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Aus der Stadt Grüne sehen FDP in der Pflicht
Hannover Aus der Stadt Grüne sehen FDP in der Pflicht
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00:17 18.10.2017
Von Andreas Schinkel
Die Grünen feiern ihre Wahlparty im Besitos an der Goseriede. Quelle: Silas Stein
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Hannover

Kurze Atempause, Seufzer und dann brandet doch Applaus auf, als die ersten Hochrechnungen über die Bildschirme im Besitos flimmern. Die Verluste gegenüber der vergangenen Landtagswahl von mehr als 5 Prozent wiegen schwer. "Dennoch haben wir eines unserer Ziele erreicht: Drittstärkste Kraft im Parlament zu bleiben", sagt Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic. Auch das dürre Ergebnis der AfD von knapp sechs Prozent löst bei den rund 300 Grünen im Besitos Applaus aus. "Jetzt stellen wir uns auf einen langen Wahlabend ein", sagt Landwirtschaftsminister Christian Meyer.

Und er soll Recht behalten. Jeder neuen Hochrechnung fiebern die Grünen entgegen. Immer wieder zeichnet sich ab, dass es für eine Wiederauflage des rot-grünen Bündnisses im Landtag knapp reichen könnte. Doch am Ende genügt es nicht. "Herr Weil muss jetzt Gespräche führen, wir stehen bereit", kündigt Wenzel nach der Achterbahnfahrt an.

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Die Grünen setzen jetzt auf ein Ampel-Bündnis mit SPD und FDP. "Die FDP steht in der Verantwortung", sagt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven Christian Kindler. Der Landtagsabgeordnete Belit Onay versteht nicht, warum die FDP einer Ampel am Wahlabend eine Absage erteilte hat. "Gespräche müssen geführt werden", sagt Onay.  Eine Absage erteilen die Grünen einem Jamaika-Bündnis mit CDU und FDP. "Das wäre eine Koalition der Verlierer", sagt Meyer.

Trotz Verlust von Stimmen und rot-grüner Mehrheit sind die Grünen am Ende zufrieden.  "Rot-Grün hat eine riesige Aufholjagd hingelegt", sagt Grünen-Bundestagsabgeordneter Jürgen Trittin. Er habe es nicht für möglich gehalten, dass das Zweierbündnis noch einmal eine Chance bekommt. Auch Simone Peter, Bundesvorsitzende der Partei, freut sich über das zweitbeste Ergebnis der Grünen in Niedersachsen. "Beruhigend ist auch die Erkenntnis, dass die AfD nicht in den Himmel wächst", sagt Peter

Dennoch liegen den Grünen-Politikern die Stimmverluste schwer im Magen. "Hätten wir doch wenigstens zehn Prozent geschafft", sagt Grünen-Ratsfrau Renee Steinhoff. Onay erklärt sich den Einbruch so: "Die Aufmerksamkeit war sehr stark auf die beiden großen Parteien gerichtet. Da hatten es die kleineren Parteien schwer", sagt er. Landwirtschaftsminister Meyer meint, dass viele Grünen-Wähler Mitleid mit der SPD hatten und ihre Stimme den Sozialdemokraten gaben.

Für die Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene erwarten die Grünen jetzt Probleme. "Die Sondierungen werden schwierig, weil die CDU erneut einen Dämpfer bekommen hat", sagt der hannoversche Bundestagsabgeordnete Kindler.  Der Ansicht ist auch sein Kollege Trittin. "Die Diskussion innerhalb der CDU, wer die Nummer eins sein soll, wird sich fortsetzen", sagt er. Und es sei immer problematisch, mit einem möglichen Partner zu verhandeln, der ungelöste Führungsfragen hat.

15.10.2017
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