM und an besonders heißen Tagen war es leer. Aber wir haben jetzt im August teilweise schon die Besucherzahlen, wie wir sie sonst nur im Herbst kennen. Wir sind im Moment auf jeden Fall Profiteure des schlechten Wetters“, sagt Sybille Mollzahn vom Kino am Raschplatz. Ihre Note für den Sommer: eine glatte 2.

Zurück zum Glück

Sonja und Julia Faber vom Café Zurück zum Glück (Emmichplatz) sind mit dem Sommer zufrieden: „Eigentlich konnte man jeden Tag draußen sitzen – selbst als wetterfühliger Hannoveraner.“ Ihre Note für den Sommer: 2

Das Maschseefest

Die zweite Hälfte des Fests war verregnet und kalt - mit der ersten Hälfte war Fest-Chef Hans Nolte sehr zufrieden. Anfang August bereitete das heiße Wetter der Polizei sogar Sorgen: Der Ferienbeginn fiel mit einer Schönwetterperiode zusammen, und die Beamten zählten ungewöhnlich viele angetrunkene Jugendliche am Ufer. Note: 2.

Die Segelschule

Die Segel- und Yachtschule Hannover Nord am Maschsee erlebt einen durchwachsenen Sommer. „Im April ging es gut los, im Juni und Juli gab‘s ein Loch, die erste Augusthälfte war wegen des Maschseefests wieder toll“, sagt Michael Klippel (Bild), Chef des Bootsverleihs. „Für einen Segelkurs brauchen wir keine Sonne, sondern Wind.“ Seine Sommernote: 3.

Im Strandleben

„Der Sommer ist ärgerlich nass“, sagt Tobias Köster von der Bar Strandleben am Weddigen-Ufer. Nur der Juli habe die Erwartungen erfüllt. Nun hofft das Team auf einen Altweibersommer, wie es ihn im vergangenen Jahr gegeben hat. Note: 4

Kart-o-Mania

„Bei schlechterem Wetter haben wir mehr Rennfahrer auf der Bahn“, sagt Tim Warnecke von der Rennbahn Kart-o-Mania in Rethen. Und er fügt an: „Gut für den Umsatz – aber ich persönlich hätte lieber die Sonne genommen. Aus geschäftlicher Sicht  bekommt der Sommer von uns die Note 2.“

Beim Wasserski

Durchaus zufrieden mit dem Sommer sind die Betreiber der Wasserskianlage am Blauen See in Garbsen. „Im Mai war es so warm, da gab es Sonderöffnungszeiten“, sagt Heike Paries. Jetzt kommen deutlich weniger Wassersportfans, aber: „Wir haben keinen Grund, über den Sommer zu klagen.“ Note: 2

Gunnar Menkens 27.08.2014
29.08.2014
Bernd Haase 29.08.2014