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Aus der Stadt Auf zur Schule – aber sicher
Hannover Aus der Stadt Auf zur Schule – aber sicher
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10:39 04.08.2014
Von Saskia Döhner
Besonders an Ampeln müssen die Kinder aufpassen. Nicht alle Verkehrsteilnehmer halten sich an die angezeigten Signale.
Besonders an Ampeln müssen die Kinder aufpassen. Denn nicht alle Verkehrsteilnehmer halten sich an die angezeigten Signale. Quelle: Schledding
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Hannover

Noch sechs Wochen – dann beginnt für rund 10.000 Kinder in der Region Hannover eine spannende Zeit: Sie werden Schüler. Viele Familien nutzen die ruhigeren Tage in den Sommerferien dazu, mit den angehenden Erstklässlern den Schulweg zu üben. Manche sollen eine vierspurige Hauptverkehrsstraße überqueren, andere ein Wirrwarr enger Gassen bewältigen. Mag der Weg auch kurz sein, ungeahnte Gefahren können überall lauern, und je besser man die unübersichtlichen Ecken kennt, desto sicherer kommt man ans Ziel.

Eine Grundregel, die an warmen Sommertagen leicht vergessen wird, lautet: Helle Kleidung macht Kinder sicherer. Tragen sie dunkle Kleidung, werden sie aus höchstens 25 Metern Entfernung gesehen. Ein Auto, das mit 50 Stundenkilometern unterwegs ist, hat jedoch einen Bremsweg von 40 Metern. Helle Farben nehmen Autofahrer aus 80 Meter Entfernung wahr. Reflektoren, die oft auch an Schulranzen befestigt sind, leuchten sogar bis zu 150 Meter weit.

Nicht nur Eltern, größere Geschwister oder ältere Freunde üben mit den Abc-Schützen den Schulweg, auch zahlreiche Kindergärten haben in den vergangenen Wochen Aktionen zur Verkehrssicherheit angeboten. So auch die Kita Nazareth in der Südstadt, die in diesem Jahr 15 Kinder auf den wichtigen Wechsel in die Schule vorbereitet hat. Die Schulanfänger Linnea, Helena, Fritz und Jan-Ove geben in der HAZ Tipps, worauf man besonders achten muss.

Auch in diesem Jahr lädt die HAZ mit der Verkehrswacht zum großen Familienfest für Verkehrssicherheit. Dieses Jahr wird an einem neuen Ort gefeiert: Mit unterschiedlichen Kinderliedermachern wird die Wiese am Neuen Rathaus am 14. September, also am Sonntag nach der Einschulung, zum Treffpunkt für Erstklässler, ihre Freunde und Familien. Experten der Verkehrswacht, Polizei und Feuerwehr, unterstützt von Volkswagen Nutzfahrzeuge, dem GVH und dem Gemeinde-Unfallversicherungsverbande, und viele mehr werben dann mit vielfältigen Aktionen für Sicherheit im Straßenverkehr. Bei der Dekra kann man etwas über den sogenannten toten Winkel lernen oder einen Überschlagssimulator testen. Mit dabei sind auch ein Fahrradparcours und ein singender Polizist. Für die Erstklässler, die am Tag nach dem Fest ihren ersten richtigen Schultag haben werden, wird dies ohnehin ein ganz besonderes Wochenende.

Zu Fuß ist es am besten

Helena und Jan-Ove (beide 6) aus der Nazareth-Kita in der Südstadt wissen, dass sie am besten zu Fuß in die Schule gehen sollen. „Das ist sicherer als mit dem Fahrrad“, sagt das Mädchen.
Helena wird nach den Sommerferien auf die Hinrich-Wilhelm-Olbers-Grundschule in Döhren gehen, Jan-Ove besucht dann die Südstadtschule. Die neuen Erstklässler sollten zunächst in Begleitung und später dann allein zur Schule gehen. Im Idealfall gibt es Kinder aus der Nachbarschaft, mit denen man zusammen gehen kann. Manchmal wechseln sich auch die Eltern mit der Begleitung ab.

Links, rechts, dann wieder links

Schon beim Verkehrsprojekt im St.- Nazareth-Kindergarten haben Linnea (5) und Fritz (6) das Überqueren von Straßen ohne Ampeln geübt. Die Links-rechts-links-Regel kennen sie im Schlaf. Wichtig ist es, dass man nicht zwischen parkenden Autos über die Straße geht. „Sonst wird man nicht gesehen“, sagt Fritz. An der Gehwegkante heißt es: Stehenbleiben, nach links, nach rechts und dann vorsichtshalber noch mal nach links gucken. Erst dann geht es über die Straße. „Langsam, nicht rennen“, ruft Linnea. Sonst könnte man stolpern und hinfallen, und bevor man wieder auf den Beinen ist, kommt schon ein Auto.

