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Aus der Stadt In Göttingen gedruckt - in Hannover gelesen
Hannover Aus der Stadt In Göttingen gedruckt - in Hannover gelesen
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00:19 16.04.2015
Umlagert: Grass 1992 nach einer Lesung in der Landesbühne Hannover. Quelle: Kersting
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Hannover

Der Auftritt in Hannover mit seinem Freund Oskar Negt war eine verspätete Geburtstagsfeier für den hannoverschen Sozialphilosophen, der kurz zuvor 80 Jahre alt geworden war.

Am Montag haben sich Oskar Negt und Günter Grass im Literarischen Salon zu einem Gespräch getroffen. Die Veranstaltung wurde von Protesten begleitet.

Grass und Göttingen, diese Verbindung existiert seit mehr als 20 Jahren. Seit 1993 erscheint sein Werk im Göttinger Steidl Verlag. Als der Schriftsteller sich im Streit von seinem vorigen Verlag, Luchterhand, trennte, waren einige Beobachter erstaunt, dass er nicht zu Hanser oder Rowohlt ging. Ein Grund war die Sorgfalt, mit der Verleger Gerhard Steidl Bücher macht. Er hat Grass’ Texte in schönen Ausgaben herausgegeben, auch die zwölfbändige Werkausgabe. Derzeit baut Steidl neben dem Verlagsgebäude ein Günter-Grass-Archiv auf, in dem alle grafischen Arbeiten des Künstlers aufbewahrt werden sollen. Am 12. Juni wird das Archiv eröffnet - mit einer Lesung aus Grass’ neuem Buch, an dessen Fertigstellung er bis zuletzt beteiligt war, „Vonne Endlichkait“. Darin habe der Autor, so Steidl, Prosa und Lyrik verwoben.

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Zahlreiche seiner Romane und Novellen hat Grass in Hannover vorgestellt. Regelmäßig war er zu Gast beim NDR, er hat in der Landesbühne gelesen, trat mit Martin Walser zum Tag der Deutschen Einheit auf und diskutierte im Schloss Herrenhausen über „Soziale Gerechtigkeit - Utopie oder Garantie?“ Außerdem war er bei vielen Ausstellungseröffnungen in der Stadt - und 1974 machte er hier Wahlkampf für Willy Brandt und die SPD. Fast immer waren die Veranstaltungen mit ihm ausverkauft. Und meist durfte er bei seinen Auftritten Rotwein trinken und rauchen.

Der Literaturnobelpreisträger Grass machte immer wieder Station in Hannover – zu Signierstunden und Lesungen, aber auch zu festlichen Anlässen bei einem seiner bekannten Freunden in der Stadt.

Grass’ Tod hat zahlreiche Hannoveraner berührt; viele versuchten gestern, seine Bücher zu kaufen. Bereits gegen 13 Uhr hatten die Buchhandlungen Probleme, Grass-Titel zu beschaffen. Karl Lang, Inhaber der Buchhandlung an der Marktkirche, sagte: „Natürlich versuchen wir, Bücher herzukriegen. Nur können die Grossisten schon jetzt nicht mehr liefern.“ Bei Decius wolle man in den kommenden Tagen eine Bücherecke gestalten, sagt Filialleiter Volker Petri: „Grass war einer der wichtigsten deutschen Dichter der Nachkriegszeit. Natürlich werden wir ihm einen Tisch widmen.“ Die Nachfrage ist da: Bereits bis gestern Mittag, so Petri, wollten 20 Kunden „Die Blechtrommel“ oder „Der Butt“ kaufen.

Von Katharina Derlin, Peter Krüger-Lenz und Martina Sulner

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