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Aus der Stadt Umstrittenes Schulranking: Jetzt müssen Taten folgen!
Hannover Aus der Stadt Umstrittenes Schulranking: Jetzt müssen Taten folgen!
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13:23 27.01.2018
Symbolbild
Symbolbild  Quelle: dpa
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Hannover

  Arme Kinder sind Bildungsverlierer. Experten predigen diese Wahrheit seit vielen Jahren. Erst Ende 2017 hat die Bertelsmann Stiftung dazu eine Studie herausgebracht. So deutlich wie im Grundschul-Ranking der hannoverschen Verwaltung hat man diese Erkenntnis aber lange nicht mehr schwarz auf weiß gehabt. Vor allem: nicht so unbarmherzig konkret. Es ist das Erschreckende an diesem Ranking, dass der Zusammenhang zwischen Armut und Bildung hier auf jede einzelne Grundschule Hannovers heruntergebrochen wird.

Die Verwaltung hat ein Ranking aller 57 Grundschulen in Hannover erstellt, um den Bedarf an kommunalen Schulsozialarbeitern zu ermitteln. In dieser Bildergalerie sehen Sie das Ranking – und die jeweiligen Werte der Einrichtungen. 

Die Stadtverwaltung zeigt damit Mut, denn sie setzt sich Kritik aus. Nicht, weil die Liste Schulen stigmatisieren würde, wie Schul- und Elternvertreter jetzt meinen. Eltern wissen meist sehr genau über Missstände an Schulen in ihrer Umgebung Bescheid. Brennpunktschulen Hannovers geht es überdies oft so schlecht, dass sie selber die Öffentlichkeit suchen und um Hilfe rufen. Die Liste bestätigt und präzisiert nur, was man ohnehin wahrnimmt, wenn man die Situation der Schulen nüchtern betrachtet.

Gefallen lassen muss sich die Stadt aber den Vorwurf, dass sie diese Zahlen und damit die Kenntnis über die Situation bereits seit zwei Jahren zur Verfügung hat. Dennoch ist bislang wenig passiert. Dass Bildung so offensichtlich von sozialer Herkunft abhängt, kann insbesondere eine sozialdemokratisch regierte Stadt wie Hannover nicht auf sich sitzen lassen.

Das Gute ist: Sie tut es auch nicht. Besser gesagt: nicht mehr. Die SPD-Ratsfraktion hat mit der Ampel bereits Mitte Dezember 2017 einen Antrag auf den Weg gebracht, der Abhilfe verspricht. Sie fordert genau das, was das Ranking in Ansätzen bereits leistet: eine offene, ehrliche Bestandsaufnahme des Ist-Zustandes und, darauf aufbauend, ein Hilfskonzept.

Wichtiger aber ist, dass das Land seine Aufgabe wahrnimmt, sich endlich auch um die Brennpunktschulen zu kümmern. Die wenigen Schulsozialarbeiter, die es bislang zusätzlich entsandte, sind nicht genug. Mehr Lehrer bräuchte es, neue pädagogische Konzepte, einen gut funktionierenden Ganztagsbetrieb. Zu hoffen ist, dass das „Konzept für Schulen mit extremen Herausforderungen“ es nicht bei Luftblasen belässt, sondern auch solche wesentlichen Änderungen enthält. Die Voraussetzungen dafür sind gut wie nie. Die CDU hat die SPD im Landtagswahlkampf 2017 mit dem Thema Brennpunktschulen sowieso vor sich hergetrieben. Und GroKo-Partner SPD, der auf Bundesebene so verzweifelt um seinen Markenkern ringt, könnte in Niedersachsen ein Beispiel für eben jenen geben, indem er mit einem klugen Konzept für Brennpunktschulen endlich für mehr Bildungsgerechtigkeit sorgt.

Von Jutta Rinas