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Aus der Stadt Gymnasiast stellt WM-Spiele mit Lego nach
Hannover Aus der Stadt Gymnasiast stellt WM-Spiele mit Lego nach
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13:52 29.06.2010
Fabian Moritz hat viel zu tun: Die WM bereitet ihm schlaflose Nächte. Quelle: dpa
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Als seine Kumpels ihre Freude über den 4:1-Sieg der deutschen Nationalelf gegen England nicht mehr zurückhalten können, sich in den Armen liegen und überschwänglich in ihre Vuvuzelas pusten, sackt Fabian Moritz ein wenig in sich zusammen. „Uff“, denkt er. „Das bedeutet ganz viel Arbeit.“ Denn der 19-Jährige hat eine Mission, die ihn seit einigen Wochen kaum noch schlafen lässt. In einem kleinen Zimmer in seinem Elternhaus in Rethen stellt er alle Begegnungen der Fußball-Weltmeisterschaft mit Lego-Figuren nach, auf einem Stadionrasen aus grünen Plastiknoppen und Spielern mit Löchern unter den Füßen. Die Spiegelreflexkamera, mit denen Moritz das Geschehen der Mini-WM filmt, allerdings ist echt.

Längst produziert der leidenschaftliche Hannover-96-Fan seine mehrminütigen Animationsfilme für ein großes Publikum. Bis zu 80 000 Menschen besuchen täglich seine Internetseite und schauen sich die handgemachten Spielberichte an. Was vor drei Jahren mit einem Testspiel der Roten gegen den spanischen Ausnahmeverein Real Madrid als Hobby begann, hat sich für Moritz zu einer Vollzeitbeschäftigung entwickelt. „Die Atmosphäre in Stadien hat mich schon immer fasziniert“, sagt Moritz, der seit seinem fünften Lebensjahr eine Dauerkarte für die Spiele seines Lieblingsklubs hat. „Da habe ich einfach mal eines gebaut.“ Mittlerweile steht das Telefon kaum noch still. Denn Moritz produziert die mehrminütigen Videosequenzen unter anderem für den Internetauftritt der englischen Zeitung „The Guardian“. Interessenten aus den Niederlanden haben bereits angefragt, und auch in Deutschland stößt die Lego-Elf auf großes Interesse. „Ich habe die letzten Nächte kaum geschlafen“, sagt Moritz.

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Der ehemalige Gymnasiast legt sein Augenmerk vor allem auf die Höhepunkte der WM-Partien. Davon gab es beim Fußballklassiker Deutschland gegen England sogar eine ganze Menge. Fünf Tore fielen, und dann kam es auch noch zu dem Lattenschuss des Mittelfeldstürmers Frank Lampard. Fußballkenner erinnerte dieser historische Treffer an das Wembley-Tor von 1966, das damals den Sieg der englischen Mannschaft über die deutsche Elf besiegelte. „Dieser Schuss darf in meinem Bericht natürlich nicht fehlen“, sagt Moritz.

Der Aufwand, der hinter den kleinen Filmen steckt, wird erst deutlich, wenn Moritz einen Einblick in seine Produktionsgeheimnisse gewährt. Der 19-Jährige führt seine selbstgestellte Aufgabe mit höchster Präzision aus. Zunächst speichert er die echten Spiele auf der Festplatte seines Computers, später dann notiert er sich prägende Momente des Turniers, die Positionen der jeweiligen Spieler und die Wege des Balles. Auch die vielen außergewöhnlichen und viel diskutierten Entscheidungen der Schiedsrichter in diesem Turnier fließen in seine Berichte ein, etwa die Rote Karte für Miroslav Klose während des Vorrundenspiels gegen Serbien. Schließlich fotografiert Moritz alle Szenen einzeln ab. Vier Bilder pro Sekunde sind erforderlich, damit es im Film später so aussieht, als bewegten sich die Lego-Figuren fließend und geschmeidig über das Plastikgrün.

Ausverkauft ist das auf 600 Zuschauer ausgerichtete Lego-Stadion in dem kleinen Zimmer in Rethen allerdings selten. Nur 400 Lego-Männchen nehmen dort Platz. „Mehr Figuren habe ich einfach nicht, aber ich schwenke die Kamera immer so, dass man die Lücken nicht sieht.“ Man ist aus den Zuschauerreihen in Südafrika ja allerhand gewöhnt, aber Moritz’ Lego-Fans übertreffen die Aufmachung der oft bunt geschmückten Südafrikaner noch. Die Lego-Zuschauer tragen zwar weder üppig dekorierten Helme und auch keine übergroßen Brillen, ihr Aussehen ist dennoch bizarr. In Moritz’ Lego-Stadion mischen sich Piraten, Astronauten, Taxifahrer und Ritter in die Ränge. „Man muss das nehmen, was einem zur Verfügung steht“, sagt der 19-Jährige pragmatisch. Und um doch ein wenig südafrikanisches Flair in die Plastikränge zu zaubern, hat er die Fans stilecht mit Mini-Vuvuzelas ausgestattet.

Mehr Videos gibt es hier im Internet.

Stefanie Nickel

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