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Aus der Stadt Verdi bringt in Hannover Tausende auf die Straße
Hannover Aus der Stadt Verdi bringt in Hannover Tausende auf die Straße
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00:17 16.06.2015
An die Kundgebung in Hannover nahmen 4500 Menschen teil. 
An die Kundgebung in Hannover nahmen 4500 Menschen teil.  Quelle: dpa
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Hannover

Gelbe Sicherheitshelme sieht man nicht oft bei Kundgebungen der Dienstleistungsgesellschaft Verdi. Carsten Eisold, Sozialpädagoge bei der Region Hannover, und rund drei Dutzend Mitstreiter trugen welche, als sie sich am Sonnabend auf dem Andreas-Hermes-Platz zur Demonstration in der Landeshauptstadt Hannover versammelten. „Ingenieur für Sozialarbeit“ stand auf den Helmen.

Mit Trillerpfeifen, Plakaten und wehenden Fahnen haben in Hannover Erzieher, Sozialpädagogen und Beschäftigte aus ähnlichen Berufsgruppen für mehr Lohn und Anerkennung demonstriert. Rund 3500 Menschen schlossen sich einem Protestzug an, der durch die Innenstadt vom Raschplatz zum zentralen Kundgebungsort am Fuß der Waterloosäule führte. 

„Darum geht es doch: Wir müssen genauso einen Hochschulabschluss machen wie Techniker und Ingenieure, werden aber bezahlt, als hätten wir lediglich eine Ausbildung“, sagt Eisold. Die Demonstranten fordern eine Besserstellung der Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst, vor allem in monetärer Hinsicht. „Aufwerten jetzt“, skandierten sie deshalb immer wieder beim Marsch durch die Innenstadt und bei der anschließenden Kundgebung auf dem Waterlooplatz.

Im Tarifstreit zwischen den kommunalen Arbeitgebern und den Arbeitnehmern herrscht wegen der laufenden Schlichtung noch bis Mitte kommender Woche Friedenspflicht und mithin Streikverbot. Auf die Straße gehen dürfen die Gewerkschafter jedoch und taten das außer in Hannover auch in Köln, Nürnberg und Dresden. „Es macht die Besonderheit dieses Arbeitskampfes aus, dass er den Arbeitgebern keinerlei ökonomischen Schaden bereitet“, sagte der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Bsirske in Hannover. Der Tarifstreit werde wie kein anderer über die öffentliche Meinung entschieden. Deshalb seien Solidaritätskundgebungen ein wichtiges Signal.

Hörbar war dieses Signal auf jeden Fall. 3500 Demonstranten aus dem gesamten norddeutschen Raum zogen vom Andreas-Hermes-Platz vorbei am Hauptbahnhof über den Platz der Weltausstellung durch die Karmarschstraße zum Waterlooplatz, wo dann weitere 1000 hinzustießen. Unterwegs gab es die übliche Begleitmusik – Sambatrommelrhythmen, Trillerpfeifenlärm und Parolen. Das bekam auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder mit, der auf der Außenterrasse eines Restaurants an der Ständehausstraße zu Mittag aß, als der Zug vorbeizog.

Was die Rednerliste bei der Abschlusskundgebung anging, war die Veranstaltung in Hannover prominent besetzt. Außer Bsirske griffen unter anderem Reiner Hoffmann als Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) sowie Vizekanzler und SPD-Bundeschef Sigmar Gabriel zum Mikrofon. Der Sozialdemokrat, als Vater einer dreijährigen Tochter mit Kindergartenplatz auch privat mit der Materie vertraut, nahm den Bund in die Pflicht. Dieser müsse die Kommunen finanziell unterstützen. „Über Aufwerten kann man nicht nur reden, man muss es auch machen.“ Es dürfe nicht sein, dass Kommunen vor die Wahl gestellt werden, entweder Flüchtlingsunterbringung zu gewährleisten oder Erzieher und Pflegekräfte anständig zu bezahlen. Mit einer Empfehlung für das Schlichtungsverfahren hielt sich Gabriel wohlweislich zurück. Die Forderung der Arbeitnehmer lautet, Löhne und Gehälter um durchschnittlich 10 Prozent anzuheben.     

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