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Aus der Stadt Gutachter belasten Mechthild Bach schwer
Hannover Aus der Stadt Gutachter belasten Mechthild Bach schwer
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20:54 03.11.2009
Von Sonja Fröhlich
Die Angeklagte Mechthild Bach. Quelle: Rainer Dröse

Manfred Schwartau, Facharzt für Innere Medizin und Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen Niedersachsen (MDKN), waren 2001 bei einer Kontrolle der Langenhagener Paracelsusklinik erhebliche Unregelmäßigkeiten aufgefallen. In der Belegarztklinik,für die Bach mit dem mittlerweile wegen Betrugs verurteilten Borreliose-Arzt Joachim L. die medizinische Aufsicht führte, habe es in fünfeinhalb Jahren 350 Todesfälle gegeben: „Das war eine immense Zahl.“ Vergleichbare Kliniken verzeichneten in diesem Zeitraum durchschnittlich zwei Sterbefälle, weil sie Patienten mit hohem Sterberisiko modern ausgestatteten Unikliniken überließen. Die Paracelsusklinik dagegen habe weder über eine Intensivstation noch über eine Röntgenabteilung oder moderne Medikamente verfügt. „Ich hätte 75 Prozent der Patienten verlegt – eigentlich alle“, resümierte der Gutachter.

Bach bescheinigte er „schwerwiegende Fehler bei Diagnostik- und Therapiekonzepten“. Nach seinem Dafürhalten sei sie keine Krebsspezialistin gewesen und habe wegen ihrer hausärztlichen Internistenpraxis keine Zeit mehr haben können. „Dass jemand zusätzlich noch als verantwortlicher Belegarzt für 30 und später für 65 Betten verantwortlich war, habe ich noch nie erlebt“, sagte Schwartau: „Das kann nicht funktionieren.“

Um den Aufenthalt in der Paracelsusklinik zu begründen, vermutete Schwartau, habe sie gegenüber den Kassen statt korrekter Hauptdiagnosen „enorm viele Nebendiagnosen“ angegeben. So habe es bei Bachs Patienten auch so gut wie nie eine „Fehlbelegungsprüfung“ gegeben – laut Schwartau ein alltägliches Prozedere des Medizinischen Dienstes, um festzustellen, ob Kliniken ihre Patienten möglicherweise zu lange auf ungeeigneten Stationen behalten. „Wenn aber ein Patient stirbt, kommt es im Nachhinein nicht zu der Prüfung“, sagte Schwartau. Er gab zu bedenken, dass ihm mehrere ihrer Patienten aufgefallen seien, deren Tod exakt auf dem Tag datierten, an dem die Kostenübernahme für den Klinikaufenthalt ausgelaufen sei.

Bachs Verteidiger, Matthias Waldraff und Albrecht-Paul Wegener, kündigten nach der Aussage des Sachverständigen an, zahlreiche weitere Zeugen hören zu wollen. Mechthild Bach ist angeklagt, 13 Patienten vorsätzlich getötet zu haben, indem sie ihnen hohe Dosen an Valium und Morphium verabreicht haben soll.

Im ersten Fall des 52-jährigen Wolfgang S. hielt die Direktorin der Neurochirurgischen Universitätsklinik in Mannheim, Kirsten Schmieder, der Angeklagten am Dienstag eine inadäquate Diagnostik und Behandlung vor. Sie vermutete, dass der Patient im Krankenhaus so schnell abgebaut habe, weil er dort nach einem epileptischen Anfall keine therapeutische Versorgung erhalten habe. Zudem sei es mangels weiterführender Untersuchungen fraglich, ob S. überhaupt, wie Bach sagt, einen Gehirntumor hatte. Selbst wenn, sei dieser verhältnismäßig leicht zu operieren gewesen. Allerdings soll der Patient Metastasen im ganzen Körper gehabt haben, auch dazu werden noch Fachärzte befragt. S.’ mittlerweile verstorbene Ehefrau hatte erklärt, dass ihr Mann keine lebensverlängernden Maßnahmen hätte haben wollen. Weitere Ärzte sollen nun aufklären, ob S. zu dem Zeitpunkt an seinen weiteren Krebsleiden gestorben wäre.

Der Prozess wird am 16. November fortgesetzt.

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