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Aus der Stadt Grenzkonflikt soll in Hannovers Rat entschieden werden
Hannover Aus der Stadt Grenzkonflikt soll in Hannovers Rat entschieden werden
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12:08 29.12.2010
Von Andreas Schinkel
Das Wohngebiet Seelhorster Gärten an der Bemeroder Straße soll Bemerode zugeschlagen werden.
Das Wohngebiet Seelhorster Gärten an der Bemeroder Straße soll Bemerode zugeschlagen werden. Quelle: Ralf Decker
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Dem Gezänk um Grenzen und Gebiete zwischen den Stadtteilen will Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil ein Ende bereiten. „In der kommenden Ratsversammlung im Januar kommt das Thema auf die Tagesordnung und wird dann auch entschieden“, sagte er der HAZ. Schließlich dränge die Zeit, denn die Wahlbezirke für die anstehende Kommunalwahl 2011 müssten endlich festgelegt werden, und die orientieren sich an der Größe der Stadtbezirke. In der letzten Ratssitzung dieses Jahres war die Entscheidung über neue Bezirksgrenzen vertagt worden, weil es noch „Klärungsbedarf“ gab.

Anlass des Streits ist eine neue Zuordnung des Wohngebiets Seelhorster Gärten entlang der Bemeroder Straße, das bisher – wie es der Name vermuten lässt – zum Stadtteil Seelhorst gerechnet wurde, nun aber Bemerode einverleibt werden soll. Denn die rund 400 Bewohner orientieren sich im Alltag Richtung Bemerode, wo sie einkaufen gehen und ihre Kinder die Schule besuchen. Damit aber würden sie vom Stadtbezirk Döhren-Wülfel in den Bezirk Kirchrode-Bemerode-Wülferode verschoben. Als Ausgleich für den Gebietsverlust soll Döhren-Wülfel, so schlägt es die Stadtverwaltung vor, den östlichen Teil der Expo-Plaza bekommen.

Doch die Bezirksräte schüttelten die Köpfe und arbeiteten einen Gegenvorschlag mit größeren Gebietsverschiebungen aus. Nicht nur das Wohngebiet Seelhorster Gärten, sondern das gesamte Areal nordwestlich davon zwischen der Straße Zum Waldteich, dem Messeschnellweg und der Zuschlagstraße sollte künftig zu Bemerode gehören, im Gegenzug bekäme Döhren-Wülfel weite Teile des Expo-Ost-Areals. Damit waren die politischen Gremien in beiden Stadtbezirken weitestgehend zufrieden, nur die Kirchröder SPD-Vertreter stimmten gegen den Gegenentwurf. „Warum sollen wir auf die Expo verzichten, wo wir damals so viel Herzblut in die Weltausstellung gesteckt haben?“, fragt Knut Böhme, der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bezirksrat Kirchrode-Bemerode-Wülferode.

Der Oberbürgermeister, wohnhaft in Kirchrode, stärkt seinen Parteigenossen vor Ort den Rücken. „Es gibt für mich nicht den leisesten Grund, das Expo-Gelände Döhren zuzuordnen“, sagt er. Denn der Schnellweg und das Messegelände bildeten zwei natürliche Grenzen zum Stadtbezirk Döhren-Wülfel. „Da gibt es überhaupt keinen Bezug.“

Die SPD im Bezirksrat Döhren-Wülfel, die für die umfangreicheren Gebietsverschiebungen gestimmt hatte, räumt ein, dass die Situation nun „verfahren“ sei. „Wir versuchen aber, unseren Vorschlag durchzusetzen“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Bert Oltersdorf.

Grundsätzlich hat beim Thema Grenzverläufe zwischen den Bezirken der Rat das letzte Wort. Im Januar wird sich zeigen, wie weit die Einflussmöglichkeiten der Bezirksräte wirklich gehen.

29.12.2010
Andreas Schinkel 29.12.2010