Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Initiative will mehr nackte Männer in der Sauna
Hannover Aus der Stadt Initiative will mehr nackte Männer in der Sauna
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:27 05.11.2015
Von Gunnar Menkens
Benachteiligt? Im Stadionbad gibt es nur einen Saunatag für Herren in der Woche. Quelle: dpa/Symbolbild
Anzeige
Hannover

Oberbürgermeister Stefan Schostok ist in jeder Hinsicht ein Freund der Gleichberechtigung. Sein Sprachgebrauch missachtet kein Geschlecht, und bekommt er Gelegenheit, „Erstsemesterinnen und Erstsemester“ zu sagen, dann packt er die Gelegenheit beim Schopf. Eine kleine Initiative von Bürgern hat ihn nun auf eine offene Flanke in Hannovers Genderpolitik hingewiesen, „mit Empörung und Unverständnis“, wie es in einem Protestschreiben heißt, dem im Rathaus eben ein Eingangsstempel aufgedrückt wurde. Es rückt die Stadt in den Verdacht, der tatsächlichen Gleichheit von Mann und Frau die kalte Schulter zu zeigen. Dieses Mal allerdings im Nachteil: der nackte Mann.

Um die 50 Personen haben Schostok, der Gleichstellungsbeauftragten und dem Sport- und Bäderamt per Unterschrift versichert, dass in den kommunalen Bädern das männliche Geschlecht im Nachteil ist. Es ist den Unterzeichnern eine durchaus ernste Angelegenheit.

Anzeige

Das Stadionbad also: Damensauna an zwei Tagen, Herrensauna nur an einem Tag in der Woche. Die Petenten fühlen sich in ihren Rechten beschnitten, zumal es andernorts nicht besser aussieht. „lm Nord-Ost-Bad und im Vahrenwalder Bad wurde die Herrensauna durch die Beschränkung auf die Zeit zwischen 9 und 14 Uhr für Berufstätige faktisch abgeschafft“, Damensauna dagegen ist mittwochs und freitags ganztägig möglich. Ähnlich die Verteilung in Stöcken.

Schweres Geschütz wird aufgefahren: das Fundament der Bundesrepublik Deutschland. „Durch diese Benachteiligung der Herren wird das grundgesetzlich verbriefte Gleichbehandlungsgebot eklatant verletzt. Dies sollte in einer öffentlichen, im Wesentlichen durch Steuergelder finanzierten Institution nicht möglich sein.“ Daraus leitet die Gruppe die Forderung ab, im Stadionbad am Donnerstag die gemischte Sauna wieder ausschließlich zum Herrensaunatag zu machen und bis 22.30 Uhr zu öffnen.

Im Rathaus mochte sich noch niemand dazu äußern, wie tief in den Alltag das städtische Verständnis der Grundrechte reicht. Das erste Wort soll der Oberbürgermeister haben. Ob die Petition Aussicht auf Erfolg hat, wenn im Büro der Gleichstellungsbeauftragten nur Frauen arbeiten und das Sport- und Bäderamt ebenfalls von einer Leiterin geführt wird? So viel war in der Verwaltung zu erfahren: Die geänderten Öffnungszeiten sind Teil des neuen Bäderkonzeptes, das der Rat vor wenigen Monaten beschlossen hat. Dazu gehörte, das Stadionbad sonnabends wegen etlicher Veranstaltungen für die Öffentlichkeit ganz zu schließen. Damit fiel jedoch auch die Damensauna weg.

Dieser Tag wurde wieder hereingeholt, indem der Donnerstag vom Herrentag zum Tag der gemischten Sauna wurde. So kompliziert kann Politik sein. Und ihre Folgen für Männer und Frauen.

Tobias Morchner 02.11.2015
Mathias Klein 05.11.2015
02.11.2015