Aufpassen an Ausfahrten

Wie an Baustellen heißt es auch an Ausfahrten: Augen auf. Selbst wenn Autofahrer langsam auf den Bürgersteig rollen, um dann auf die Straße zu fahren, können sie nicht immer sehen, ob von rechts oder links ein Fußgänger kommt. Die Schulanfängerinnen Linnea und Helena haben im Kindergarten einen Trick gelernt: „An Ausfahrten bleiben wir stehen, gucken, ob ein Auto kommt, und strecken den Arm vor.“ So sind sie für die Fahrer gut sichtbar. Den Arm kann man auch an Ampeln oder Zebrastreifen vorstrecken, um zu zeigen, dass man die Straße überqueren will und die Autos anhalten sollen.

Aussteigen auf der Gehwegseite

Manchmal werden Schulkinder doch mit dem Auto gebracht. Wenn es in Strömen regnet oder es zeitlich besonders eng wird. Fritz (6) weiß, dass er natürlich auf der Rückbank auf einer Sitzerhöhung oder einem Kindersitz sitzen und sich anschnallen muss. Wer kleiner als 150 Zentimeter ist oder jünger als zwölf Jahre alt, darf nicht ohne Kindersitz im Auto fahren. Und der Beifahrersitz vorne ist erst recht tabu. Aussteigen sollten Kinder immer an der Gehwegseite. Die Autotür darf man nur öffnen, wenn man sicher weiß, dass niemand vorbeikommt. Den Ranzen bitte erst auf dem Fußweg umschultern.

Vorsicht an Ampeln

Den Klassiker „Bei Rot bleibst du stehen, bei Grün darfst du gehen“ kennen die Schulanfänger aus der Nazareth-Kita nach eigenem
Bekunden „schon seit Jahren“. Doch auch wenn die Ampel auf Grün springt, stürmen Helena, Linnea, Jan-Ove und Fritz nicht einfach los. Denn hin und wieder gibt es Autofahrer, die noch schnell Gas geben und über die Kreuzung fahren. Und auch bei Radfahrern kann man nie ganz sicher sein, ob sie auf Ampelsignale achten. Besonders aufpassen müssen die Kinder bei Abbiegern. Fahrer müssen Fußgänger eigentlich zuerst passieren lassen – aber nicht alle halten sich daran.

Keine Hektik an der Haltestelle

Auf gar keinen Fall sollten Erstklässler in Eile über die Straße rennen, weil sie noch den Bus kriegen wollen. Zu spät in die Schule zu kommen ist zwar nicht schön aber einen Unfall zu haben, ist noch viel schlimmer. Dann sollte man lieber in Ruhe auf den nächsten Bus warten oder gleich zehn Minuten früher von zu Hause losgehen. Die Schulanfänger aus der Nazareth-Kita wissen auch, dass man nicht einfach hinter einem haltenden Bus auf die Straße rennt. Denn es könnte ja ein Auto kommen. Besser ist es zu warten, bis der Bus weggefahren und die Straße frei ist. Dann kann man ruhig über die Straße gehen.

Augen auf bei parkenden Autos

An großen, aber auch an kleinen engen Straßen in Wohngebieten müssen Kinder besonders aufpassen. Denn oft versperren parkende Autos am Rand die Sicht auf die Fahrbahn. Die Autofahrer, die auf der Straße unterwegs sind, können wiederum die kleinen Fußgänger zwischen den abgestellten Fahrzeugen nicht richtig sehen. Helena, Linnea und Co. wissen Rat: Sie legen die Hand an eines der parkenden Autos und beugen sich vor, bis sie die Straße gut einsehen können. Erst wenn alles frei ist, gehen sie los, die Links-rechts-links-Regel im Kopf. Oder noch besser: Sie suchen sich eine Ampel oder einen Zebrastreifen in der Nähe.

Rücksicht auf Kinder nehmen

Dieses Zeichen warnt Autofahrer: Hier könnten manchmal Kinder über die Straße laufen. Oft steht das Verkehrschild in der Nähe von Kindergärten, Spielplätzen oder Schulen. Autofahrer müssen vor allem tagsüber so fahren, dass sie plötzlich auftauchende Kinder nicht gefährden. Linnea (5) und Jan-Ove (6) laufen natürlich nicht einfach auf die Fahrbahn. Seit dem Training in der Nazareth-Kita sind sie Profis, was die Verkehrsregeln angeht. Linnea zieht zwar jetzt um, aber auch auf dem Weg zu ihrer Grundschule in Holle (Kreis Hildesheim) kann sie das Gelernte gut gebrauchen und anderen sogar erklären.

Veronika Thomas 04.08.2014
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