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Aus der Stadt Giftpflanze im Salat gefunden
Hannover Aus der Stadt Giftpflanze im Salat gefunden
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07:30 06.08.2009
Kann in größeren Mengen lebensgefährliche Leberschädigungen verursachen: Das giftige Greiskraut. Quelle: Thomas Meier
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In größeren Mengen kann das Kraut mitunter lebensgefährliche Leberschädigungen verursachen. Nach Genuss einzelner Pflanzen sind nach Angaben von Andreas Schaper vom Giftinformationszentrum Nord Magenprobleme nicht ausgeschlossen.

Am Dienstag hatte ein Kunde das gelb blühende Kraut, das auch Kreuzkraut genannt wird, in einer Rucola-Mischung entdeckt und danach vorsichtshalber sämtliche im Markt vorrätigen Packungen gekauft. Die Proben schickte der fachkundige Käufer, der Mitglied im „Arbeitskreis Kreuzkraut“ ist, zur Analyse ans Pharmazeutische Institut der Universität Bonn. Die Wissenschaftler bestätigten, dass die gesamte Charge Teile des giftigen Krauts enthält und informierten die Region. Das Ergebnis einer genauen chemisch-toxikologischen Untersuchung wird für Donnerstag erwartet.

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Erst dann entscheidet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) darüber, ob der betroffene Lebensmittelkonzern seine Salate zurückrufen muss. So lange bleibt auch unbekannt, welche Unternehmen die Ware verpackt und vertrieben haben. Vorerst will die Region alle Supermärkte in und um Hannover auf den Fund aufmerksam machen und dazu auffordern, die angelieferten Salatmischungen auf das gefährliche Kraut hin zu untersuchen. Fest steht bisher, dass der verunreinigte Salat nicht aus Niedersachsen stammt. Die Behörden vor Ort seien ebenfalls auf das Giftkraut im Salat aufmerksam gemacht worden, sagt Regionssprecher Nils Meyer. Ebenso habe man Salathersteller in der Region Hannover auf die Problematik hingewiesen.

Die Region rät Verbrauchern, Salate gut zu waschen, sie durchzusehen und Pflanzenteile auszusortieren, „die keinen essbaren Pflanzen zugeordnet werden können“. Unterdessen warnt Sabine Jördens, Vorsitzende des Arbeitskreises Kreuzkraut, vor den Gefahren, die vom „Gemeinen Greiskraut“ ausgehen. Sie fordert eine „Null-Toleranz-Grenze für das Kraut in Lebensmitteln“. Laut Arzneimittelgesetz gilt für Medikamente, dass Patienten nicht mehr als ein Mikrogramm pro Tag für die Dauer von sechs Wochen zu sich nehmen dürfen. Schwangeren und Kindern darf der in dem Kraut vorkommende Wirkstoff Pyrrolizidinalkaloid überhaupt nicht verabreicht werden.

Auch in Milch und Honig sind bereits Spuren des Giftstoffes festgestellt worden. Nach Angaben des Bonner Wissenschaftlers Dr. Helmut Wiedenfeld ist aber über die Langzeitwirkung des Giftes bisher nichts bekannt. Erstmals aufgetaucht ist das Kraut in den achtziger Jahren.

Laut Jördens sind den Salatbauern die vom Greiskraut ausgehenden Probleme bekannt, würden aber nicht überall konsequent bekämpft. Oft träten die Beschwerden erst einige Zeit nach Genuss der Pflanze auf. Unter anderem daran könne es liegen, dass das Giftzentrum Nord in den vergangenen 13 Jahren nur zwei Vergiftungsfälle im Zusammenhang mit dem Kraut verzeichnet.

von Felix Harbart, Tobias Morchner und Joachim Dege

Stefanie Kaune 05.08.2009
05.08.2009